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Auch er war verhaftet worden

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Man wurde nicht für Geld Offizier, man wurde für das Vaterland Offizier.

Auch er war verhaftet worden.

Er absolvierte die Stabsakademie,

im Jahr 1904, in der ersten Woche des Ramadan, wurde er zusammen mit 10 Freunden wegen eines Putschversuchs gegen Sultan Abdülhamid verhaftet.

Die Begründung: Gründung einer Geheimorganisation mit einigen Hauptleuten, Sammeln von Geld untereinander und Abhalten von Treffen, um ein Bombenattentat auf Abdülhamid zu planen.

Dabei entsprach nichts davon der Wahrheit.

Er war von einem Freund, den er aus Mitleid bei sich aufgenommen hatte, verleumdet und denunziert worden.

Die angebliche Gründung einer Geheimorganisation bestand lediglich aus Treffen mit Freunden. Was das Sammeln von Geld betraf, so hatten sie eine Hilfskasse für Freunde eingerichtet, deren Heimat weit entfernt war und deren Geld gar nicht oder nur verspätet ankam.

Das war alles.

Es gab auch weder einen Plan noch die Absicht für ein Attentat auf Abdülhamid. Als idealistische Offiziere wollten sie jedoch, um das Vaterland zu retten, Abdülhamid stürzen und die Macht übernehmen, da dieser den Palast nicht verließ und dem Zerfall des Osmanischen Reiches tatenlos zusah. Sie waren Idealisten. Ihr Blut kochte.

Ach übrigens, sagen Sie jetzt nicht: „Wow, Abdülhamid stürzen, was?“. Abdülhamid ist nicht der Abdülhamid, der Ihnen in den Fernsehserien vorgegaukelt wird. Er war krankhaft. Paranoid. Das sage nicht ich, das steht in den Memoiren seiner Freunde, mit denen er damals diente und gemeinsam anstieß.

Seien Sie sich bewusst, dass man Ihnen in den Serien einen anderen Abdülhamid weismachen will.

Wie dem auch sei.

Diese verhafteten Stabsoffiziere wurden sofort eingesperrt. Und die Orte, an die sie gebracht wurden, waren die berüchtigten Zellen der damaligen Zeit. Zuerst in den Taşkışla-Kerker, dann in den Kerker der Bekirağa-Kompanie. Natürlich wandten sie dort auch Gewalt an. Doch ihr Lehrer aus der Akademie, Ali Rıza Pascha, schaltete sich ein und sprach auf Drängen seiner Freunde mit Sultan Abdülhamid. Er erwirkte ihre Begnadigung.

Denn sie waren die talentiertesten, intelligentesten und bestplatzierten Stabsoffiziere der Akademie.

Sie begnadigten die Gefangenen, aber diese drei Stabsoffiziere begnadigten sie nicht.

Sie verbannten sie in die entlegensten Gebiete, nämlich nach Damaskus und Beirut. Sie waren eine Art Festungsgefangene. Wer dorthin ging, kam nicht zurück, denn meistens starben sie.

Einer dieser drei Stabsoffiziere war eben Mustafa Kemal. Der andere war Ali Fuat und der dritte war Müfit aus Kırşehir.

Als Mustafa Kemal in Istanbul am Sarayburnu gerade auf das Verbannungsschiff gebracht wurde, kam seine Mutter aus Thessaloniki. Seine Handschellen wurden jedoch nicht abgenommen. Er wurde zwischen zwei Wachen an Bord gebracht. Ein Treffen wurde ihnen auch nicht gestattet.

Seine Mutter weinte ihm hinterher. Sie ging weinend davon.

Diese Aussagen sind kein Produkt der Fantasie; Atatürk äußerte sie, als er nach dem Tod seiner Mutter ihr Grab besuchte.

Von diesen verbannten Offizieren kamen Mustafa Kemal und Müfit aus Kırşehir am 11. März 1905 in Damaskus an und mieteten ein Haus mit Erddach. Anschließend meldeten sie sich bei ihren Einheiten.

Sie traten ihren Dienst an.

Es verging nicht viel Zeit, da kam sein Freund Müfit, während Mustafa Kemal sich zu Hause ausruhte.

Er erzählte, dass die militärische Einheit, der sie unterstellt waren, zu einem Einsatz ausrücken würde, um den Drusen-Aufstand niederzuschlagen. Müfit hatte diese Information von anderen erfahren. Die Kompanien unter ihrem eigenen Kommando rückten aus, aber sie selbst wurden nicht informiert. Das war sehr merkwürdig. Diese Situation gefiel ihnen überhaupt nicht. Daraufhin nahm Mustafa Kemal seinen Freund Müfit mit und ging direkt zum Regimentskommandeur;

- „Ihr Regiment rückt aus. In Ihrem Regiment gibt es eine Kompanie, die ich kommandiere. Müsste ich nicht auch an der Spitze dieser Einheit mitgehen? Warum haben Sie mich nicht informiert?“, fragte Mustafa Kemal und erhielt folgende Antwort:

- „Sie sind Praktikanten in diesem Regiment. Sie sind Stabsoffiziere. Für solch harte Einsätze sind Sie nicht geeignet. Ich habe es für angemessen gehalten, dass Sie in Damaskus bleiben. Ihr Gehalt wird ausgezahlt, machen Sie sich keine Sorgen“, sagte er, woraufhin Mustafa Kemal überrascht war.

Er sah dem Regimentskommandeur ins Gesicht.

Was redete dieser Mann da?

Was sollte das heißen: ‚Ihr Gehalt wird ausgezahlt‘? Das war eine Beleidigung für ihn. Glaubte der Regimentskommandeur etwa, er sei ‚für Geld‘ Offizier geworden? Er dachte einen Moment nach; der Regimentskommandeur wusste also Folgendes nicht:

‚Man wurde nicht für Geld Offizier, man wurde für das Vaterland Offizier.‘

Mustafa Kemal, der diese Situation nicht auf sich sitzen lassen konnte, und sein Freund gaben nicht auf. Zusammen mit Müfit beschlossen sie, beim Armeekommandeur Hakkı Pascha vorzusprechen.

Doch auch dabei kam nichts heraus.

Hakkı Pascha empfing sie nicht einmal. Mit welchem Mut kamen sie zu ihm? Sollte ein so hoher Pascha etwa zwei verbannten Hauptleuten zuhören? Hakkı Pascha wurde wütend und wies sie ab.

Doch Mustafa Kemal dachte nicht ans Aufgeben. Er erhob sich von seinem Platz und rief: „Dann gehen wir eben auch.“ Als Müfit fragte: „Wie?“, antwortete Mustafa Kemal: „Wir gehen ihnen einfach hinterher.“

Schließlich fassten sie den Entschluss, folgten den Soldaten und schlossen sich ihnen im Feld an. Und bei diesem Aufstand waren sie sehr erfolgreich. Darüber hinaus erhielten sie am 25. Dezember 1906 für ihre herausragenden Dienste bei diesem Einsatz sogar den ‚Mecidiye-Orden‘ fünfter Klasse von eben jenem Abdülhamid, der sie verbannt hatte.

Nun wissen wir alle, dass die jungen Leutnants des Abschlussjahrgangs 2024 der Militärakademie bei ihrer Abschlussfeier gemeinsam den Slogan „Wir sind die Soldaten Mustafa Kemals“ riefen.

Nun ja, sie sind ja ohnehin die Soldaten Mustafa Kemals.

Sie saßen in Mustafa Kemals Schulbänken.

Sie lernten in Mustafa Kemals Klassenzimmer.

Sie aßen in Mustafa Kemals Speisesaal.

Sie wurden anhand von Mustafa Kemals Schlachten und Taktiken unterrichtet.

Sie nahmen sich Mustafa Kemals Kampf und Leben zum Vorbild.

Sie wurden in dem Land geboren, das Mustafa Kemal gegründet hat, sie lebten, wuchsen auf und studierten dort.

Und sie absolvierten Mustafa Kemals Militärakademie.

Verwechsle das nicht.

Sie sind nicht für Geld Offiziere geworden, sie sind für das Vaterland Offiziere geworden.

Das ist eine Situation, an die du nicht gewöhnt bist. Du verstehst nichts von Vaterland, Nation, Idealen und so weiter.

Diese Leutnants sind nicht für Geld Offiziere geworden. Sie sind für das Vaterland Offiziere geworden. Wenn die Leutnants nicht die Soldaten Mustafa Kemals sein sollen, wessen Soldaten sollen sie dann in diesem Land sein, das du für Geld in eine Migrantenmüllhalde verwandelt hast,

etwa deine Soldaten?