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Worauf sollten sich die drei Staaten im Kaukasus konzentrieren?

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Der Kaukasus ist auf der Weltkarte zwar klein, aber sowohl historisch als auch heute von großer Bedeutung – sowohl für regionale Entwicklungen als auch für den Wettbewerb zwischen den Großmächten. Die drei Staaten im Südkaukasus, Aserbaidschan, Georgien und Armenien, sind von drei weiteren Staaten umgeben: der Türkei, Russland und dem Iran. Von diesen wird Russland als Großmacht definiert, während die Türkei und der Iran als mittelgroße Staaten und regionale Akteure gelten. In diesem Zusammenhang ziehen die drei Kaukasus-Staaten sowohl im Wettbewerb ihrer großen und mittelgroßen Nachbarn als auch im Ringen globaler Mächte um Eurasien, Zentralasien, den Kaukasus, das Schwarze Meer und das Kaspische Meer die Aufmerksamkeit auf sich. Wie in der Geschichte sind sie auch heute als Akteure und Schauplätze dieses Wettbewerbs bekannt.

Es gibt mehrere Gründe, warum der Kaukasus in den beiden Weltkriegen des letzten Jahrhunderts für die Kriegsparteien als eine Region hervortrat, die unbedingt beherrscht, erobert und gehalten werden musste. Die geopolitische Lage und die strategische Bedeutung der Region liegen auf der Hand. Die religiöse, konfessionelle und ethnische Vielfalt der kaukasischen Völker ist ein wesentlicher Faktor. Auch die reichen Energieressourcen Aserbaidschans und der Wert des Kaukasus als Energietransitroute dürfen nicht vergessen werden.

Betrachtet man die Beziehungen der drei südkaukasischen Staaten zu den Großmächten (USA, Russland, China), zu den regionalen Akteuren (Türkei, Iran) und zu bedeutenden außerrregionalen Mächten (Deutschland, Frankreich, Großbritannien), wird das Bild noch komplexer. Denn sowohl die Beziehungen der drei Staaten untereinander als auch ihre Beziehungen zu anderen Ländern sind in hohem Maße anfällig für äußere Einflüsse.

Die Beziehungen zwischen Aserbaidschan und Armenien sind, wie bekannt, sehr problematisch und angespannt. In den letzten Jahren kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen, an deren Ende Aserbaidschan seine besetzten Gebiete in Bergkarabach befreit und von Armenien zurückgewonnen hat. Auch das Verhältnis zwischen Armenien und Georgien ist eher unterkühlt. Im Gegensatz dazu sind die Beziehungen zwischen Aserbaidschan und Georgien stark. Neben historischen, gesellschaftlichen und kulturellen Bindungen gibt es eine Zusammenarbeit im Energiebereich sowie Handelsbeziehungen.

Unter den drei Kaukasus-Republiken ist Aserbaidschan politisch am stabilsten sowie wirtschaftlich und militärisch am stärksten. In der Außenpolitik achtet es auf regionale und globale Gleichgewichte. Bei internationalen Bündnissen agiert es vorsichtig, besonnen und umsichtig. Es legt Wert auf regionale Zusammenarbeit. Es steht weder unter dem Einfluss der USA noch unter der Führung Russlands. Aserbaidschan und die Türkei betrachten einander als „strategische Verbündete“ und definieren sich als „zwei Staaten, eine Nation“. Die Beziehungen Aserbaidschans zu Israel sind sehr eng, während sich die Beziehungen zum Iran in jüngster Zeit entspannt haben, was mit der veränderten Haltung des Iran gegenüber Armenien einhergeht.

Armenien ist in seiner Innenpolitik instabil. Die Wirtschaft ist schwach, die Bevölkerung arm. In der Innenpolitik schränken der Einfluss der USA, Europas – allen voran Frankreichs – und der armenischen Diaspora im Westen den Handlungsspielraum der Politiker ein. In jüngster Zeit sind die Beziehungen zu Russland sehr angespannt. Aus diesem Grund legt das Land großen Wert auf den Ausbau der Beziehungen zur NATO und hat seinen Austritt aus der von Russland geführten Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit angekündigt. Die offizielle Anerkennung des Staates Palästina durch Armenien wurde von außenpolitischen Experten als Reaktion auf die Unterstützung Israels für Aserbaidschan gewertet.

Auch Georgien ist für seine schwache Wirtschaft, weit verbreitete Armut und Arbeitslosigkeit sowie instabile Politik bekannt. Auch in diesem Land gibt es in der Innenpolitik, genau wie in Armenien, einen harten Wettbewerb zwischen pro-westlichen Kräften und Russland-Anhängern. Georgien, das Schauplatz der ersten der sogenannten „Farbenrevolutionen“ war, die 2003, 2004 und 2005 in Georgien, der Ukraine und Kirgisistan stattfanden, hat die Macht zwischen den USA- und Russland-Anhängern bereits mehrfach wechseln sehen. Nach dem Georgien-Russland-Krieg von 2008 haben sich Abchasien und Südossetien von Georgien abgespalten und – natürlich mit Unterstützung Russlands – einseitig ihre Unabhängigkeit erklärt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass bei einer Untersuchung der staatlichen Kapazitäten, der Bündnisbeziehungen sowie der Beziehungen der drei Republiken im Südkaukasus untereinander, zu ihren Nachbarn sowie zu globalen und regionalen Akteuren deutlich wird, dass alle drei vorsichtig und umsichtig agieren müssen. Da die Lösung der Probleme zwischen ihnen (was nicht einfach ist) einen Multiplikatoreffekt auf nationaler und regionaler Ebene hätte, ist die Konzentration darauf der logischste Weg.