Länder der Europäischen Union werden aktiv: Sie führen nacheinander Verbote ein
Die Länder der Europäischen Union (EU) führen in Schulen Verbote für die Nutzung von Smartphones ein, um gegen Bildschirmabhängigkeit und Cybermobbing vorzugehen.
Mit Beginn des neuen Schuljahres in Europa entscheiden sich Regierungen nacheinander für ein Verbot von Smartphones an Schulen verschiedener Stufen.
Während einige Länder die Maßnahme noch prüfen, wird in anderen die Entscheidung den Schulen überlassen, wobei immer mehr Bildungseinrichtungen die Nutzung von Smartphones einschränken.
Die in Ungarn getroffene Entscheidung löste Anfang des Monats Proteste von Lehrern, Eltern und Schülern aus, die sie als "altmodisch" bezeichneten.
Dennoch entscheiden sich immer mehr Länder für ein Verbot von Smartphones in Schulen, mit dem Ziel, weniger Mobbing unter Gleichaltrigen und effektiveres Lernen zu erreichen, da die Nutzung von Laptops durch Schüler in den meisten Klassenzimmern bereits die notwendige Anbindung an die digitale Welt gewährleistet.
NIEDERLANDE
Die Niederlande haben sich als jüngstes Land einer Praxis angeschlossen, die in Italien und (regional) in Spanien bereits besteht.
In den Niederlanden wurde die Nutzung von Smartphones nach den Mittel- und Oberschulen nun auch an Grundschulen verboten, mit der Begründung, dass sie die Aufmerksamkeit der Schüler ablenken und die Prüfungsergebnisse negativ beeinflussen.
Schülern wird die Nutzung von Smartphones nur in Ausnahmefällen gestattet, etwa zu Unterrichtszwecken in den entsprechenden Fächern oder aus gesundheitlichen Gründen, wie etwa bei körperlichen Einschränkungen.
BELGIEN
Kurz nach den Niederlanden hat auch in Belgien das Bildungsnetzwerk der Französischen Gemeinschaft (WBE), dem die französischsprachigen Schulen unterstehen, eine ähnliche Entscheidung getroffen.
An den 373 französischsprachigen Schulen ist es Schülern der Primar- und Sekundarstufe seit Beginn des Schuljahres 2024-2025 am 26. August untersagt, Smartphones mit in die Schule zu bringen.
Zuvor legten alle Schulen ihre eigenen Regeln fest. Demnach verboten einige Schulen das Mitbringen jeglicher elektronischer Geräte, während andere flexibler waren.
Das WBE begründete die Entscheidung damit, dass Schüler mit Smartphones Fotos und Videos voneinander aufnehmen und diese auf Social-Media-Plattformen teilen, was zunehmend zu Fällen von Belästigung führt.
GRIECHENLAND
In Griechenland wurde beschlossen, dass Schüler ihre Mobiltelefone zwar mit in die Schule bringen dürfen, diese jedoch nicht aus ihren Taschen nehmen dürfen.
Die unter dem Motto „Handys in die Tasche“ eingeführte Maßnahme wurde damit begründet, dass die Handynutzung den Lernprozess und die Konzentration negativ beeinflusse.
FRANKREICH
In Frankreich wird ein Pilotprojekt an rund 200 weiterführenden Schulen gestartet, bei dem Schüler ihre Mobiltelefone in Schließfächern einschließen müssen.
Das Bildungsministerium strebt an, das Verbot bei Erfolg des Pilotprojekts im Jahr 2025 auf das ganze Land auszuweiten.
In Irland wird derzeit die Option diskutiert, die Nutzung von Smartphones für Schüler unter 16 Jahren vollständig zu verbieten.
Auch in Deutschland, Polen, Dänemark, Portugal und Kroatien haben Schulen ihre eigenen Regelungen. In diesen Ländern ergreifen die Schulen jedoch Maßnahmen, um die Handynutzung auf ihrem Gelände einzuschränken.
In Dänemark ist beispielsweise bekannt, dass etwa 90 Prozent der Schulen die Handynutzung untersagt haben.
Die Auswirkungen übermäßiger Bildschirmzeit auf die psychische Gesundheit von Kindern stehen in letzter Zeit verstärkt auf der politischen Agenda der EU.
Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, ging in ihrem Programm für die kommende fünfjährige Amtszeit auch auf dieses Thema ein.
Von der Leyen warnte: "Die frühen Jahre und die Pubertät sind entscheidend für die Entwicklung des Gehirns und der Persönlichkeit. Dies sind auch Zeiten, in denen man besonders anfällig für die schädlichen Auswirkungen sozialer Medien und übermäßiger Bildschirmzeit ist."
Die Sprecherin der EU-Kommission, Johanna Bernsel, erklärte dazu, dass Verbote für die Nutzung von Smartphones an Schulen nicht in die Zuständigkeit der EU, sondern in die der nationalen Regierungen fielen, die Expertengruppe der Kommission jedoch eine Leitlinie mit Empfehlungen zu diesem Thema veröffentlicht habe.
Nachrichtenquelle : 12punto
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