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'Künstliche Intelligenz' in der Rechtsprechung

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Justizminister Akın Gürlek hatte am 25. April 2026 bei einer Veranstaltung geäußert, dass man die Einrichtung einer KI-gestützten Plattform plane, mit der Bürger ohne die Hilfe von Anwälten Klageschriften vorbereiten könnten.

Nach dieser Ankündigung wurde unter Beteiligung von 78 Anwaltskammern eine gemeinsame Erklärung mit dem Titel „Das Recht auf Verteidigung darf nicht an die Künstliche Intelligenz übertragen werden“ veröffentlicht. In der Erklärung wurden die möglichen Bedenken gegen das vom Minister ins Spiel gebrachte Vorhaben dargelegt.

In der von den Anwaltskammern veröffentlichten Stellungnahme wurde zusammenfassend betont, dass juristische Prozesse nicht bloß aus einer technischen Datenverarbeitung bestünden, sondern eine Tätigkeit zur Suche und zum Schutz von Rechten seien, die sich nach den Besonderheiten des jeweiligen Einzelfalls forme. Es wurde zum Ausdruck gebracht, dass Gerechtigkeit kein mathematisches Ergebnis sei, das allein durch die Verarbeitung von Daten erreicht werde, sondern das Produkt menschlicher Urteilskraft, die durch das Gewissen gefiltert werde. Zudem wurden Punkte aufgezeigt, die im Hinblick auf das Recht auf ein faires Verfahren und die effektive Ausübung des Verteidigungsrechts im Widerspruch zur geltenden Gesetzgebung, insbesondere zur Verfassung und zum Rechtsanwaltsgesetz, sowie zu grundlegenden Rechtsprinzipien stehen könnten.

In der besagten Erklärung wurde mit folgenden Worten dargelegt, was die Priorität des Justizministeriums sein sollte:

„Anstatt die Zuständigkeitsbereiche der Verteidigung infrage zu stellen, sollte das Ziel darin bestehen, die unabhängige Verteidigung zu stärken, leistungsbasierte Reformen zur Verbesserung der Qualifikation von Richtern und Staatsanwälten umzusetzen, die technische Infrastruktur zur Beschleunigung von Verfahren zu entwickeln und die physischen sowie rechtlichen Rahmenbedingungen für alle Akteure der Justiz zu verbessern.“ 

Wäre ich bei der Veranstaltung anwesend gewesen, an der der Herr Minister teilnahm, hätte ich ihm einige Fragen zu Themen gestellt, die mindestens so wichtig sind wie die Unterstützung der Bürger beim Verfassen von Klageschriften. 

Ich hätte gefragt, warum selbst Verfahren, die rechtlich nicht sonderlich komplex sind, im Durchschnitt zwei bis drei Jahre bis zur Rechtskraft benötigen. Ich hätte ihn auch nach seiner Einschätzung dazu gefragt, wie sehr das Ergebnis, das bei einer Eingabe der in politisch brisanten und öffentlich stark beachteten Verfahren gesammelten Beweise, Gutachten und Parteierklärungen in eine KI-Anwendung erzielt würde, mit den von den Gerichten gefällten Urteilen übereinstimmen würde.

KI-Anwendungen werden heute bereits intensiv von Akteuren im Rechtswesen, insbesondere von Anwälten, genutzt. Bei der Recherche zu Präzedenzfällen, der Prüfung von Schriftsätzen, der Bewertung von Gutachten, die technisches Fachwissen erfordern, und in vielen anderen Bereichen sparen sie den Berufsträgern erheblich Zeit und steigern deren Effizienz.

Das Thema hat natürlich auch eine wirtschaftliche Dimension.

Anwaltskammern vertreten zwar die Verteidigung, sind aber gleichzeitig auch Berufsverbände. Ob freiberuflich oder angestellt tätig – in unserem Land gibt es derzeit über 200.000 Anwälte. Es ist daher nur allzu natürlich, dass Berufsverbände auf eine mögliche Regelung reagieren, die die wirtschaftlichen Erträge ihrer beruflichen Tätigkeit direkt beeinflussen könnte.

In der Großen Nationalversammlung der Türkei, in politischen Parteien, Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen sind Tausende von Anwälten in einflussreichen Positionen tätig. Zudem sieht unser derzeitiges Rechtssystem für bestimmte Geschäfte und Verfahren eine Vertretung durch einen Anwalt oder die Verpflichtung zur Beschäftigung eines Anwalts vor. Auch in verschiedenen Justizpaketen, die in den letzten Jahren in Kraft getreten sind, sind wir auf entsprechende Regelungen gestoßen.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Wie jede organisierte Berufsgruppe werden auch Anwälte reagieren, um ihren Berufsstand und ihre beruflichen Errungenschaften zu schützen.

Das Recht ist nicht nur ein Regelwerk, das aus gesetzlichen Bestimmungen besteht. Das Recht ist einer der schwierigsten und anspruchsvollsten Bereiche des menschlichen Lebens, der im Zentrum der Fähigkeiten zum richtigen Denken, Urteilen und Problemlösen steht. Es ist eine Tätigkeit, die darauf abzielt, dass das Individuum, die Gesellschaft, die Natur und alle Lebewesen in jeder Lebensphase – von der Geburt bis zum Tod – gerecht und in Frieden zusammenleben können.

Alle unterstützenden Technologien, allen voran die Künstliche Intelligenz, werden dazu beitragen, den Anwaltsberuf effektiver und effizienter auszuüben. Doch die Person, die in der Rechtspraxis die endgültige Bewertung vornimmt, wird weiterhin ein Mensch mit Gewissen und einem Sinn für Gerechtigkeit bleiben.