Ich habe diesen Artikel verfasst, um einige Feststellungen und Wahrheiten aus der sozialistischen Literatur zu betrachten und diese Wahrheiten durch sorgfältige Lektüre der dazu formulierten Notizen zu interpretieren. In einer Zeit, in der die Türkei und die gesamte Menschheit einen ernsthaften Bedarf an Gemeinschaftlichkeit verspüren, ist es die Aufgabe aller, die auf der Seite der Arbeit stehen, zu diesen Themen Gedanken zu entwickeln.
Ludwig Feuerbach hat dem Hegelschen System bedeutende Kritiken entgegengebracht. Es war geradezu ein vernichtender Schlag. Friedrich Engels sagt dazu: „Die Begeisterung war allgemein; wir alle waren auf einen Schlag Feuerbachianer geworden. Wer sehen möchte, wie begeistert Marx diese neue Auffassung aufnahm und wie sehr er von ihr beeinflusst wurde, kann die ‚Heilige Familie' lesen."
Im Jahr 1843 war eine Betrachtung der kapitalistischen Gesellschaft auf der Grundlage von Klassen noch nicht möglich. Doch war ein wichtiger Schritt in diese Richtung getan worden; die Hegelsche Sichtweise, die den Staat, die Religion und die geistige Welt als Ganzes als Ergebnis oder Stadium des widersprüchlichen Fortschritts des Geistes betrachtete, war zum Gegenstand der Kritik gemacht worden.
Marx' allgemeiner Ansatz zum Verhältnis von Mensch und Gesellschaft zeigt, dass er Klassen als aktive Subjekte begreift, die durch historisch-materielle Verhältnisse bedingt sind. In diesem Sinne sind Menschen und Klassen bei Marx keine bloße Widerspiegelung materieller Verhältnisse, sondern – wie Marx in seiner Feuerbach-Kritik nachdrücklich betont – Subjekte, die die Kraft und das Potenzial besitzen, diese materiellen Bedingungen zu verändern. Und diese Möglichkeit selbst bringt die Arbeiterklasse aufgrund der Entwicklung der Produktivkräfte und ihrer gleichzeitigen Ausbeutung als einziges revolutionäres Subjekt auf die Bühne der Geschichte.
Für die materialistische Analyse der Geschichte und das Verständnis der Rolle der Produktionsverhältnisse und der grundlegenden Klassen bei der Herausbildung gesellschaftlicher Formationen war wiederum die Reifung bestimmter historischer Bedingungen erforderlich. Natürlich hatten Philosophen und Historiker bereits vor dem modernen Kapitalismus auf die Spaltung innerhalb der Gesellschaft hingewiesen, und manche sogar darauf, dass diese Spaltung im Prozess der Produktion gesellschaftlichen Reichtums entsteht. Doch war es ihnen nicht möglich, dies auf philosophischer und ökonomischer Grundlage zu tun. Daran war nicht nur das Entwicklungsniveau des theoretischen Denkens, sondern auch das Niveau der historisch-gesellschaftlichen Verhältnisse beteiligt.
Doch die kapitalistische Gesellschaft warf gewissermaßen den politischen und persönlichen Schleier der ihr vorangegangenen Gesellschaften ab. Die unvermittelte Verwandlung aller Bereiche des gesellschaftlichen Lebens in Marktware, die rasche Umwandlung jedes Produkts in ein Handelsobjekt, ließ die Wirksamkeit kapitalistischer Verhältnisse in der Gesellschaft deutlicher hervortreten. Marx und Engels haben dies im Kommunistischen Manifest folgendermaßen ausgedrückt:
„Die Bourgeoisie, wo sie zur Herrschaft gekommen, hat alle feudalen, patriarchalischen, idyllischen Verhältnisse zerstört. Sie hat die buntscheckigen Feudalbande, die den Menschen an seinen natürlichen Vorgesetzten knüpften, unbarmherzig zerrissen und kein anderes Band zwischen Mensch und Mensch übriggelassen als das nackte Interesse, als die gefühllose ‚bare Zahlung'. Sie hat die heiligen Schauer der frommen Schwärmerei, der ritterlichen Begeisterung, der spießbürgerlichen Wehmut in dem eiskalten Wasser egoistischer Berechnung ertränkt. Sie hat die persönliche Würde in den Tauschwert aufgelöst und an die Stelle der zahllosen verbrieften und wohlerworbenen Freiheiten die eine gewissenlose Handelsfreiheit gesetzt. Sie hat, mit einem Wort, die Ausbeutung, die durch religiöse und politische Illusionen verhüllt war, durch die offene, unverschämte, direkte, dürre Ausbeutung ersetzt."
Mit der persönlichen Herrschaft und Gewalt des Herrn endete auch die persönliche Abhängigkeit des Leibeigenen von Boden und Herrn; die Kauf- und Verkaufsbeziehungen auf dem Markt begannen das Leben des Arbeiters zu bestimmen. Er muss seine Arbeitskraft auf dem kapitalistischen Markt verkaufen. Tut er dies nicht, kann er die zum Lebensunterhalt notwendigen Konsumgüter nicht kaufen. Frei von unmittelbarer persönlicher Abhängigkeit, aber konfrontiert mit der „nackten" Drohung ökonomischer Verhältnisse, entstand eine neue Masse der Arbeiterklasse.
Seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts veränderte der als „wilder" Kapitalismus bezeichnete Frühkapitalismus alle gesellschaftlichen Verhältnisse, Gewohnheiten und Traditionen. Zusammen mit der Leibeigenschaft, die das Merkmal der Abhängigkeit von Boden und Feudalherr war, verschwand auch die „Sicherheit". Daher ist es für das Ende des 18. und einen bedeutenden Teil des 19. Jahrhunderts – sowohl für diejenigen, die dagegen waren, als auch für diejenigen, die es als normal betrachteten – eine offenkundige Tatsache, dass Arbeiter ohne jede Absicherung Arbeitslosigkeit, niedrigen Löhnen, Obdachlosigkeit und intensiver Ausbeutung ausgesetzt waren. Marx und Engels verfolgten die Arbeits- und Lebensbedingungen der Arbeiterklasse unter kapitalistischer Ausbeutung in einem bis dahin nicht dagewesenen Ausmaß auf der Grundlage offizieller Quellen und Beobachtungen. Auch die Literatur des 19. Jahrhunderts hat vielfach Hunger, Armut, Arbeitslosigkeit sowie deren bittere und erschütternde Folgen für die schutzlose Arbeiterklasse zum Thema gemacht. In der Philosophie und anderen Sozialwissenschaften wurden die Arbeiterklasse und ihre Kämpfe in gewisser Weise berücksichtigt; zu ihren Gunsten oder zu ihrer Unterdrückung wurden verschiedene politische Vorschläge und Ansätze entwickelt.
Eines der zentralen Themen der starken antifeudalen Welle der Französischen Revolution war die Enteignung des Adels und seine Bestrafung. Daher war die Existenz der Grundbesitzerklasse ebenso unbestreitbar wie die Forderung nach ihrer Beseitigung. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war eine große besitzlose Masse entstanden, die für die immer mächtiger werdende und die Macht übernehmende oder an ihr teilhabende kapitalistische Klasse arbeiten sollte. Ein Teil dieser Klasse, die außer ihrer Arbeitskraft nichts zu verkaufen hatte, war tatsächlich beschäftigt, während ein anderer Teil dieses „Glücks" entbehrte.
Unter verschiedenen Denkern bestand ein offener gemeinsamer Konsens über die Existenz von Klassen. Auch die gesellschaftliche Wahrnehmung der Zeit hatte diese Spaltung allgemein ins Bewusstsein gehoben, da Lebensweise, Standards und Räume dieser Klassen auf direkten Gegensätzen beruhten. Doch beschränkte sich dies vorerst auf ein „spontanes Klassenbewusstsein", das die Existenz von Klassen lediglich anerkannte.
So sind für Adam Smith, der als Begründer der modernen politischen Ökonomie gilt, gesellschaftliche Klassen durchaus offensichtlich: „… das gesamte Jahresprodukt des Bodens und der Arbeitskraft eines jeden Landes, oder, was dasselbe ist, der gesamte Preis dieses Jahresprodukts, teilt sich naturgemäß in drei Teile: die Grundrente, die Arbeitslöhne und den Kapitalgewinn; diese bilden das Einkommen von drei verschiedenen Volksschichten: derer, die von der Rente leben, derer, die vom Lohn leben, und derer, die vom Gewinn leben."
Auch für David Ricardo, einen weiteren bedeutenden Vertreter der bürgerlichen politischen Ökonomie: „Das Produkt der Erde, … wird unter drei Klassen der Gesellschaft verteilt: die Eigentümer des Bodens, der zur Bebauung der Erde notwendig ist, die Kapitaleigentümer und die Arbeiter, die die Erde mit ihrer Arbeit bebauen."
Wie Marx in einem Brief an Kugelman klar zum Ausdruck brachte, gehörte ihm nicht die „Ehre der Entdeckung" der Existenz der Klassen in der modernen Gesellschaft oder des Kampfes zwischen ihnen. Bürgerliche Historiker hatten die historische Entwicklung dieses Klassenkampfes dargestellt, und bürgerliche Ökonomen hatten die ökonomische Anatomie der Klassen in gewissem Maße beschrieben. Marx' eigener Beitrag ist nach seinen eigenen Worten folgender:
„Was ich neu getan habe, war, folgendes nachzuweisen:
„1. Die Existenz der Klassen ist nur an bestimmte historische Entwicklungsphasen der Produktion geknüpft.
„2. Der Klassenkampf führt notwendig zur Diktatur des Proletariats. Wie diese Diktatur beschaffen sein wird, ist trotz aller bisherigen Erfahrungen noch nicht geklärt. Es hat sich auch klar gezeigt, dass es keinen Sozialismus ohne Demokratie geben kann. Die Menschheit hat an vielen Beispielen gesehen, dass die Diktatur der Arbeiterklasse ohne einen sozialistischen Rechtsstaat und ohne eine sozialistische Demokratie nicht funktioniert. Es zeigt sich, dass neue sozialistische Institutionen wie Einschränkungen und klare Regeln in der Eigentumsfrage durch eine sozialistische Verfassung, unabhängige Gerichte und unabhängige Kontrollorgane notwendig sind.
„3. Diese Diktatur selbst bildet nur den Übergang zur Aufhebung aller Klassen und zu einer klassenlosen Gesellschaft." Die sozialistische Demokratie und der sozialistische Rechtsstaat werden die arbeitende Klasse ohnehin in eine ganz andere Lage versetzen als ihre gegenwärtige. Die gesellschaftliche Ordnung, die durch die gerechte Entlohnung der Arbeit der arbeitenden Klasse entstehen wird, wird bereits die Voraussetzungen für die Schaffung einer privilegienlosen und klassenlosen Gesellschaft bereiten.
Die Existenz von Klassen ist an bestimmte historische und gesellschaftliche Phasen gebunden. Diese Verhältnisse schaffen die Klassen. Klassen entstehen nicht nach dem Belieben des Einzelnen. Das Tätigsein in ererbten historischen Bedingungen ist die Formierung der Klassen in Wechselwirkung mit diesen Bedingungen. Nach dem historisch-materialistischen Ansatz sind Klassen als Ergebnis bestimmter historischer Bedingungen entstanden und werden mit der Entwicklung wiederum bestimmter historischer Bedingungen verschwinden. Dies wird nicht von selbst geschehen, sondern durch den Klassenkampf der Arbeiterklasse als aktivem Subjekt, durch die Veränderung der Produktionsverhältnisse, in denen sie sich befindet und die sie geerbt hat.
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