Es bleibt nicht so auf dem Tisch oder im Regal stehen, wie es dort platziert wurde. Es wird in den unterschiedlichsten Verpackungen und unter den verschiedensten Namen verkauft, und wir kaufen es. Unsere Entscheidungsprozesse werden untergraben. Manche von uns sind nicht in einem Alter, in dem sie fundierte Entscheidungen treffen können. Es passt zudem in unser Budget. Und es ist obendrein so „schön“! Das am meisten beworbene Gift... Ein Gift, das am stärksten gefördert wird, am leichtesten zugänglich ist und dessen „Beitrag“ zur gesellschaftlichen Zerstörung vielleicht genauso groß ist wie der von „Drogen“: Zucker.
LEBE, ALS GÄBE ES KEINEN ZUCKER!
Es steht nicht auf der Agenda der Opposition. Zur Zeit des „6er-Tisches“ wurde ein „Memorandum über gemeinsame Politik“ erstellt. Das Wort „Zucker“ kommt in diesem Text zweimal vor. Und das nicht im Kontext von Lebensmittelsicherheit oder öffentlicher Gesundheit. Es scheint, als seien diese Themen „niemandem in den Sinn gekommen“.
Die türkische Linke hatte einen großen Wert: Osman Nuri Koçtürk, bekannt unter dem Spitznamen „Tarhana Osman“. Er kämpfte mit Leib und Seele gegen den Lebensmittelimperialismus und gab sein Leben dafür. Damals war er ein Vorkämpfer der 68er-Bewegung und der sozialistischen Linken. Die Linke hat sich für ihn eingesetzt. Ironie des Schicksals: Kürzlich war er Gegenstand eines Artikels in der Yeni Şafak:
ZUCKER IST EIN POLITISCHES THEMA
Wir haben den Lebensmittelimperialismus vergessen. Wir thematisieren ihn weder im politischen noch im juristischen Bereich. Dabei sind seine Auswirkungen größer denn je. Durch den Lebensmittelimperialismus, insbesondere durch den übermäßigen und „versteckten“ Zuckerkonsum, werden die Massen betäubt. Die gesellschaftlichen Kosten des steigenden Zuckerkonsums sind enorm. Lokale Erzeuger leiden, Monopole beuten die lokalen Erzeuger aus, die Massen werden verdummt, Fettleibigkeit nimmt zu, das metabolische Syndrom verbreitet sich... Mit der Ausbreitung des metabolischen Syndroms nehmen zahlreiche Krankheiten zu, die Lebensqualität der Menschen sinkt. Mehr noch, infolgedessen steigt der Medikamentenkonsum. Dies hat sowohl negative Auswirkungen auf das Außenhandelsdefizit als auch auf den Haushalt durch die Ausgaben für die allgemeine Krankenversicherung und Gesundheitsdienste... Kurz gesagt, wir befinden uns inmitten einer gesellschaftlichen Katastrophe. Außerhalb von „Gesundheits“- und „Abnehmprogrammen“ behandeln wir dieses Thema nicht auf politischer oder rechtlicher Ebene. Was für ein Jammer!
DEM ANSCHEIN NACH SIND WIR UNS BEWUSST
Vor 5 Jahren... Zwischen dem Gesundheitsministerium, dem Türkischen Verband der Gastronomen und Konditoren sowie dem Dachverband aller Köche und Konditoren wurde ein Protokoll zur Reduzierung des übermäßigen Salz- und Zuckerkonsums unterzeichnet. Wie schön!
Haben wir überhaupt das Anliegen, das Zucker-Gift zu bekämpfen? „Lass uns weniger zuckerhaltige“ Gifte herstellen. Die Kinder sollen diese Zucker in der Schule sehen, in den Spielbereichen der Einkaufszentren, im Fernsehen, in den sozialen Medien... Sie sollen sie sehen und nicht wollen, oder sie sollen sie wollen und nicht konsumieren... Ist das realistisch? Machen wir uns lustig?
Auch der Türkische Verband der Lebensmittel- und Getränkeindustrie (TGDF) befasst sich mit diesem Thema. Doch ihre Art der Auseinandersetzung beschränkt sich auf gute Absichten. Mehr ist auch nicht zu erwarten. Denn sie sind nicht für den Schutz der öffentlichen Gesundheit verantwortlich. Die Verantwortung für dieses Thema liegt bei den öffentlichen Institutionen, allen voran dem Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Viehzucht, dem Gesundheitsministerium, dem Bildungsministerium, dem Handelsministerium sowie bei NGOs, die sich den Schutz der öffentlichen Gesundheit zum Ziel gesetzt haben. Dennoch sind wir Zeugen keines Kampfes in dieser Angelegenheit.
Fachbereiche für Ernährung und Diätetik, medizinische Fakultäten sollten dieses Thema in ihre Lehrpläne aufnehmen, ebenso wie juristische Fakultäten im Rahmen von „Gesundheitsrecht“-Vorlesungen. Doch was geschieht? Die Massen werden mit Wortklauberei getäuscht. Mit Etiketten wie „kein zugesetzter Zucker“ oder „zuckerfrei“ werden die Menschen in die Irre geführt. Mit der falschen Behauptung, „natürlicher Zucker“ sei gesund, werden Gesundheitsbedenken beruhigt. Verbraucherrechte werden verletzt, es entsteht unlauterer Wettbewerb. Klagen? Weder Juristen noch Politiker noch Bürger befassen sich mit diesem Thema. Dabei sollte dies zu einer Frage der öffentlichen Gesundheit und der öffentlichen Sicherheit werden.
FOLGE DEM GELD, FINDE DEN HERRN!
Schauen wir uns die Gastronomiebereiche in Einkaufszentren, jeden Lebensmittelladen, Markt oder Supermarktregale an... Die Verlockung von Zucker und zuckerhaltigen Lebensmitteln, ihre starke Werbung, ihre irreführenden Etiketten und ihre Verfügbarkeit sind blendend. Aber wir tun so, als gäbe es das alles nicht.
Besonders die Linke sollte hierfür keine Ausreden haben. Aus Sicht der Linken sollte das primäre Wirtschaftsthema die Existenzsorgen der Bürger, ihr Überleben und ihre gesunde Entwicklung als Individuum sein. Wenn Zucker der Rohstoff und die Waffe eines riesigen Sektors ist, der all dies beeinflusst, dann ist es reine Gedankenlosigkeit und Nachlässigkeit, ihn zu übersehen. Ja, sogar Verrat.
Wir werden fortfahren...
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