In den letzten Tagen wächst die Zahl derer, die sich Sorgen über den Ausbruch eines 3. Weltkriegs machen, rapide. Es gibt viele, die glauben, dass sich die Anzeichen und Vorboten für einen solchen Krieg mehren. Doch ist diese Wahrscheinlichkeit wirklich so groß, wie befürchtet wird? Wie sehr haben diejenigen recht, die sagen, wir befänden uns inmitten eines geopolitischen Sturms und ein globales Chaos stünde vor der Tür?
Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass in den letzten 5.000 Jahren die Zeiträume ohne Krieg grob geschätzt 270 bis 290 Jahre betrugen. In den letzten 300 Jahren belief sich die kriegsfreie Zeit auf insgesamt nur 26 Tage. Ja, nur 26 Tage.
Daher zeigt uns die Geschichte, dass es in den internationalen Beziehungen und in der Außenpolitik immer kleine und große, regionale oder globale Spannungen, Konflikte und Kriege gegeben hat.
Wir wissen Folgendes: Die USA sind kein Staat, der über eine Vielzahl und Vielfalt an Instrumenten verfügt, um Ländern (einschließlich ihrer europäischen Verbündeten), die sich von den USA entfernen, Autonomie gegenüber der US-Vormundschaft suchen und relativ unabhängiger agieren wollen, entgegenzutreten – und das parallel zur Erosion ihrer Hegemoniefähigkeit und der Schwächung ihrer ökologischen Dominanz. Ihre Macht ist nicht unbegrenzt. Ihre Möglichkeiten sind nicht unendlich. Die politischen, wirtschaftlichen, militärischen und diplomatischen Trümpfe, mit denen sie solche Länder auf US-Linie halten könnten, sind nicht mehr so effektiv wie früher.
Obwohl die stärksten Trümpfe der USA ihre Armee, der Dollar und die NATO sind, neigen viele Länder der Welt dazu, sich im Außenhandel vom Dollar abzuwenden. Sie orientieren sich am Handel mit ihren nationalen Währungen. Dass sich unter diesen Ländern auch ein US-Verbündeter wie Saudi-Arabien befindet, ist natürlich von Bedeutung. Wie zu erwarten war, unterstützen und fördern auch China und Russland diese Entwicklung. Deshalb vergrößert die chinesische Währung Yuan (Renminbi) ihren Anteil am Kuchen als Reservewährung im Welthandel.
Ebenso verfügt die BRICS-Gruppe, zu deren Gründern auch China und Russland gehören, über 45 Prozent der Weltbevölkerung und etwa 30 Prozent der Weltwirtschaft. Sechs der neun größten Ölproduzenten der Welt sind ebenfalls BRICS-Mitglieder. Bei der Berechnung auf Basis der Kaufkraftparität nähert sich der Anteil der BRICS 38 Prozent an. Der Anteil der G7-Staaten verharrt bei 30 Prozent. Bei der Industrieproduktion hält BRICS einen Anteil von 38 Prozent und liegt damit vor der G7 mit einem Anteil von 30,5 Prozent. Die BRICS-Gruppe, die von Brasilien, Russland, Indien und China gegründet wurde und kurz darauf die Republik Südafrika als Mitglied aufnahm – ihr Name setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der englischen Namen dieser Länder zusammen –, hat Anfang 2024 mit der Aufnahme von Ägypten, Äthiopien, dem Iran, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten einen bedeutenden Schritt zur Erweiterung vollzogen.
Vergessen wir auch nicht: Keine der Projekte mit US-Patent wie eine „Islam-NATO“, „Arabische NATO“ oder „Nahost-NATO“ wurde jemals verwirklicht, während die SOZ und BRICS mit neuen Mitgliedern expandierten. Diese Erweiterung wurde nicht nur aus politischen, geopolitischen, strategischen, diplomatischen Gründen und Sicherheitsbedürfnissen vorangetrieben, sondern – insbesondere im Rahmen von BRICS – auch aus wirtschaftlichen Gründen.
Daher ist es sinnvoller, statt Gedankenspiele über Aussagen wie „der 3. Weltkrieg hat begonnen, wird beginnen oder steht kurz bevor“ anzustellen, die Dimensionen des Außenhandels der Länder untereinander und ihre Suche nach regionalen Bündnissen zu betrachten und darüber nachzudenken, ob die USA mit ihrer schwindenden Macht einen solchen Krieg überhaupt riskieren können.
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