Wenn die Leutnants bei der Abschlussfeier der Militärakademie „Wir sind Tayyips Soldaten, wir sind Soldaten der Umma“ gerufen hätten, wären dann ebenfalls Ermittlungen gegen sie eingeleitet worden und stünden sie kurz vor der Entlassung?
Natürlich nicht!
Jeder, der das Wesen der politischen Islamisten auch nur ansatzweise durchschaut hat, weiß, dass es hierbei nicht um die Disziplin der türkischen Streitkräfte geht.
Wäre Disziplin ihr eigentliches Anliegen, dann wären beispielsweise dem Admiral, der Turban trug und mit seinem Dienstwagen in eine religiöse Gemeinschaft (Tekke) fuhr, in dem Moment, als dies bekannt wurde, die Dienstgrade aberkannt und er vor die Tür gesetzt worden.
Doch er wurde lediglich in den Ruhestand versetzt. Und zwar unter Wahrung aller Versorgungsansprüche.
Es wurde größte Mühe darauf verwendet, ihn nicht zu kränken.
Wir kennen ihre Mentalität gut genug, um sicher zu sein, dass sie nicht einmal das getan hätten, wenn das Thema nicht in den sozialen Medien hochgekocht wäre.
Außerdem haben wir nicht gehört, dass gegen die verantwortlichen Offiziere Ermittlungen eingeleitet wurden, nachdem bei jedem Besuch Tayyips im Anıtkabir eigens herbeigeschaffte Gruppen Parolen zu seinen Gunsten skandierten.
Und das, obwohl die Bestimmung in Artikel 35 der „Verordnung über die Durchführung der Anıtkabir-Dienste“ unter der Überschrift „Zeremonien“ – „In Anıtkabir dürfen nur zu Ehren Atatürks Kränze niedergelegt und Zeremonien abgehalten werden. Zu anderen Zwecken dürfen keine Zeremonien, Märsche oder Demonstrationen organisiert und keine Kränze niedergelegt werden. Jede Art von Haltung, Handlung, Wort, Schrift oder Verhalten, die der würdevollen Präsenz von Anıtkabir nicht entspricht, ist untersagt“ – überaus eindeutig ist.
Was Tayyip und seine Entourage hier so sehr aufbringt, ist sowohl die Tatsache, dass die jungen Leutnants – unter Inkaufnahme möglicher Konsequenzen – eigenmächtig einen solchen Vorstoß gewagt haben, als auch, dass sie durch den Inhalt des Offizierseids eine Botschaft an die Feinde der Republik und Atatürks gesendet haben.
Lassen Sie uns das etwas genauer betrachten.
Im Offizierseid kommen „Laizismus“, die „Ehre und Würde der türkischen Nation“, die „unteilbare Einheit des Landes“ und Mustafa Kemal Atatürks Ausspruch „Wie glücklich derjenige, der sagt: Ich bin ein Türke“ vor!
Kurz gesagt: Alles, worauf Tayyip allergisch reagiert, ist darin enthalten.
Doch die Angelegenheit hat nicht nur mit Tayyips Allergien zu tun.
Der hier geleistete Eid geht weit über allgemeine Pathos-Bekundungen hinaus; er stellt einen starken Willen zum Widerstand gegen das Paradigma des neo-hamidischen Regimes dar, das die politischen Islamisten seit 2002 Schritt für Schritt gewebt und nahezu vollendet haben.
Darüber hinaus haben die Leutnants die Quelle der Legitimität dieses Willens mit den Rufen „Wir sind die Soldaten Mustafa Kemals“ verdeutlicht.
Man kann sich vorstellen, dass Tayyips Gemütszustand völlig erschüttert ist.
Wir wissen, dass er seit 22 Jahren alles in seiner Macht Stehende tut, um anstelle der türkischen Nation die Umma, anstelle von Mustafa Kemal Atatürk sich selbst und anstelle des Laizismus den Islamismus zu setzen.
Doch es ist offensichtlich, dass er das erwartete und gewünschte Ergebnis nicht erzielt hat.
Die Regierung versucht nun, durch eine an den Leutnants zu statuierende Rechtsprechung die Gründungsphilosophie und die Gründungsprinzipien der Türkei – wie etwa den Laizismus, die unteilbare Einheit der Türkei, den Atatürk-Nationalismus und die nationale Identität – unter Strafe zu stellen.
Sie ist darauf aus, die Mauern der Angst um das oppositionelle Lager zu befestigen, damit niemand gegen die Schritte Einspruch erhebt, die sie bis 2028 unternehmen wird.
Doch das eigentlich Schlimme ist, dass die Menschen in unserem Land nicht entschieden für die jungen Leutnants einstehen. Jenseits der Tastaturritterei in den sozialen Medien gibt es keine nennenswerte Reaktion.
Da sich die Regierung dessen bewusst ist, hat sie auch nicht die Absicht, einen Rückzieher zu machen.
Die halbherzigen Erklärungen der CHP nimmt ohnehin niemand ernst.
Wenn es so weitergeht, sollte niemand daran zweifeln, dass der nächste Schritt das Verbot von Politik sein wird, die sich auf die Gründungswerte des Landes beruft – mit diesen Worten schließen wir unseren Beitrag.
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