Umstrittene Anweisung in Çapa! Vorwurf: „Priorität“ für Gesundheitstourismus-Patienten gefordert
Die ärztliche Direktion des Krankenhauses der Medizinischen Fakultät Istanbul (Çapa) der Universität Istanbul hat ein Schreiben an die Kliniken versandt, in dem gefordert wird, Patienten im Rahmen des Gesundheitstourismus bei der Terminplanung zu priorisieren. Nach Bekanntwerden des Schreibens äußerten Beschäftigte im Gesundheitswesen die Sorge, dass diese Praxis die Prioritätenliste in öffentlichen Krankenhäusern verändern könnte. Die Krankenhausleitung hingegen betonte, der Aufruf zur Koordination diene dazu, die Aktivitäten im Gesundheitstourismus effizient und nachhaltig zu gestalten.
Die Abteilung für internationalen Gesundheitstourismus der ärztlichen Direktion des Krankenhauses der Medizinischen Fakultät Istanbul (Çapa) der Universität Istanbul hat ein Schreiben mit dem Titel „Über die Terminplanung für Gesundheitstourismus-Patienten“ an die Kliniken und Abteilungen des Krankenhauses versandt.
In dem Schreiben wird betont, dass die effiziente, produktive und nachhaltige Durchführung von Aktivitäten im Gesundheitstourismus von großer Bedeutung sei. Zudem wird erklärt, dass die Abteilung für internationalen Gesundheitstourismus die Koordination mit den Kliniken übernehme, um die Untersuchungs-, Diagnose- und Behandlungsprozesse der Patienten zu planen, die im Rahmen des Gesundheitstourismus vorstellig werden.
In dem Schreiben der ärztlichen Direktion wird darauf hingewiesen, dass die Vergabe von Terminen in ferner Zukunft an einige Gesundheitstourismus-Patienten in der letzten Zeit die Behandlungsprozesse verzögert, die Patientenzufriedenheit negativ beeinflusst und zu Störungen bei den Aktivitäten im Gesundheitstourismus geführt habe.
„PRIORITÄRE BEWERTUNG" FÜR TERMINE GEFORDERT
Aufgrund dieser Begründungen wurden die Kliniken in dem Schreiben dazu aufgefordert, die von der Abteilung für internationalen Gesundheitstourismus übermittelten Terminanfragen vorrangig zu behandeln.
Darüber hinaus wurde gefordert, dass Patienten, die im Rahmen des Gesundheitstourismus kommen, keine Termine in ferner Zukunft zugewiesen werden, sofern keine medizinische Notwendigkeit besteht, und die notwendige Koordination mit den betreffenden Einheiten sichergestellt wird.
Die ärztliche Direktion forderte die notwendige Sensibilität in dieser Angelegenheit, um die Servicequalität des Krankenhauses auf internationaler Ebene zu wahren, die Patientenzufriedenheit zu steigern und die Aktivitäten im Gesundheitstourismus effektiv fortzuführen.
PRIORITÄTSREIHENFOLGE DER PATIENTEN WIRD ZUM DISKUSSIONSTHEMA
Dem Bericht von Eylem Nazlıer aus der Zeitung Evrensel zufolge wird davon ausgegangen, dass bei einer Umsetzung des besagten Schreibens Patienten, die im Rahmen des Gesundheitstourismus vorstellig werden, einige Personengruppen überholen könnten, die in der Türkei eigentlich zur Gruppe der Patienten mit Vorrang gehören.
In dem Bericht wurde daran erinnert, dass zu den bestehenden priorisierten Patientengruppen unter anderem Krebspatienten, Menschen mit Nierenversagen, Patienten mit Behinderungen aufgrund von Gliedmaßenverlust, Bürger ab 65 Jahren sowie Witwen, Waisen, Invaliden und Veteranen von Gefallenen im Krieg oder im Dienst sowie deren Familien gehören.
WIE FUNKTIONIERT DER PROZESS DES INTERNATIONALEN GESUNDHEITSTOURISMUS?
Obwohl das Krankenhaus Çapa über eine Abteilung für internationalen Gesundheitstourismus verfügt, gibt es keine spezielle Poliklinik für diesen Dienst.
Patienten, die aus dem Ausland zur Behandlung kommen, können ihre Anträge über das vom Gesundheitsministerium für internationale Patienten eingerichtete System HealthTürkiye stellen.
Nachdem das Registrierungspersonal der Abteilung die Vorgänge abgeschlossen hat, wird je nach Zustand der Patienten Kontakt mit den entsprechenden Kliniken aufgenommen, ein geeigneter Termin vereinbart und der Patient direkt an den zuständigen Arzt überwiesen.
Patienten, die Dienstleistungen im Rahmen des Gesundheitstourismus in Anspruch nehmen möchten, können den Prozess auch über Agenturen für Gesundheitstourismus abwickeln. Bei dieser Methode nehmen die Agenturen den ersten Kontakt zum Patienten auf, wählen Arzt und Klinik aus, erstellen den Behandlungsplan und schließen die Organisation ab.
INFORMATIONEN ZU UNTERSUCHUNGS- UND BEHANDLUNGSGEBÜHREN
Den Informationen im Bericht zufolge konnte auf den Bereich der Gebührentarife auf der Website der Abteilung für Gesundheitstourismus der Generaldirektion für Gesundheitsdienste nicht zugegriffen werden.
Dennoch wurde angegeben, dass von Patienten, die im Rahmen des Gesundheitstourismus in der Poliklinik vorstellig werden, allein für die Untersuchung etwa 1.700 TL erhoben werden.
Wird eine Untersuchung durch einen Dozenten gewünscht, variieren die Gebühren je nach Klinik zwischen 10.000 und 15.000 TL.
Es wurde die Information gegeben, dass auch die Gebühren für Labortests, bildgebende Verfahren und chirurgische Eingriffe im Rahmen des Gesundheitstourismus etwa beim Dreifachen der Gebühren liegen, die von Bürgern erhoben werden.
VORWURF: „SCHREIBEN KÖNNTE DRUCK AUF DOZENTEN AUSÜBEN"
In dem Bericht wurden auch Einschätzungen wiedergegeben, wonach das von der ärztlichen Direktion versandte Schreiben Druck auf die Dozenten ausüben und die Initiative der Ärzte bei der Patientenpriorisierung einschränken könnte.
REAKTION DER GEWERKSCHAFT SES AUF DIE ANWENDUNG
Aydın Erol, Vorstandsmitglied der Gewerkschaft der Beschäftigten im Gesundheits- und Sozialwesen (SES) in der Niederlassung Aksaray, äußerte sich ebenfalls zu der Anwendung.
Erol argumentierte, dass die besagte Regelung ein neues Glied in der Kette der marktorientierten Politiken sei, die seit vielen Jahren im Gesundheitsbereich verfolgt würden.
Erol erklärte, dass die Medizinische Fakultät Istanbul seit Jahren öffentliche Gesundheitsdienste für Bürger aus allen Teilen der Türkei anbiete, und sagte, dass die Priorisierung von Gesundheitstourismus-Diensten, die in einem öffentlichen Krankenhaus gegen Gebühr angeboten werden, nicht nur als administrative Entscheidung bewertet werden könne.
Erol äußerte sich wie folgt: „Die Bürger, die in dieses Krankenhaus kommen, sind keine Patienten, deren Zeit verloren gehen darf oder deren Behandlungen aufgeschoben werden können. Dass ein öffentliches Universitätskrankenhaus Priorität für Gesundheitstourismus-Dienste fordert, die gegen Gebühr angeboten werden, zeigt auch, mit welcher Einstellung der öffentliche Charakter des Gesundheitsdienstes verwaltet wird.“
Nachrichtenquelle: 12punto
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