Nackenschmerzen können ein Signal für ernsthafte Erkrankungen sein
In den letzten Jahren nimmt die Häufigkeit von Nackenschmerzen parallel zur zunehmenden Nutzung von Mobiltelefonen und Computern stetig zu.
Obwohl Nackenschmerzen häufig durch Faktoren wie Haltungsschäden und Bandscheibenvorfälle verursacht werden, können sie auch Vorboten vieler bedeutender Erkrankungen sein.
Der Facharzt für Neurochirurgie Dr. Siyavuş Muhammedrezai weist darauf hin, dass Nackenschmerzen nicht auf die leichte Schulter genommen werden sollten, da eine frühzeitige Diagnose bei vielen Krankheiten lebensrettend sein kann: „Bei starken Schmerzen sucht der Patient ohnehin einen Arzt auf. Entscheidend sind Nackenschmerzen, die trotz Behandlung länger als eine Woche anhalten und häufig wiederkehren. Diese Patienten werden unbedingt detailliert untersucht“, sagt er.
Dr. Siyavuş Muhammedrezai erklärt, dass Nackenschmerzen je nach zugrunde liegender Ursache behandelt werden. Er gibt an, dass bei Nackenschmerzen, die durch Bandscheibenvorfälle, Arthrose oder eine Überlastung bzw. Fehlbelastung der Muskulatur entstehen, mit interventionellen Schmerztherapieverfahren sehr erfolgreiche Ergebnisse erzielt werden.
KÖNNEN AUF ERNSTHAFTE ERKRANKUNGEN HINDEUTEN
Nackenschmerzen sind nicht immer auf die Halswirbelsäule oder deren Strukturen zurückzuführen; Erkrankungen der inneren Organe im Brustkorb, im Herzen oder sogar im Bauchraum können in diesem Bereich Schmerzen verursachen.
Beispielsweise gehören Pharyngitis, Laryngitis, herzbedingte Angina Pectoris, Lungenkrebs, Bauchspeicheldrüsenerkrankungen sowie Gallensteine oder Gallenblasenentzündungen zu den Ursachen für Nackenschmerzen, die nicht von der Wirbelsäule ausgehen. Dr. Siyavuş Muhammedrezai betont, dass auch wirbelsäulenbedingte Schmerzen in mechanische und nicht-mechanische Nackenschmerzen unterteilt werden, und fährt fort: „Tumormetastasen, rheumatische, infektiöse und metabolische Erkrankungen sowie Fibromyalgie zählen zu den nicht-mechanischen Ursachen.
Mechanische Nackenschmerzen entstehen hingegen meist durch Nackensteifigkeit infolge von Verletzungen bei Verkehrsunfällen, Arthrose, schlechte Körperhaltung, ungewohnte körperliche Aktivität sowie Probleme im Bereich des Schultergürtels und der Armgelenke. Die Tatsache, dass viele Faktoren zu Nackenschmerzen führen können, erschwert die Diagnose.“
SCHMERZEN KONTROLLIERBAR MACHEN
Die Behandlung von Nackenschmerzen wird je nach zugrunde liegendem Faktor geplant. Bei muskelbedingten Nackenschmerzen, die durch Fehlbewegungen entstehen, sind beispielsweise Ruhe, Nackenübungen und Muskelrelaxantien meist ausreichend. Bei nicht schwerwiegenden Bandscheibenvorfällen, Arthrose oder myofaszialen Schmerzen werden mit Medikamenten und Physiotherapie erfolgreiche Ergebnisse erzielt. Dr. Siyavuş Muhammedrezai erklärt jedoch, dass bei Patienten, deren Schmerzen trotz Behandlung anhalten, eine interventionelle Schmerztherapie angewendet wird: „Durch die vollständige oder teilweise Kontrolle des Schmerzes wird das Problem gelöst oder die Heilung unterstützt“, sagt er.
Selektive Nervenwurzelblockaden, Facettengelenksblockaden, intradiskale Injektionen, Sympathikusblockaden, epidurale Anwendungen, epidurale Neuroplastik, Radiofrequenztechniken, Laseranwendungen, Neuromodulation (Schmerzpumpen) sowie bei Wirbelbrüchen Kyphoplastie oder Vertebroplastie gehören zu den interventionellen Verfahren, die zur Schmerzlinderung eingesetzt werden.
MIKROINJEKTIONSVERFAHREN
Das Mikroinjektionsverfahren wird insbesondere bei Gelenkarthrose angewendet, um die Schmerzen des Patienten zu lindern. Dr. Siyavuş Muhammedrezai gibt an, dass die Mikroinjektionsmethode unter Sedierung oder Lokalanästhesie einfach angewendet werden kann: „Der Patient verspürt während des Eingriffs in der Regel keine Schmerzen. Wenn eine geringe Menge Kortisol zusammen mit einem Lokalanästhetikum in das Gelenk injiziert und in derselben Sitzung eine Radiofrequenzbehandlung am Facettengelenk durchgeführt wird, ist eine deutliche Schmerzreduktion zu beobachten“, sagt er.
Die Wirkung des Mikroinjektionsverfahrens tritt meist unmittelbar nach dem Eingriff ein und hält je nach Patient einige Monate bis einige Jahre an. Der Patient kann seinen Alltag am nächsten oder übernächsten Tag wieder aufnehmen. Das Verfahren kann über die Jahre hinweg mehrfach wiederholt werden.
EPIDURALE INJEKTION
Die epidurale Injektion ist hilfreich bei der Schmerzlinderung bei kleinen Bandscheibenvorfällen, arthrosebedingten Nervenkompressionen oder ringförmigen Rissen in den Bandscheiben sowie bei Kanalverengungen, die nicht zu einer Rückenmarkskompression führen.
Das Verfahren wird unter Lokalanästhesie oder Sedierung durchgeführt. Dr. Siyavuş Muhammedrezai betont, dass epidurale Steroide aufgrund ihrer starken entzündungshemmenden Wirkung seit vielen Jahren eingesetzt werden, da sie Ödeme im komprimierten Nervengewebe reduzieren und Entzündungen verhindern: „Die Wirkung des Verfahrens setzt meist nach dem Eingriff ein und sorgt für einen lang anhaltenden Effekt. Der Patient nimmt seinen Alltag nach ein oder zwei Tagen wieder auf. Auch die epidurale Injektion kann in bestimmten Abständen mehrfach angewendet werden, meist ist jedoch keine Wiederholung erforderlich“, sagt er.
Nachrichtenquelle: 12punto
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