Sind Mobiltelefone das Ziel von Cyberangriffen? Tragen wir eine 'Bombe' in der Tasche?
Der Cyberangriff Israels im Libanon, bei dem Pager von Hisbollah-Mitgliedern gleichzeitig zur Explosion gebracht wurden, hat weltweit für großes Aufsehen gesorgt. Während verschiedene Spekulationen über die Durchführung der Angriffe die Agenda bestimmen, hat die Frage, ob Israel batteriebetriebene Geräte wie Mobiltelefone durch Cyberangriffe in Waffen verwandeln könnte, zu Diskussionen geführt.
Nach den Angriffen Israels auf die Hisbollah mittels Pagern ist die Zuverlässigkeit technologischer Geräte zum Diskussionsthema geworden. Prof. Dr. Naim Mahmood Musleh Ajlouni, der den Cyberangriff Israels bewertete, erklärte, dass ein solcher Angriff nur möglich sei, wenn detaillierte Informationen über das Gerät wie IP- und MAC-Adressen bekannt seien.
Während man sich fragt, ob solche Angriffe über intelligente Geräte wie Mobiltelefone möglich sind, gab Prof. Dr. Ajlouni, Dozent für Software Engineering an der Fakultät für Ingenieur- und Naturwissenschaften der Istanbul Atlas Universität, detaillierte Informationen zu diesem Thema.

WIE WAR DER CYBERANGRIFF AUF DIE PAGER MÖGLICH?
Prof. Dr. Ajlouni erinnerte daran, dass die Telekommunikationsinfrastruktur infolge eines Cyberangriffs auf den Libanon im Jahr 2020 unterbrochen wurde, und äußerte sich wie folgt:
'Für die technische Durchführung des letzten Angriffs sind folgende Voraussetzungen erforderlich: Ein Softwaresystem, das die gesamte Nachrichtenübermittlung und kritische Alarme steuert und überwacht, Zugriff auf die IP- oder MAC-Adresse eines oder mehrerer Pager im Netzwerk sowie ein Benutzer, der die Sicherheit absichtlich oder unabsichtlich gefährdet, oder ein Insider, dem die Angreifer vertrauen.'
Prof. Dr. Naim Mahmood Musleh Ajlouni bewertete die Möglichkeit, dass der Angriff auf cybertechnischem Weg oder durch das Platzieren von Sprengstoff in den Pagern durchgeführt wurde, und äußerte sich wie folgt:
'Ich denke, es muss eine Kombination aus beidem sein; dieser Sprengstoff wurde bereits für einen späteren Einsatz in den Geräten platziert. In diesem Fall verfügen die Angreifer nicht nur über den Sprengstoff, sondern auch über alle technischen Details der Geräte, einschließlich der MAC- und IP-Adressen aller Geräte.'

MILITÄRSYSTEME UNTER DER DROHUNG VON CYBERANGRIFFEN
Ajlouni erklärte, dass ein digitaler Krieg oder Cyberkrieg nicht nur heute möglich sei, sondern auch zu einem kritischen Bestandteil moderner Konflikte geworden sei, und fuhr wie folgt fort:
'Angesichts der technologischen Entwicklungen und der zunehmenden Abhängigkeit von der digitalen Infrastruktur hat sich das Konzept der Cyberkriegsführung erheblich weiterentwickelt. Viele Länder haben als Teil ihres militärischen Arsenals Cyberfähigkeiten für Angriffs- und Verteidigungszwecke entwickelt. Diese Cyberkräfte können Angriffe auf die kritische Infrastruktur eines Feindes starten, wie etwa Stromnetze, Finanzsysteme, Kommunikationsnetzwerke und militärische Systeme.'
'Das digitale Schlachtfeld zielt auf kritische Infrastrukturen ab. Während eines digitalen Krieges kann die Verbreitung von Desinformation und Fake News über soziale Medien oder andere Online-Plattformen zu Verwirrung und Misstrauen führen.'
'Künstliche Intelligenz kann Sicherheitslücken scannen, um der Erkennung durch Cybersicherheitsabwehrsysteme zu entgehen, groß angelegte Phishing-Angriffe starten oder Schadsoftware schnell mutieren lassen. Cyberangriffe können KI-gesteuerte militärische Systeme manipulieren oder zu strategischen Misserfolgen führen.'

KANN IN JEDES TELEFON SPRENGSTOFF PLATZIERT WERDEN?
Prof. Ajlouni aus Istanbul klärte darüber auf, ob technologische Geräte wie Smartphones und Computer Ziel dieser und ähnlicher Angriffe sein könnten, und fügte hinzu:
'Für die Durchführung eines Angriffs in diesem Ausmaß sind detaillierte Informationen über mobile Geräte erforderlich, wie etwa IP- und MAC-Adressen. Mit diesen Informationen lässt sich höchstens Daten extrahieren, ein bestimmter Benutzer verfolgen oder möglicherweise dessen Kommunikation abfangen. Die Idee jedoch, ein Gerät zu bewaffnen, wie es beim Angriff auf die Hisbollah der Fall war, ist nicht realistisch.'
'Es ist nicht möglich, in alle Mobiltelefone, die aus der Ferne ausgelöst werden können, Sprengvorrichtungen einzubauen. Zudem werden Telekommunikationsunternehmen von internen und externen Prüfern, einschließlich staatlicher Stellen, streng überwacht, um die Nutzer zu schützen. Daher gibt es als Fazit kein nennenswertes Risiko im Zusammenhang mit der Nutzung von Mobiltelefonen.'
Nachrichtenquelle: İHA
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