Autofahrer aufgepasst! Zufahrt nach Eminönü und Kadıköy wird kostenpflichtig
Istanbul führt eine „City-Maut“ ein, um den Verkehr zu entlasten und die Luftverschmutzung zu verringern. Das System, das zunächst in Eminönü startet, sieht vor, dass Autofahrer für die Einfahrt in bestimmte Zonen Gebühren zahlen müssen. Auch Kadıköy wird in dieses System einbezogen. Die Maßnahme orientiert sich an erfolgreichen internationalen Beispielen, um das Verkehrsproblem in Istanbul zu lösen. Was ist eine City-Maut und warum wird sie eingeführt? Hier sind die Details...
Wie aus einem Bericht von Sputnik hervorgeht, werden im Rahmen des „Istanbuler Plans für nachhaltige städtische Mobilität (SKUP)“ Maßnahmen umgesetzt, um Lösungen für Istanbuls zunehmende Verkehrsprobleme zu finden. Als Teil dieses Plans müssen Autofahrer durch die „Staugebühr“ für die Einfahrt in bestimmte Zonen eine Gebühr entrichten.
Eminönü wurde als erstes Pilotgebiet ausgewählt, anschließend soll Kadıköy in das Pilotprojekt einbezogen werden.
VERKEHRSDICHTE SOLL BIS 2030 UM 10 PROZENT SINKEN
Im Rahmen des Plans sind mehrere innovative Lösungen zur Reduzierung der Verkehrsbelastung vorgesehen:
Es wird prognostiziert, dass die Verkehrsbelastung zu Spitzenzeiten bis 2030 um 10,1 Prozent und bis 2040 um 12,8 Prozent sinken wird.
Mit der Einführung von „Niedrigemissionszonen (NEZ)“ werden für Fahrzeuge, die die Umwelt stärker belasten, zusätzliche Gebühren erhoben.
Umweltfreundliche Maßnahmen wie der Ausbau des Seeverkehrs und Busspuren mit Vorrang sollen verstärkt werden.
Der Bürgermeister der Stadtverwaltung Istanbul (İBB), Ekrem İmamoğlu, erklärte, dass dies der erste nachhaltige städtische Mobilitätsplan der Türkei sei und Lösungen enthalte, die einen umweltfreundlichen Verkehr fördern.
EMİNÖNÜ UND KADIKÖY ALS PILOTREGIONEN AUSGEWÄHLT
Eminönü wurde als Pilotgebiet ausgewählt und wird auf einer Fläche von etwa 6 Quadratkilometern in das System integriert. Danach wird der Stadtteil Moda in Kadıköy folgen. Durch die Niedrigemissionszonen werden für umweltschädliche Fahrzeuge höhere Gebühren verlangt, während umweltfreundliche Fahrzeuge von günstigeren Tarifen profitieren können.
VERKEHRSDATEN BELEGEN DIE LAGE
Laut Daten des TomTom Traffic Index belegte Istanbul weltweit den 65. Platz im Ranking der Verkehrsdichte.
Durchschnittliche Geschwindigkeit: 23 km/h
Jährlich im Stau verlorene Zeit: 104 Stunden
Durchschnittliche Reisezeit für 10 km: 20 Minuten 40 Sekunden
Diesen Daten zufolge gehören neben Istanbul auch Gaziantep und Ankara zu den Städten, die hinsichtlich der Verkehrsstaus besonders auffallen.
KOSTENPFLICHTIGE ZUFAHRT SOLL ÖPNV-NUTZUNG STEIGERN
Prof. Dr. Ayşe Uyduranoğlu vom Fachbereich Wirtschaft der Istanbul Bilgi Universität erklärte, dass das System bereits in Städten wie London, Stockholm und Mailand angewendet wurde und dort zu erfolgreichen Ergebnissen führte. Uyduranoğlu betonte, dass die Anwendung in einigen Städten die Verkehrsdichte um bis zu 40 Prozent reduziert habe und die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel um 5 bis 10 Prozent gestiegen sei.
WIRD DIE PILOTANWENDUNG ERFOLGREICH SEIN?
Uyduranoğlu gab folgende Empfehlungen für ein reibungsloses Funktionieren des Systems:
Die Ergebnisse der Pilotanwendungen sollten transparent geteilt werden.
Für umweltfreundliche Fahrzeuge sollten niedrigere Tarife gelten.
Um die Unterstützung der Bevölkerung zu gewinnen, sollte die Meinung der Öffentlichkeit durch Methoden wie Referenden eingeholt werden.
Innovative Ansätze für Istanbuls Verkehrsproblem
Basierend auf den Ergebnissen des Pilotprojekts ist geplant, das System der kostenpflichtigen Zufahrt auf andere Gebiete Istanbuls auszuweiten. Experten argumentieren, dass solche Anwendungen effektiv im Kampf gegen Luftverschmutzung und zur Reduzierung von CO2-Emissionen seien.
WELCHE STÄDTE WAREN MIT KOSTENPFLICHTIGER ZUFAHRT ERFOLGREICH?
London: Verkehr um 20 Prozent reduziert, Anstieg der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel.
Stockholm: Erfolg durch Unterstützung bei einem Referendum, Luftverschmutzung um 14 Prozent gesunken.
Mailand: System mit Vorteilen für umweltfreundliche Fahrzeuge, CO2-Emissionen gesenkt.
Singapur: Deutliche Reduzierung des Verkehrs durch elektronische Preisgestaltung.
New York: Kontrolle des Verkehrs in Manhattan durch tägliche Gebühren.
WAS IST EINE KOSTENPFLICHTIGE ZUFAHRT UND WARUM WIRD SIE EINGEFÜHRT?
Um Staus zu reduzieren, die Luftverschmutzung zu bekämpfen und umweltfreundliche Mobilität zu fördern, wird in vielen Städten die Zufahrt mit Fahrzeugen in bestimmte Zonen kostenpflichtig gemacht. Dieses System zielt darauf ab, den Fahrzeugverkehr zu regulieren, den öffentlichen Nahverkehr zu fördern und die Nutzung umweltfreundlicher Fahrzeuge zu erhöhen.
London: Der erste Schritt gegen Verkehrsdichte
London führte 2003 die sogenannte „Congestion Charge“ (Staugebühr) ein. Fahrer, die zu bestimmten Zeiten in die verkehrsreichsten Zonen der Stadt einfahren, zahlen eine tägliche Gebühr von 15 Pfund. Dank dieser Anwendung sank der Verkehr um 20 Prozent und die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel nahm deutlich zu.
Stockholm: Eine durch Referendum angenommene Anwendung
Die schwedische Hauptstadt Stockholm führte 2007 ein System zur kostenpflichtigen Zufahrt ein, um Staus zu vermeiden. Diese Entscheidung wurde nach einem Referendum mit Bürgerbeteiligung getroffen. Das System konnte die Luftverschmutzung um 14 Prozent und die Verkehrsdichte um 20 Prozent senken.
Mailand: Vorteile für umweltfreundliche Fahrzeuge
Die italienische Stadt Mailand führte 2012 mit dem System „Area C“ eine Gebühr für die Einfahrt in das Stadtzentrum ein. Während für Fahrzeuge mit fossilen Brennstoffen 5 Euro erhoben werden, können Elektro- und Hybridfahrzeuge kostenlos einfahren. Diese Anwendung hat die CO2-Emissionen erheblich gesenkt.
Singapur: Die weltweit erste Anwendung zur kostenpflichtigen Zufahrt
Singapur war 1975 die erste Stadt, die ein System zur kostenpflichtigen Fahrzeugeinfahrt einführte. Mit dem sogenannten „ERP (Electronic Road Pricing)“ werden Fahrzeuge, die zu Stoßzeiten in das Stadtzentrum fahren, über eine dynamische Preisgestaltung zur Kasse gebeten. Diese Anwendung hat sowohl die Verkehrsdichte als auch die Luftverschmutzung erheblich reduziert.
New York: Das erste System zur kostenpflichtigen Zufahrt in den USA
New York wurde 2021 die erste Stadt in den USA, die eine Gebühr für die Fahrzeugeinfahrt einführte. Mit dem System, das in bestimmten Teilen Manhattans angewendet wird, werden von Fahrern tägliche Gebühren zwischen 9 und 23 Dollar verlangt. Diese Anwendung zielt darauf ab, den öffentlichen Nahverkehr zu stärken und Staus zu reduzieren.
Nachrichtenquelle : 12punto
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