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Der Sultan, der Alkohol und die Toleranz...

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Heutzutage ziehen wieder Prediger in Turbanen und Gewändern durch die Kneipen,

„Trinkt keinen Alkohol, kommt in die Moschee“, rufen sie.

Was für Zeiten, in denen wir leben, mein Gott.

Diese Denkweise ist sogar noch rückständiger als die im Osmanischen Reich. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass es diese anachronistische Geisteshaltung selbst in der osmanischen Ära nicht gab.

Nehmen wir zum Beispiel Sultan Mehmed V. Reşad: Er war ein äußerst konservativer, tief religiöser Sultan, der fünfmal am Tag betete und einen Großteil seiner Zeit im Palast mit dem Lesen des Masnawi verbrachte.

Am 5. März 1910 kam der serbische König Peter I. Karađorđević nach Istanbul. Zu seinen Ehren wurde im Zeremoniensaal des Yıldız-Palastes ein Bankett gegeben. Die Tische waren mit den feinsten Speisen gedeckt. Es gab alles. Auch Alkohol.

Raki, Wein, Rum. Es gab jede Art von Speisen nach Wunsch der Gäste und eine Vielzahl an Meze, bei denen es an nichts fehlte.

Auch das Protokoll war bei Tisch anwesend. Einige Abgeordnete, Mitglieder des Senats, Abgeordnete des Parlaments usw. Natürlich war auch der Parlamentspräsident Ahmet Rıza Bey dort. Der serbische König betrat den Saal gemeinsam mit Sultan Mehmed V. Reşad. Nach der Begrüßung des Protokolls setzte man sich zu Tisch. Parlamentspräsident Ahmet Rıza Bey nahm neben Sultan Mehmed V. Reşad Platz.

Während des Essens unterhielten sich Ahmet Rıza Bey und der Sultan eine Weile. Die Kellner schenkten Raki und Wein in die Gläser ein. Doch Ahmet Rıza Bey trank aus Respekt vor dem Sultan nicht. Als Sultan Reşad bemerkte, dass Ahmet Rıza Bey keinen Wein trank, bot er ihm welchen an. Als Ahmet Rıza Bey zögerte, weil er es für „unangemessen“ hielt, beugte sich der Sultan leise zu ihm herüber und sagte:

-„Kipp es einfach runter.“

Daraufhin hob Ahmet Rıza Bey sein Glas auf die Gesundheit des Sultans und trank seinen Wein.

Diejenigen, die heute Menschen zu einer bestimmten religiösen Lebensweise bekehren wollen und in Kneipen hausieren gehen, sollten wissen, dass es diese Tyrannei und diesen Zwang selbst in der Zeit der Sultane nicht gab.

Sogar der äußerst konservative Mehmed V. Reşad bot den Menschen Wein an.

Diese Rückständigkeit ist leider ein Produkt des heutigen Prozesses der Gegenrevolution.

Ich preise hier nicht den Alkoholkonsum.

Aber man darf die Freiheit der Privatsphäre der Menschen nicht antasten. Das ist es, was ich sage. So wie kein Betrunkener in eine Moschee gehen und Sie zum Trinken einladen darf, darf auch kein Mann im Gewand in eine Kneipe gehen und Menschen zum Gebet auffordern.

Dies widerspricht dem Menschenrechtsprinzip der „Freiheit“.

Außerdem ist „keinen Tropfen Alkohol anzurühren, fünfmal am Tag zu beten und ein guter Muslim zu sein“ weder ein moralisches noch ein berufliches Kriterium.

Das Kriterium ist, respektvoll und gerecht gegenüber den Menschen zu sein.

Bayezid I. trank, Mehmed der Eroberer trank, sogar Yavuz Sultan Selim trank. Selbst Süleyman der Prächtige hatte in seinen frühen Jahren getrunken.

Eigentlich geht es gar nicht ums Trinken oder Nichttrinken. Der Raki-Tisch ist meist ein Ort der Diskussion und des Austauschs. Wenn man ein oder zwei Gläser getrunken hat, fragt man sich doch: „Tja, was wird nur aus diesem Land?“

Genau davor haben diese engstirnigen Leute Angst.