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Drohung, Erpressung, Druck!

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Es ist genau ein Jahr vergangen.

Am 6. Februar 2023, als die Uhr 04.17 Uhr anzeigte, traf ein Erdbebensturm den Südosten der Türkei mit voller Wucht. 

Das ganze Land war tief erschüttert.

Allen voran Hatay erlebten 10 unserer Provinzen in der Region eine große Katastrophe. Zehntausende unserer Menschen verloren ihr Leben.

Diese Ereignisse gingen als die schwersten Erdbeben der letzten hundert Jahre in die Geschichte ein. Der Schmerz ist auch heute noch so frisch wie am ersten Tag!

Die politisch-islamistische Mentalität, die die Türkei seit 22 Jahren regiert, hat weder die Wunden des Erdbebens geheilt, noch diejenigen unterstützt, die eine helfende Hand ausstrecken wollten.

Die Menschen wurden auf dem schmalen Grat zwischen Leben und Tod ihrem Schicksal überlassen. Das Bild in der Erdbebenregion lässt die Gewissen weiterhin bluten.

Während die Lage so war, machte er sich vor drei Tagen auf den Weg nach Hatay, um die Kandidaten seiner Partei für die Kommunalwahlen vorzustellen.

Wir wussten bereits, dass er seit 22 Jahren nach der Mentalität eines Schusters handelt, der nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist, und bei jeder Katastrophe, die das Land trifft, darüber nachdenkt, „wie ich das in Stimmen ummünzen kann“.

Deshalb hatten wir ohnehin nicht erwartet, dass er Empathie zeigen, den Menschen sagen würde, dass sie nicht allein gelassen werden, ein paar Sätze zum Mitgefühl für die Erdbebenopfer verlieren oder die Bevölkerung ohne Parteipolitik in die Arme schließen würde. 

Aber wir hätten nicht gedacht, dass er die Menschen in Hatay so offen bedrohen könnte.

Er sagte: 

„Wenn die Zentralregierung und die Kommunalverwaltung nicht an einem Strang ziehen, wenn sie nicht solidarisch sind, wird diese Stadt nichts bekommen. Ist etwas in Hatay angekommen? Im Moment ist Hatay einsam und verlassen geblieben.“

Das war eine offensichtliche Erpressung.

„Wenn ihr uns, also der Regierung, nicht eure Stimme gebt, werden wir euch keine Dienste erweisen. Ihr werdet weiterhin inmitten solcher Trümmer leben.“

Das bedeutet, dass die Spitze des Staates seine eigenen Bürger – Menschen, die bei dem Erdbeben ihre Mutter, ihren Vater, ihren Ehepartner, ihre Kinder, ihre Geschwister oder Verwandten verloren haben, die vielleicht selbst dem Tod von der Schippe gesprungen sind, die Arme oder Beine verloren haben, die ein Auge eingebüßt haben, die den Schmerz der Katastrophe noch nicht lindern konnten und die versuchen, sich in Zelten und Containern am Leben zu halten – ohne zu zögern für eine „Stimme“ bedrohen konnte.

Leider erntete er für diese Sätze statt Empörung Applaus.

Wir hätten nicht überrascht sein sollen, aber wie jeder, dessen moralischer Kompass grundlegende menschliche Werte anzeigt, waren wir wieder einmal überrascht, traurig und wütend.

In den Nachrichtensendern wird seit zwei Tagen darüber spekuliert, ob ihm das „nur so herausgerutscht“ sei.

Natürlich ist es ihm nicht herausgerutscht; er hat es bewusst und gewollt, mit Nachdruck gesagt. 

Diese Botschaft war nicht nur an die Menschen in Hatay gerichtet.

Sie wurde in Hatay ausgesprochen, das durch das Erdbeben dem Erdboden gleichgemacht wurde, damit sie die gesamte Türkei noch wirkungsvoller erreicht.

Er wusste sehr genau, dass diese Worte aufgrund der Sensibilität in der Öffentlichkeit so oder so aufgebauscht werden würden. Und das wurden sie auch.

Selbst wenn er in Nachrichtensendern, die sich als oppositionell bezeichnen, kritisiert wurde, war kalkuliert, dass die eigentliche Botschaft bei den Menschen auf der Straße ankommen würde.

Unterstreichen wir dick, dass er seit 2002 alle Wahlen mehr oder weniger mit dieser Methode gewonnen hat.

Dieselbe Art von Sätzen hatte er während des Kommunalwahlprozesses 2019 verwendet. Für Ekrem İmamoğlu hatte er den Ausdruck „lahme Ente“ benutzt.

Er sieht die Kommunalwahlen am 31. März als eine kritische Schwelle für den Fortbestand des Ein-Mann-Regimes. 

Mit dem Ergebnis, das hier erzielt wird, wird er nicht nur sein Regime festigen, sondern sich vielleicht auch den politischen Boden bereiten, um lebenslang Präsident zu bleiben.

Er glaubt, dass er durch Drohungen, Erpressung und Druck erfolgreich sein wird.

Und er hat nicht ganz unrecht. Diese gravierende Situation normalisiert sich für den Bürger auf der Straße zunehmend. 

Solange mein Landsmann – wie bei Stalins Huhn – weiterhin auf Hilfe hofft, um von der Regierung, die ihn in Armut, Entbehrung und fast in den Hunger treibt, ein paar Groschen Sozialhilfe zu erhalten,

um seine Kinder durch die Protektion der AKP-Provinz- und Bezirksverbände in Arbeit zu bringen, um sie zumindest als Zeitsoldaten unterzubringen, wenn es schon nicht für die Stelle als Wachmann reicht,

um sein Haus in die Bauamnestie einzubringen oder seine Baracke einem Bauunternehmer zu überlassen, um sich die Rendite von fünf oder zehn Wohnungen unter den Nagel zu reißen, wird es nicht falsch sein zu sagen, dass diese Methode Ergebnisse liefern wird.

Leider beugt sich ein sehr bedeutender Teil meiner Landsleute freiwillig der Drohung und Erpressung der Regierung. 

Abgesehen von der Psychopathologie der Angelegenheit: Ist es möglich, diesen Mechanismus einer Regierung, die öffentliche Dienstleistungen an eine „Stimme“ geknüpft hat und die Menschen im Land zum Gehorsam zwingt, zu durchbrechen? 

Wird mein Landsmann Widerstand gegen die Drohungen, Erpressungen und den Druck der Regierung leisten, kann er das? 

Wird er sagen, dass es reicht, kann er das?

Vielleicht…

Man muss die Hoffnung bewahren, aber wir beenden unseren Artikel mit der Feststellung, dass dies kurzfristig nicht sehr einfach erscheint.