Neue Entwicklung im Fall Sinan Ateş: Anstifter soll mit Polizeikommissar telefoniert haben
Es wurde bekannt, dass Tolgahan Demirbaş, ehemaliger Funktionär der Ülkü Ocakları und mutmaßlicher Anstifter des Mordes an Sinan Ateş, einen Tag vor der Tat fünfmal mit dem inhaftierten ehemaligen Leiter des Morddezernats der Polizei Ankara, Mustafa Ensar Aykal, telefoniert hat. Zudem gab es zwei weitere Gespräche eine halbe Stunde sowie zwei Stunden nach dem Mord; diese Kontakte sind nun Teil der Ermittlungsakte.
Der ehemalige Vorsitzende der Ülkü Ocakları, Sinan Ateş, kam am 30. Dezember 2022 bei einem bewaffneten Angriff im Stadtviertel Çukurambar im Bezirk Çankaya in Ankara ums Leben. Nachdem die Generalstaatsanwaltschaft Ankara Anklage gegen 22 inhaftierte Verdächtige im Zusammenhang mit dem Mord an Sinan Ateş erhoben hatte, kommen nun Details aus der Ermittlungsakte der 17 weiteren Verdächtigen ans Licht, deren Verfahren abgetrennt wurde.
Es wurde festgestellt, dass der Verdächtige Tolgahan Demirbaş am 29. Dezember 2022, einen Tag vor dem Mord, fünfmal mit Mustafa Ensar Aykal telefonierte. Am 30. Dezember, dem Tag der Tat, erfolgten zudem zwei weitere Gespräche über Facetime: eines eine halbe Stunde nach dem Mord und ein weiteres etwa zwei Stunden später.
In seiner Aussage behauptete Demirbaş, der Grund für diese Gespräche sei die Angelegenheit um ein Fahrzeug mit „MHP“-Kennzeichen sowie die Beantragung einer Waffengenehmigung für den stellvertretenden Vorsitzenden der Ülkü Ocakları, Emre Yüksel, gewesen.
AUSSAGE WURDE BEKANNT
Die Aussage von Tolgahan Demirbaş vor der Generalstaatsanwaltschaft Ankara lautet wie folgt:
Tolgahan Demirbaş: Ich erinnere mich, dass ich einen Tag zuvor aus zwei Gründen mit ihm gesprochen habe. Erstens gab es eine Bitte um Hilfe bezüglich des Verkaufs des Fahrzeugs eines Freundes mit „MHP“-Kennzeichen, damit das Kennzeichen nicht verloren geht und er es zurückerhalten kann. Der zweite Punkt ist folgender: Mein Freund Emre Yüksel und zwei weitere Personen, deren Nachnamen ich nicht mehr weiß, einer davon heißt Erkan, wollten eine waffenrechtliche Erlaubnis bei der Gouverneursverwaltung Ankara beantragen. Aufgrund der hohen Arbeitsbelastung bei der Polizeidirektion habe ich ihn um Unterstützung gebeten.
Staatsanwalt: Warum hattest du das Bedürfnis, diese Gespräche über Facetime zu führen?
Tolgahan Demirbaş: Das ist in unserem Umfeld so üblich. Ich rufe meine Freunde und mein enges Umfeld meistens über Facetime an.
Staatsanwalt: Die Gespräche, die du unmittelbar nach dem Mord geführt hast, fallen auf. Was könntest du am selben Tag mit Mustafa Ensar Aykal besprochen haben? Am selben Tag wurde um 13.30 Uhr ein Mord begangen. Was hat den Leiter des Morddezernats dazu bewegt, sich inmitten dieser Hektik und Arbeitsbelastung Zeit für ein solches Gespräch mit dir zu nehmen? Das ist sehr auffällig und wirkt nicht normal, was sagst du dazu?
Tolgahan Demirbaş: Herr Staatsanwalt, ich sehe hier keine Auffälligkeit. Da das Opfer der ehemalige Vorsitzende der Ülkü Ocakları war und ich ebenfalls aus dem nationalistischen Umfeld stamme und eine Aufgabe innehatte... Er hat mich am Tag des Vorfalls angerufen. Wir haben am Tag des Vorfalls einmal gesprochen. Er fragte: ‚Hast du von dem Vorfall in Çukurambar gehört?‘ Das Gespräch dauerte maximal 10 Sekunden. Ich fragte: ‚Ich weiß von nichts, was ist passiert?‘ Er sagte: ‚Alles klar, wir sprechen uns, mach's gut.‘ Dann haben wir aufgelegt.
Während für den Angeklagten Mustafa Ensar Aykal wegen „Beihilfe zum vorsätzlichen Mord durch Planung“ eine Freiheitsstrafe von 15 bis 20 Jahren gefordert wird, wird zudem eine Strafe von 3 bis 6 Jahren wegen des Missbrauchs seiner Amtsbefugnisse gefordert, da er rechtswidrig persönliche Daten des Opfers beschafft haben soll.
Nachrichtenquelle: 12punto
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