CHP stellt Justizminister Gürlek Fragen zu ungeklärten Kriminalfällen
Der CHP-Abgeordnete Sezgin Tanrıkulu hat eine parlamentarische Anfrage an Justizminister Akın Gürlek gerichtet, die sich mit ungeklärten Morden und seit Jahren ungelösten Fällen verdächtiger Todesfälle befasst. Unter Verweis auf die Fälle von Çağla Tuğaltay und Rojin Kabaiş forderte Tanrıkulu Erklärungen zu Problemen bei der Auswertung digitaler Beweise, Verzögerungen bei Ermittlungen sowie Mängeln in der technischen Infrastruktur.
Der stellvertretende CHP-Vorsitzende und Abgeordnete für Diyarbakır, Sezgin Tanrıkulu, hat eine schriftliche parlamentarische Anfrage an das Präsidium der Großen Nationalversammlung der Türkei (TBMM) gerichtet, die von Justizminister Akın Gürlek beantwortet werden soll. Darin geht es um „ungeklärte“ Morde und Akten zu verdächtigen Todesfällen.
In seiner Anfrage wies Tanrıkulu insbesondere auf Fälle hin, die seit vielen Jahren nicht gelöst werden konnten, und stellte folgende Fragen: „Wie hoch ist die Zahl der als ‚ungeklärt‘ registrierten Mord- und verdächtigen Todesfallakten in der gesamten Türkei in den letzten 30 Jahren? Wurde im Fall Rojin Kabaiş eine Bewertung dahingehend vorgenommen, dass sich der Verlauf der Ermittlungen aufgrund der Unfähigkeit, digitale Daten zu entschlüsseln, verzögert hat?“
Tanrıkulu machte in seiner Anfrage folgende Ausführungen:
„In vielen Mord- und verdächtigen Todesfallakten, die in den letzten Jahren in der Türkei öffentlich wurden, ist zu beobachten, dass die Ermittlungen über viele Jahre hinweg nicht abgeschlossen werden konnten und einige Akten erst durch öffentlichen Druck oder individuelle Bemühungen der Familien wieder auf die Tagesordnung gelangten. Beispielsweise wurden im Fall der im Jahr 2000 ermordeten Çağla Tuğaltay erst 26 Jahre später DNA-Untersuchungen und eine Exhumierung zum Thema; im Fall Rojin Kabaiş waren internationale technische Prozesse erforderlich, um Zugang zu digitalen Beweisen zu erhalten; im Mordfall Kübra Yapıcı wurde öffentlich behauptet, dass Familienangehörige faktisch in den Prozess der Beweissicherung einbezogen waren.
Diese und ähnliche Vorfälle werfen ernsthafte Fragen zur Effektivität der Ermittlungsprozesse, zur Kapazität der Beweissicherung und -analyse, zum Verbleib ungeklärter Akten sowie zur Kompetenz der Justizbehörden, von sich aus tätig zu werden, auf. Insbesondere die Behauptungen, dass Mordakten, die über lange Zeit nicht aufgeklärt werden können, ‚faktisch auf Eis gelegt‘ werden und nur in Ausnahmefällen wieder aufgegriffen werden, untergraben das Prinzip des Rechtsstaates und das gesellschaftliche Vertrauen in die Justiz.“
UNGELÖSTE FÄLLE AUF DER TAGESORDNUNG
Tanrıkulu lenkte in seiner parlamentarischen Anfrage die Aufmerksamkeit insbesondere auf die Fälle von Çağla Tuğaltay und Rojin Kabaiş. Es wurde eine detaillierte Erklärung zu DNA-Untersuchungen, der Auswertung digitaler Beweise und Ermittlungen gefordert, die erst nach Jahren wieder aufgenommen wurden.
DIGITALE BEWEISE UND TECHNISCHE INFRASTRUKTUR HINTERFRAGT
In der Anfrage wurde auch thematisiert, warum für die Untersuchung digitaler Daten auf technische Möglichkeiten im Ausland zurückgegriffen wurde. Es wurden Fragen dazu gestellt, ob in der Türkei eine technische Infrastruktur vorhanden ist, die solche Daten entschlüsseln kann, und ob die bestehenden technischen Unzulänglichkeiten zu Verzögerungen bei den Ermittlungen führen.
Die Fragen, die Tanrıkulu an Minister Gürlek richtete, lauten wie folgt:
- Wie hoch ist die Zahl der als ‚ungeklärt‘ registrierten Mord- und verdächtigen Todesfallakten in der gesamten Türkei in den letzten 30 Jahren?
- Wie viele davon konnten bis heute nicht abgeschlossen werden?
- Was ist der Grund dafür, dass DNA-Untersuchungen und die Exhumierung im Fall der im Jahr 2000 ermordeten Çağla Tuğaltay trotz der vergangenen 26 Jahre erst heute zum Thema werden?
- Wurden in diesem Fall verwaltungsrechtliche oder strafrechtliche Schritte gegen die Verantwortlichen eingeleitet, weil zum Zeitpunkt des Vorfalls keine oder nur unzureichende DNA-Untersuchungen durchgeführt wurden?
- Wurde im Mordfall Çağla Tuğaltay untersucht, ob es im Laufe der Jahre zu einem Verlust von Beweismitteln gekommen ist?
- Liegt in dieser Hinsicht ein festgestelltes Versäumnis vor?
- Was ist der Grund dafür, dass im Fall Rojin Kabaiş für die Auswertung digitaler Beweise auf das Ausland (wie Spanien und China) zurückgegriffen wurde?
- Warum gibt es in der Türkei keine technische Infrastruktur, die solche digitalen Daten entschlüsseln kann?
- Wurde festgestellt, dass es aufgrund dieser technischen Unzulänglichkeiten bei der Auswertung digitaler Beweise zu Verzögerungen bei den Ermittlungen kommt?
- Wurde im Fall Rojin Kabaiş eine Bewertung dahingehend vorgenommen, dass sich der Verlauf der Ermittlungen aufgrund der Unfähigkeit, digitale Daten zu entschlüsseln, verzögert hat?
- Was sind die strukturellen Probleme, die dazu führen, dass sich die Ermittlungsprozesse sowohl im Fall Çağla Tuğaltay als auch im Fall Rojin Kabaiş über viele Jahre hinziehen?
- Plant Ihr Ministerium die Einrichtung eines speziellen Prüf- oder Kontrollmechanismus für „verzögerte Gerechtigkeit“ bei solchen Akten, die erst nach vielen Jahren wieder aufgegriffen werden?
Nachrichtenquelle: 12punto
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