Lassen Sie uns den legendären Titel des 1994 erschienenen Buches des britischen Autors Simon Kuper, „Fußball ist niemals nur Fußball“, das in der Welt der Sportliteratur zu einem Kult geworden ist, abwandeln und sagen: „In der Türkei ist der Supercup nicht nur der Supercup“, um in das Thema einzusteigen.
Unabhängig von den Ausreden, die sie zuvor vorgebracht hatten, bestand ihr eigentliches Anliegen darin, in der Politik, die Türkei zu „orientalisieren“, die türkische Gesellschaft zu islamisieren und jeden zu neutralisieren, der nicht politisch-islamistisch denkt, nicht ihre Ansichten teilt und den Gründungsprinzipien des Landes verbunden ist – diesmal sollte dies über den Fußball erreicht werden.
Während das 100-jährige Jubiläum der Republik gefeiert wurde, die die Türkei von der religiösen Vorherrschaft befreite, die Souveränität von Sultanen und dem Himmel auf das Volk übertrug und aus Untertanen Bürger machte, war der Versuch, das Supercup-Spiel in Saudi-Arabien auszutragen, wo im 21. Jahrhundert noch immer eine mittelalterliche Mentalität herrscht, eine offene Herausforderung an die Gründungsprinzipien des Landes und die Menschen, die sich zu ihnen bekennen!
Natürlich sollten wir andererseits die „emotionale“ Dimension der Angelegenheit nicht übersehen und nicht außer Acht lassen, dass die Regierung in einer Zeit, in der das Land mit einer Wirtschaftskrise kämpft, die Absicht hatte, ein wenig mehr von den Petrodollars der Araber zu profitieren.
Kurz gesagt, ein klassischer Erdoğan-Ansatz: die Strategie, mit einer Klappe gleich mehrere Fliegen zu schlagen!
Aber es hat nicht funktioniert, es ist misslungen.
Das Supercup-Spiel zwischen Fenerbahçe und Galatasaray wurde nach der „Atatürk-Krise“ in Saudi-Arabien abgesagt.
Beide Mannschaften wollten mit Transparenten mit den Aufschriften „Frieden in der Heimat, Frieden in der Welt“ und „Glücklich ist, wer sich Türke nennt“ auf das Spielfeld laufen.
Schließlich war dies ein Spiel zwischen türkischen Mannschaften. Es war nur allzu natürlich, dass sowohl Galatasaray als auch Fenerbahçe im Jahr des hundertjährigen Bestehens der Republik ihren Respekt vor Atatürk zum Ausdruck bringen wollten.
Saudi-Arabien war lediglich der Gastgeber.
Doch die saudischen Behörden sagten „Nein“: Sie dürften nicht mit T-Shirts, auf denen Atatürk abgebildet ist, oder mit Transparenten, auf denen Atatürks Worte stehen, das Spielfeld betreten!
Den Rest kennen Sie!
Auf dieses Verhalten der Saudis reagierten Galatasaray und Fenerbahçe mit großem Protest.
Al-Riyadh News berichtete, dass der Präsident des Fenerbahçe-Clubs, Ali Koç, bei dem Treffen, auf dem TFF-Funktionäre versuchten, ihn unter Druck zu setzen, das Spiel auszutragen, mit den Worten reagierte: „Was soll das heißen, kein Atatürk? Ohne Atatürk gibt es keine Türkei, ohne die Türkei gibt es uns nicht, und dann gibt es auch kein Spiel.“
Das Spiel wurde abgesagt, beide Mannschaften stiegen in ihre Flugzeuge und machten sich auf den Weg zurück in die Türkei!
Die Arroganz der selbstgefälligen Saudis, die glaubten, mit ihren Dollars alles kaufen zu können, blieb angesichts des Stolzes der türkischen Mannschaften hilflos.
Natürlich ging es nicht nur um Fußball oder den türkischen Supercup. Die Angelegenheit war rein politisch.
Saudi-Arabien wird in absehbarer Zukunft kein Öl mehr haben. Die Quellen, aus denen sie unbedacht Geld schöpfen, werden versiegen.
Bei der heutigen Verbrauchsrate wird prognostiziert, dass das Öl und Erdgas auf der Welt in 41 Jahren aufgebraucht sein werden.
Sagen wir 50, vielleicht 60 Jahre. Selbst wenn sie das Angebot schrittweise drosseln, werden sie spätestens in einem Jahrhundert ohne Öl dastehen.
Deshalb sucht das Land, ohne die wahhabitische Mentalität aufzugeben, wenn möglich mit kleinen Reformen, aber unter Beibehaltung des absoluten Monarchieregimes und ohne die königliche Familie anzutasten, mit seinen Billionen von Dollar nach einem Platz in der modernen Welt.
Sie exportieren Kapital und tätigen große Investitionen in Unternehmen, die weltweit neue Technologien produzieren, in Immobilien, in die Sportindustrie – allen voran Fußball –, in das Transportwesen und in Handelsrouten.
Mit den daraus erzielten Einnahmen wollen sie ihren derzeitigen Reichtum und ihre Privilegien bewahren.
Gleichzeitig wollen sie bei strategischen Planungen auf globaler Ebene mitreden, wie etwa bei dem neuen Seidenstraßen-Projekt, das von Indien bis nach Europa reichen soll.
Natürlich nutzen sie hierbei die Heuchelei des Westens voll aus, der Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit ignoriert, sobald seine eigenen Interessen auf dem Spiel stehen.
Die größte Angst des saudischen Königreichs ist jedoch, dass trotz einer vorsichtigen Öffnung nach außen als Nebenwirkung Forderungen nach Demokratie im eigenen Land laut werden könnten. Zum Beispiel ein neuer Arabischer Frühling, der sich diesmal gezielt gegen die Monarchien richtet!
Man muss ehrlich sein: Es sind nicht die westlichen Demokratien, die diese Angst im saudischen Königreich schüren. Was sie wirklich fürchten, ist, dass das republikanische Regime in der Türkei ein Vorbild für Saudi-Arabien sein könnte!
Dass Mustafa Kemal Atatürk aus den Trümmern eines zusammenbrechenden Imperiums ein neues und starkes Land geschaffen hat, die Souveränität vom göttlichen Recht auf das Volk übertragen hat, obwohl ein bedeutender Teil der Bevölkerung muslimisch ist, den Laizismus eingeführt hat und als Ziel das Niveau der zeitgenössischen Zivilisation vorgab, ist der Albtraum der mittelalterlichen wahhabitischen Mentalität.
Was, wenn dem saudischen Königreich dasselbe widerfährt wie der osmanischen Dynastie?
Was, wenn auch die Araber eines Tages aufstehen und sagen: „Es reicht, warum können wir nicht tun, was die Türken vor einem Jahrhundert getan haben?“
Wir sind uns nicht sicher, ob sie das tun werden, aber Saudi-Arabien betrachtet das republikanische Regime, den Laizismus und die sozialen Dynamiken in der Türkei seit seiner Gründung als eine existenzielle Bedrohung für sich selbst.
Obwohl die seit 2002 regierende politisch-islamistische Mentalität die Gründungsprinzipien des Landes erheblich erodiert hat und sie selbst dies stark unterstützen, ist die Angst der Saudis nicht verflogen.
Denn sie sehen, dass es in der Türkei, wie der nationale Reflex beim Supercup-Spiel gezeigt hat, einen starken republikanischen und atatürkistischen Kern gibt.
Was wird passieren, wenn die politisch-islamistische Regierung in der Türkei eines Tages abgelöst wird!
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Krise in Riad lediglich darauf zurückzuführen ist, dass eine archaische Mentalität mit voller Wucht gegen die Wand des Republikanismus, der Zeitgemäßheit und der Moderne geprallt ist. Wir schließen diesen Artikel mit dem Wunsch, dass 2024 ein Jahr wird, in dem weltweit die Vernunft siegt und das gerechter und friedlicher ist.
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