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Ratschläge für Philosophie-Anfänger

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In dieser Kolumne, die ich wöchentlich schreibe, möchte ich mich diesmal an junge Geister wenden, die gerade erst den Schritt an die Universität gewagt haben und sich insbesondere auf ein Abenteuer einlassen, das so aufregend wie schwindelerregend ist: die Philosophie. Ich nehme mir die Freiheit dazu, denn ich habe einen Bachelor-, Master- und Doktortitel in Philosophie. Vor diesem Abenteuer war ich zudem Student an der medizinischen Fakultät. Darüber hinaus habe ich Abschlüsse in Wirtschaftswissenschaften und Rechtswissenschaften. Ich bin nach wie vor als Anwalt tätig. Folglich habe ich die Philosophie in den Mittelpunkt gestellt und mich ausgiebig in ihrem Umfeld bewegt. Ich habe viele Fehler gemacht. Ich bin oft auf Abwege geraten. Ich habe einige Abkürzungen entdeckt. Aber zu welchem Preis! Ein wenig Zeit und ein wenig Schmerz. 

Ich erzähle euch das, damit ihr euch diese Mühen erspart. 

Wenn ihr beginnt, durch die Flure der philosophischen Fakultäten zu wandeln, wird sich euer Geist in einem riesigen Ozean aus Namen und Begriffen wiederfinden, der von Platon bis Kant, von Aristoteles bis Wittgenstein reicht. Eure Dozenten werden euch unzählige Werke empfehlen, damit ihr euch in diesem Ozean zurechtfindet. Ich hingegen möchte mich auf die Vorbereitungen und Strategien konzentrieren, die es euch ermöglichen, jene großen Texte besser zu verstehen, eine tiefere Beziehung zu ihnen aufzubauen und vor allem eure eigene philosophische Stimme zu finden. Lasst uns gemeinsam einen Blick darauf werfen, was ihr für diese lange und angenehme Reise in euren Rucksack packen solltet.

1. Philosophie ist keine einsame Insel: Baut interdisziplinäre Brücken

Eines der häufigsten Missverständnisse über die Philosophie ist, sie als eine von allen anderen Bereichen isolierte, in sich geschlossene Denkübung zu betrachten. Dabei steht die Philosophie genau im Zentrum des Lebens und des Wissens. Der Gegenstand der Philosophie ist buchstäblich alles: von der Struktur eines Atoms bis zur Schönheit eines Kunstwerks, von der Suche nach Gerechtigkeit bis zu den Grenzen der Sprache. Daher bedeutet die Beschäftigung mit Philosophie gleichzeitig die Beschäftigung mit Wissenschaft, Kunst, Geschichte und dem Leben selbst. Um in diesem riesigen Ozean nicht verloren zu gehen, müsst ihr einen festen Anker werfen. 

Wenn ihr philosophische Texte auf Türkisch lesen wollt, solltet ihr zudem die richtigen Quellen wählen. Wollt ihr Texte aus der Antike lesen? Dann solltet ihr zuallererst zu den Übersetzungen meines Freundes Yasin Gurur Sev greifen. Oder wollt ihr ein allgemeines Verständnis der Philosophie erlangen? Ihr könnt bedenkenlos jedes Buch von Sadık Usta kaufen und lesen. Wollt ihr einem Erzähler lauschen, der der Philosophiegeschichte treu bleibt? Dann werdet ihr, ohne euch an der Schlichtheit der Sprache zu stören, Coplestons Philosophiegeschichte in der Übersetzung von Aziz Yardımlı lesen. Wollt ihr ein wenig von der Treue abweichen und das große Ganze sehen? Dann werdet ihr A. C. Graylings Philosophiegeschichte in der Übersetzung meines Freundes Ali Berk İdil lesen. 

2. Schnell lernen, fundiert urteilen

Da die Philosophie sich mit allem befasst, sollte eine der grundlegendsten Fähigkeiten eines Philosophen die Fähigkeit sein, ein neues Thema schnell und effektiv zu erlernen. Um zwischen dem Richtigen und dem Falschen, zwischen dem Fundierten und dem Haltlosen zu unterscheiden, muss euer Urteilsvermögen, also eure Fähigkeit zum kritischen Denken, geschärft sein. Die Philosophie wird euch diese Fähigkeiten vermitteln, aber es liegt an euch, diesen Prozess zu beschleunigen.

3. Die Sprache der Wissenschaft verstehen: Mathematik und Naturwissenschaften

Heutzutage gehört die Wissenschaftsphilosophie zu den lebendigsten und produktivsten Bereichen der Philosophie. Jede Frage, die die Wissenschaft stellt – von der künstlichen Intelligenz bis zum Ursprung des Universums, von kognitiven Prozessen bis zur Quantenphysik –, basiert letztlich auf einem philosophischen Fundament. Leider entlässt uns unser Schulsystem nicht mit dem Rüstzeug, um diese tiefgründigen Diskussionen zu verstehen. Um diese Lücke zu schließen, wird es euren philosophischen Horizont unglaublich erweitern, wenn ihr euch von Beginn eures Universitätslebens an für grundlegende Mathematik und mindestens eine Naturwissenschaft (Physik, Chemie oder Biologie) interessiert und populärwissenschaftliche Lektüre in diesen Bereichen betreibt.

4. Schreiben, um zu denken; schreiben, um zu verstehen

Das bis zum Universitätsabschluss vorherrschende testorientierte Bildungssystem stumpft leider unsere wichtigste Denkfähigkeit ab: das Schreiben. Dabei ist Philosophie eine Disziplin, die ebenso sehr geschrieben wie gelesen wird. Schreiben ist die intensivste, lehrreichste und qualifizierteste Form des Denkens. Wenn ihr beginnt, eure Gedanken zu Papier zu bringen, erkennt ihr die Lücken in eurem Geist, logische Inkonsistenzen und schwache Argumente viel deutlicher. Um Philosophie zu verstehen, philosophisch zu denken und schließlich philosophisch zu produzieren, ist regelmäßiges Schreiben unerlässlich. Denkt daran: Ein guter philosophischer Autor wird gleichzeitig zu einem viel aufmerksameren und kompetenteren philosophischen Leser.

5. Die Grenzen der Sprache erweitern: Türkisch und Englisch

Philosophie ist eine Tätigkeit, die mit Sprache ausgeübt wird, und jede Sprache ist ein anderes Fenster zur Welt. Früher hätte ich gesagt, dass ihr für diese Reise viele Sprachen wie Latein, Altgriechisch oder Deutsch lernen müsstet. Aber seien wir realistisch: Für den Anfang sollten wir zwei Hauptziele haben.

Entdeckt das Türkische neu: Wir alle glauben, Türkisch zu beherrschen. Doch wenn ihr versucht, einen philosophischen Text zu übersetzen oder ein originelles philosophisches Argument zu verfassen, werdet ihr feststellen, wie fremd uns die Feinheiten unserer Sprache sind.

Lernt Englisch wirklich: Heutzutage ist Englisch die Hauptsprache der philosophischen Produktion und Diskussion. Es reicht nicht aus, Englisch nur „so weit zu beherrschen, dass man sich verständigen kann“. Wenn ihr das Niveau erreicht habt, einen akademischen Text problemlos zu lesen und zu verstehen, liegen euch dank Internet und E-Books eine der größten Bibliotheken der Welt zu Füßen.

6. Den Menschen verstehen: Psychologie, Anthropologie und Zivilisationsgeschichte

Philosophie befasst sich im Kern mit dem Menschen, seinem Platz in der Welt und seiner Suche nach Sinn. Daher bleibt eine Philosophie, die ohne das Verständnis der geistigen und sozialen Struktur des Menschen betrieben wird, unvollständig. Lektüren in Bereichen wie menschlicher Psychologie, Kognitionswissenschaften, Anthropologie und Zivilisationsgeschichte werden euch helfen, die Argumente der Philosophen in ihren historischen und menschlichen Kontext einzuordnen.

Buchempfehlungen

Im Philosophie-Studium werdet ihr ohnehin reichlich philosophische Texte lesen. Mein Ziel hier ist es, „hilfreiche“ Quellen zu empfehlen, die euch helfen, diese Texte besser zu verstehen und eure eigene intellektuelle Produktion anzuregen:

Um das Lernen zu lernen: Werke wie Barbara Oakleys „A Mind for Numbers“ (dt. „Goldlöckchen und die drei Bären“ / „Lernen lernen“), „Make It Stick“ von Peter C. Brown und Kollegen oder „Ultralearning“ von Scott Young werden euch eine völlig neue Perspektive auf effektive Lerntechniken eröffnen.

Für das Urteilsvermögen: Werke wie „Gerçek Argümanların Mantığı“ (Die Logik echter Argumente), das wir zusammen mit meinem Freund Oğuz Akçelik ins Türkische übertragen haben, oder Rolf Dobellis „Die Kunst des klaren Denkens“. Vergessen wir auch nicht die Arbeit meines Freundes Tevfik Uyar mit dem Titel „Astrolojinin Bilimle İmtihanı“ (Die Prüfung der Astrologie durch die Wissenschaft).

Für Philosophie und Mathematik: Eric Steinharts Buch „More Precisely: The Math You Need to Do Philosophy“ fasst das grundlegende mathematische Denken, das die Philosophie benötigt, auf wunderbare Weise zusammen. (Ich bin dabei, die Übersetzung dieses Buches fertigzustellen; es wird in wenigen Monaten erhältlich sein, aber vernachlässigt trotzdem nicht das Englischlernen!)

Für Zivilisations- und Menschheitsgeschichte: Werke wie Jared Diamonds „Arm und Reich“ (Guns, Germs, and Steel), David Graebers „Schulden: Die ersten 5000 Jahre“ oder „Anfänge: Eine neue Geschichte der Menschheit“ (The Dawn of Everything), Wolfgang Schivelbuschs „Geschichte der Genussmittel“ oder „Das Paradies, der Geschmack und die Vernunft“, und vor allem die Werke von Emrah Safa Gürkan wie „Ezbere Yaşayanlar“ (Die, die auswendig leben) und „Bunu Herkes Bilir“ (Das weiß jeder) ermöglichen es euch, das große Bild zu sehen, aus dem das philosophische Denken entspringt.

Für das Bewusstsein für Sprache und Übersetzung: Die Essays von Necmiye Alpay über Sprache, die Schriften von Nurullah Ataç oder die Texte, die Meisterübersetzer wie Ülker İnce und Celal Üster über die Übersetzungspraxis verfasst haben, werden euch zeigen, wie lebendig und vielschichtig die Struktur der Sprache ist.

Für Psychologie und Kognitionswissenschaften: Populäre, aber horizonterweiternde Bücher wie Antonio Damasios „Descartes' Irrtum“, Steven Pinkers „Das unbeschriebene Blatt“, Philip Zimbardos „Der Luzifer-Effekt“ oder Dan Arielys „Denken hilft zwar, nützt aber nichts“ (Predictably Irrational) sind ein guter Anfang. Zudem bieten die entsprechenden Bücher aus der von der İstanbul Kültür Üniversitesi herausgegebenen Oxford-Reihe „Sehr kurze Einführung“ (Philosophie, Psychologie, Bewusstsein etc.) hervorragende Zusammenfassungen.

Vergessen wir die Künstliche Intelligenz nicht: Ich empfehle euch dringend, nicht über dieses Thema zu sprechen, ohne das Buch „50 Soruda Yapay Zeka“ (Künstliche Intelligenz in 50 Fragen) unseres Dozenten Cem Say gelesen zu haben.

Oh, wir haben die Kunst vergessen! Nur ein Scherz; ein allgemeines Verständnis der Kunst für das Philosophiestudium soll das Thema eines anderen Artikels sein. Vielleicht schreibt darüber ein kompetenterer Freund von uns.

Denkt daran: Philosophie ist kein Ziel, sondern eine niemals endende Reise. Genießt diese Reise, lest viel, schreibt noch mehr und vor allem: Hört niemals auf zu fragen. Viel Erfolg auf eurem Weg!