Selenskyj warnt vor Istanbul-Gesprächen: „Wenn kein Ergebnis erzielt wird, müssen Sanktionen folgen“
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj forderte auf dem von Litauen ausgerichteten Gipfel der östlichen und nördlichen NATO-Flanke die Einführung neuer Sanktionen gegen Russland, falls die Friedensgespräche in Istanbul zu keinem Ergebnis führen sollten.
Die Länder der östlichen und nördlichen NATO-Flanke trafen sich zu einem kritischen Gipfel in der litauischen Hauptstadt Vilnius. Neben den als „Bukarest-Neun“ bekannten Staaten Polen, Estland, Lettland, Litauen, Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Bulgarien und Rumänien waren auch die nordischen Länder Dänemark, Norwegen, Finnland, Schweden und Island bei dem Treffen vertreten. NATO-Generalsekretär Mark Rutte und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nahmen ebenfalls an dem Gipfel teil.
Der Gipfel wurde als Vorbereitung auf den großen NATO-Gipfel organisiert, der am 24. und 25. Juni im niederländischen Den Haag stattfinden wird. Hauptthemen waren die Unterstützung für die Ukraine und die Abschreckungspolitik an der Ostgrenze des Bündnisses.
„DIE OSTFLANKE IST JETZT STÄRKER ALS JE ZUVOR“
NATO-Generalsekretär Mark Rutte wies bei der Eröffnung des Gipfels auf die Bemühungen der Länder hin, die die NATO-Ostflanke seit 2015 stärken, und drückte seine Zufriedenheit darüber aus, dass nun auch die fünf nordischen Länder in diesen Prozess einbezogen sind. Rutte erklärte: „Wir verstärken unsere Landstreitkräfte und weiten diese Präsenz gemeinsam mit neun Bündnisstaaten aus. Mit der Integration Finnlands in diese Struktur ist unsere Ostflanke nun länger und stärker.“
Rutte betonte die Bedeutung von Verteidigungsinitiativen wie der „Baltic Watch“ und dem „Southern Shield“ und fügte hinzu: „In einer Zeit, in der Russland massiv aufrüstet, ist diese Präsenz für die Verbündeten in der Region wichtiger denn je.“
„UNSERE KAMPFKRAFT MUSS GESTÄRKT WERDEN“
Rutte gab an, dass die beiden Prioritäten auf der NATO-Agenda die Erhöhung der Verteidigungsausgaben und die Entwicklung der Produktionskapazitäten seien. Er betonte, dass das Treffen der NATO-Verteidigungsminister in dieser Woche sowie der Gipfel in Den Haag in drei Wochen von entscheidender Bedeutung seien. „Unsere Verbündeten müssen nun schnell Schritte unternehmen, um ihre Verteidigungsfähigkeit zu stärken“, sagte Rutte. Zudem unterstrich er, dass ohne eine Stabilisierung der Ukraine keine dauerhafte Sicherheit in Europa gewährleistet werden könne.
„WENN DIE ISTANBUL-GESPRÄCHE KEIN ERGEBNIS BRINGEN, MÜSSEN SANKTIONEN FOLGEN“
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj verwies in seiner Rede auf die jüngste Operation „Spinnennetz“ und argumentierte, dass Russland offener für Diplomatie werde, je mehr Verluste es in diesem Krieg erleide. „Die Ukraine kämpft an der Front nicht nur für ihre eigene Zukunft, sondern für ganz Europa“, sagte Selenskyj und rief zu mehr Einigkeit und Unterstützung auf.
Selenskyj behauptete, dass Russland für die Sommermonate neue Angriffe über Belarus plane, und erklärte: „Wenn sie solche Vorbereitungen treffen, müssen wir unsere Verteidigung im gleichen Maße stärken. Der Weg, um die Ausweitung dieses Krieges zu stoppen, führt über die Unterstützung der Ukraine.“
„WIR SIND FÜR DEN FRIEDEN IN ISTANBUL, ABER ERGEBNISSE SIND VORAUSSETZUNG“
Selenskyj erinnerte daran, dass die ukrainische Delegation derzeit Friedensgespräche in Istanbul führe, und sagte: „Der Ausgangspunkt dieses Prozesses müssen ein Waffenstillstand und humanitäre Schritte sein. Grundlegende Themen wie der Gefangenenaustausch und die Rückführung entführter Kinder können auf Führungsebene gelöst werden.“ Selenskyj betonte jedoch, dass härtere Sanktionen gegen Russland umgesetzt werden müssten, falls bei den Kontakten in Istanbul keine konkreten Fortschritte erzielt würden.
AUFRUF ZU EINEM NEUEN SANKTIONSPAKET
Der ukrainische Staatschef wies auch auf das von der Europäischen Union vorbereitete 18. Sanktionspaket sowie auf die erwarteten Wirtschaftssanktionen der USA hin. Insbesondere betonte Selenskyj, dass die vom ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump versprochenen harten Sanktionen schnell in Kraft treten müssten: „Wenn aus Istanbul kein Ergebnis hervorgeht, kann die Umsetzung dieser Maßnahmen nicht länger aufgeschoben werden.“
Nachrichtenquelle: 12punto
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