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Wir erkennen sie an ihren Tafeln

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In seinem „Buch der Umarmungen“ schreibt Eduardo Galeano: „Überzeugungen, die ich für sicher hielt, wecken beim Frühstück Zweifel.“ Überzeugungen nehmen im menschlichen Leben einen größeren Raum ein, als man gemeinhin annimmt, doch gibt es keine Garantie dafür, dass dieser Platz ein Leben lang gesichert bleibt. Die schwierigen und harten Stationen der Lebensgeschichte, Konflikte und Leerstellen konfrontieren uns oft mit unseren Überzeugungen. Manchmal kann auch die bloße Anwesenheit von Menschen, mit denen wir gemeinsam im selben Glaubenskreis atmen, die Distanz zu unserem Glauben vergrößern – bis wir ihn schließlich stillschweigend beiseitelegen und uns in unsere eigene Welt zurückziehen. Das sind keine unbekannten Phänomene; wir werden täglich Zeugen solcher Entwicklungen. 

Der Bruch zwischen Cübbeli Ahmet und seiner Gemeinde ist ein Beispiel dafür. Hätte er sich jemals träumen lassen, dass er eines Tages solche Kämpfe mit seiner eigenen Gemeinschaft austragen würde, dass diejenigen, die er einst als große Gelehrte bezeichnete, ihn indirekt der „Lüge“ bezichtigen und ihn gar ausschließen würden, und dass er selbst am Ende sagen würde: „Ich verzeihe ihnen nicht, sie haben den Muslimen großen Schaden zugefügt“? Wahrscheinlich hat er solche Gedanken nicht gehegt, denn Cübbeli war eine Person, die nicht einmal die Konflikte und Streitigkeiten der Vergangenheit thematisieren ließ und diejenigen, die es taten, als Schiiten oder Unruhestifter beschimpfte. So ist das Leben: Solange man lebt, prüft es einen auch an den eigenen Behauptungen.

Wo wir gerade bei Behauptungen sind: Ich möchte bei einer Behauptung von Cübbeli Ahmet anknüpfen. Laut einem kürzlich in der Presse verbreiteten Bericht sprach er von einer Tonaufnahme, in der der Prophet des Islam zu Mahmut Ustaosmanoğlu gesagt haben soll: „Du bist der letzte vollkommene geistige Führer (Mürşid-i Kamil).“ Details beiseite: Cübbeli wandte sich von hier aus an seine ehemalige Gemeinde und sagte: „Unser Mürşid ist der Efendi Hazretleri, nur ihm gegenüber leisten wir Rabita.“ Da der Prophet dies bestätigt haben soll (!), hatte Cübbeli in diesem Moment recht. Wenn es darum geht, Beweise vorzulegen, dann war der „sprechende/zum Sprechen gebrachte Prophet“ der größte Beweis – wer könnte dem noch etwas entgegensetzen!

Beweise sind wichtig, genau wie die Geschichte. Denn alles, was heute geschieht, lässt sich in der Vergangenheit zurückverfolgen. Weil sich die Geschichte in dieser Hinsicht immer wiederholt. Zum Beispiel sagt sie uns über den Vorfall, der Gegenstand unseres Artikels ist, Folgendes: Wenn es darum geht, Macht, Posten, prunkvolle Schlösser oder große Bilanzen zu schützen, warten Beweise nur darauf, in Auftrag gegeben zu werden; die Uhren werden je nachdem gestellt, wo sie bereitstehen. Und wir wissen, wie Propheten und sogar heilige Bücher instrumentalisiert wurden, um jene Machtfestungen, von denen wir sprechen, zu erobern und zu sichern. Auch die Muslime haben in diesem Zusammenhang ihren Teil aus der Geschichte gelernt; sie haben nie davor zurückgeschreckt, die Heiligtümer, an die sie glauben, für sich sprechen zu lassen – sei es für administrative Aufgaben, für zu erobernde Beute, Besitztümer oder Paläste. Die Existenz von Tausenden erfundenen Hadithen ist der größte Beweis dafür. Für Interessierte sei das Buch „Uydurma Hadisler“ (Erfundene Hadithe) von Harun Ünal erwähnt; das Erstaunliche daran ist, dass das Werk sechs Bände umfasst. Man kann sich das Ausmaß des Problems selbst ausmalen. 

Einem dem Kalifen Ali zugeschriebenen Ausspruch zufolge sagte er: „Der Koran ist ein geschriebenes Buch und spricht nicht von selbst; die Menschen sprechen mit ihm, die Menschen lassen ihn sprechen und die Menschen leiten Urteile aus ihm ab.“ Wenn ein Mensch das Buch, an das er glaubt, sprechen lässt, erfahren wir die Interpretation seiner Rede zweifellos aus seinem Leben, seinen Erfahrungen, den Beziehungen, in denen er steht, und seinem Dasein. Die Bedeutung, die diejenigen dem heiligen Buch beimessen, die im Exil, in Kerkern oder an der Seite der Unterdrückten stehen, ist gewiss nicht dieselbe wie die Bedeutung derjenigen, die nicht auf ein Leben in Elfenbeintürmen verzichten wollen, die stets an der Seite der Herrschenden stehen, deren Sprache zu ihrer eigenen machen, deren Religion als ihre Religion anerkennen und niemals gegen deren Unterdrückung ihre Stimme erheben. Denn wie das Leben ist, so ist ein Stück weit auch der Glaube. 

Dass Cübbeli sich auf eine Tonaufnahme beruft, um den Propheten sprechen zu lassen, ist genau die Fortsetzung jener historischen Tradition, von der wir sprachen. Es ist sehr vertraut. Muawiya zum Beispiel: Überlieferungen zufolge soll der Prophet ihm im Voraus gesagt haben, dass er Kalif werden würde. Das heißt, die Überlieferung sagt an einer Stelle: „Sagt das Kalifat nicht, dass es ein göttlicher Befehl ist?“ Wenn dem so ist, dann ist das Kalifat sein Recht! Gehen wir weiter. Gehen wir weiter, aber erinnern wir uns an diese Information: Muawiya blieb zwei Jahre lang als Muslim an der Seite des Propheten, davor stand er zusammen mit seinem Vater auf der Seite der „Feinde“. Doch siehe da, in jenen zwei Jahren soll der Prophet zu Muawiya gesagt haben, er werde Kalif. So sagt es die Überlieferung. Und wir sollen es natürlich glauben!

Ach ja, was sagte der Kalif noch gleich: „Der Koran spricht nicht, die Menschen lassen ihn sprechen.“ Wer auch immer heute im Namen der Religion spricht oder den Propheten oder gar das Buch sprechen lässt, sollte nicht auf das schauen, was er sagt, sondern – um es mit Dücane Cündioğlu zu sagen – auf das, was er isst. Denn „was er sagt, ist die Behauptung; was er isst, ist der Beweis.“ Deshalb richten wir unseren Blick auf ihre Tafeln; dort werden wir die Wahrheit erfahren.