Dass ein Mensch sich ausdrücken, seine Gedanken und Gefühle durch die von ihm erzeugten Laute artikulieren und diese dann in ein Kommunikationsmittel verwandeln kann, ist etwas Wunderbares. Das Wunder des Sprechens.
Doch wenn das Sprechen nur noch auf das Erzeugen von Lauten beschränkt bleibt; wenn die Grundlage, der Ursprung, der Stil und die Kultur des Wortes schwächer werden, kann das, was wir hören, zu einem bloßen Lärm werden. Dabei war es ein Wunder, das wir beschrieben haben; dass es zu Lärm verkommen ist, ist überaus traurig.
In solchen Momenten muss der Mensch sich von Zeit zu Zeit selbst hinterfragen, das Gelesene oder Ungelesene, das Gesehene oder Nichtgesehene, sein Gewissen, sein Mitgefühl und seinen Stil überprüfen und sich mit ihnen auseinandersetzen. Sprechen ist die Reflexion all dessen an der Oberfläche. Alles, was wir in unserem Gepäck tragen, ist hier verborgen. Worte tragen nur so viel, wie sie tragen können, und versuchen, den Empfänger so gut wie möglich zu erreichen.
Wie aber soll dieser Zustand des Auseinandersetzens, des Innehaltens, des Ausruhens und der Selbstreflexion gelebt werden? Wie kann der Mensch, ausgehend von seinem Sprechen, zu sich selbst zurückkehren und sich selbst auf die Waagschale legen?
Einige Religionen haben die Lösung hierfür im „Schweigen oder im Schweigefasten“ gefunden.
Das Wort Fasten bedeutet dem Wortsinn nach „sich von etwas fernhalten, sich gegenüber etwas zurückhalten“. Wenn wir also schweigen, halten wir uns vom Sprechen fern und bleiben in der Stille mit uns selbst, unseren Worten und all unseren Überzeugungen, die uns zu dem machen, was wir sind, allein.
Wir wissen, dass es dieses Fasten in der vorislamischen Gesellschaft im Hedschas, bei den Juden, den Christen und in einigen indischen Religionen gab. An solchen Tagen verzichten die Menschen darauf, nach außen hin Laute von sich zu geben, und meiden das Vergnügen, das das Sprechen bereitet, um mit sich selbst allein zu sein.
Erreichen diese Tage aber ihr Ziel, erfüllt sich der Zweck, wenn die Zeit zum Schweigefasten gekommen ist? Wir kennen die Antwort auf diese Frage nicht, aber wenn wir uns die Praxis des Fastens im Allgemeinen ansehen, können wir erkennen, dass das Angestrebte und das tatsächliche Ergebnis nicht immer identisch sind. Dasselbe mag auch für das Schweigefasten gelten, doch selbst wenn dem so ist, bleibt die Bedeutung des Fastens bestehen.
Wie wir oben bereits erwähnten, gibt es einen Unterschied zwischen Lärm und Sprechen. Das Wort selbst sagt uns das. Denn die Heilkraft des Wortes kommt nicht von den Lauten, sondern von der Weisheit, der Bescheidenheit, dem Verständnis und dem Anstand, die sich in diesen Lauten zeigen. Aus diesem Grund ist es manchmal notwendig, innezuhalten, statt ununterbrochen Laute von sich zu geben, zur Stille zu finden und uns selbst den Spiegel vorzuhalten.
Sadi Schirazi hat ein sehr schönes Wort. Ein Wort, an das ich mich selbst von Zeit zu Zeit erinnere: „Ein falscher Stil ist der Henker des richtigen Wortes.“ Die Schönheit und Wahrheit des Wortes dringt in das Herz des Menschen ein, noch während es über die Lippen kommt; es rät dazu, nicht zu verletzen oder zu brechen, nicht zu zerstören. Und es sagt: „Die Sache soll nicht wegen der Form Schaden nehmen.“ Wahrlich, er hat recht.
Um unseren Henker nicht auf der Zunge zu tragen, um die Wahrheiten und die Wirklichkeit nicht zu verspielen und um zu verstehen, was in unserem Geist und unserer Seele vor sich geht, brauchen wir eine bewusste Stille, eine ruhige Zeit. Der Lebensspiegel, den wir in diesem Zustand der Stille unserem Selbst vorhalten, kann uns nicht nur damit konfrontieren, wer wir sind, sondern uns auch sagen, wer wir nicht sind.
In der Phase, in der wir uns befinden, können wir also sagen: Wir können unsere Gespräche in einem Moment des Schweigens überprüfen und die Defizite und Bedürfnisse unserer Seele kontrollieren. Manche religiösen Glaubensrichtungen haben diesen Moment „Schweigefasten“ genannt. Jeder kann dem Moment, den er erlebt, seinen eigenen Namen geben. Doch wenn es eine unveränderliche Wahrheit gibt, dann ist es das Bedürfnis, das wir nach dem Schweigen verspüren.
Wie es in einem indianischen Sprichwort heißt: „Halte inne, höre zu. Wenn du immer nur sprichst, kannst du nichts hören.“
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