„Vetternwirtschaft“ an Universitäten
Die Folge des pilzartigen Wachstums von „Apartment-Universitäten“: In über 1.453 von mehr als 6.000 Fachbereichen gibt es keinen Professor, in 1.050 keinen Dozenten.
Die Auswahlphase für die Hochschulaufnahmeprüfung (YKS) ist abgeschlossen. Während Hunderttausende Kandidaten auf die Platzierungsergebnisse warten, erregten die Informationen im Auswahlleitfaden der ÖSYM Aufmerksamkeit.
Die Zeitung Yeni Asya hat auf Basis dieser Informationen eine Bestandsaufnahme der akademischen Welt vorgenommen. Dem Bericht zufolge:
Allein an staatlichen Universitäten gibt es in fast 1.500 Fachbereichen keine Professoren. Zu diesen Fachbereichen gehören auch Hebammenwesen, Krankenpflege, Rechtswissenschaften und viele Ingenieurstudiengänge. Laut einem Bericht von Mustafa Kömüş von Birgün zeigen die Daten im ÖSYM-Leitfaden, dass Studierende für über 6.000 Fachbereiche an 129 staatlichen Universitäten Präferenzen angegeben haben. In fast einem Fünftel dieser über 6.000 Fachbereiche gibt es keinen Professor. Den Daten zufolge gibt es in genau 1.453 Fachbereichen überhaupt keinen Professor und in 1.050 Fachbereichen keinen Dozenten. Bei den Stiftungsuniversitäten ist die Zahl der Fachbereiche ohne Professoren oder Dozenten unbekannt, da die Daten vieler dieser Einrichtungen nicht ausreichen.
AUCH ERDOĞAN-UNIVERSITÄT AUF DER LISTE
Zu den auffälligsten Fachbereichen gehört die Rechtswissenschaft. An sechs juristischen Fakultäten gibt es nicht einen einzigen Professor. Zu diesen Fakultäten gehört auch die juristische Fakultät der Boğaziçi-Universität, die trotz aller Kritik eröffnet wurde und im vergangenen Jahr mit der Aufnahme von Studierenden begann – eine Einrichtung, an der die AKP gewissermaßen Rache übte. Die anderen Fakultäten befinden sich an den Universitäten Afyon Kocatepe, Çankırı Karatekin, İnönü, İzmir Demokrasi und Recep Tayyip Erdoğan. Ähnlich sieht es in den Ingenieurstudiengängen aus, deren Kapazitäten ebenfalls stark umstritten sind. In über 100 Ingenieurstudiengängen gibt es keinen einzigen Professor. Im Bereich Informatik, einem der am häufigsten gewählten Ingenieurstudiengänge, gibt es an insgesamt 35 Universitäten keinen Professor. In vielen davon fehlen zudem Dozenten.
Ein weiterer auffälliger Bereich ist das Gesundheitsmanagement. Von den 64 Universitäten, die diesen Studiengang anbieten, haben 24 keinen einzigen Professor. Im Bereich Soziale Arbeit ist die Lage sogar noch schlechter als im Gesundheitsmanagement. In der Hälfte der insgesamt 62 Fachbereiche für Soziale Arbeit gibt es keine Professoren. Auch die Daten zu den Studiengängen Krankenpflege und Hebammenwesen sind bemerkenswert. In 37 der 120 Krankenpflege-Studiengänge und in 28 der 49 Hebammen-Studiengänge gibt es keinen Professor. Auch die pädagogischen Fakultäten, deren Kapazitäten aufgrund des Problems der nicht eingestellten Lehrer ständig diskutiert werden, sind von dieser Situation betroffen. In über 200 Lehramtsstudiengängen gibt es keine Professoren. Insbesondere in den Fachbereichen für Sozialkunde-Lehramt und Sonderpädagogik ist die Zahl der Professoren an vielen Universitäten gleich null.
Nachrichtenquelle: 12punto
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