Mustafa Kemal ATATÜRK lebte bis zu seinem letzten Atemzug mit den Träumen seiner Jugend. In schwierigen Tagen, bei Erfolgen, in nachdenklichen und zögerlichen Momenten konnte er sich nie ganz von seiner jugendlichen Emotionalität lösen. Für ihn war das Leben eine „Bewegung nach vorne“.
Beim Fortschritt der Gesellschaft handelte er weniger durch tiefgründige Analysen als vielmehr durch seine natürlichen, aus dem Inneren kommenden Intuitionen. Die Vorahnung war Mustafa Kemal ATATÜRKs stärkste Waffe. Das Erreichte war für ihn stets nur ein schwacher Trost, und sein Blick war immer nach vorne gerichtet. Er sagte dazu:
„Sprechen Sie mich nicht auf das an, was ich getan habe, sondern auf das, was ich noch tun muss… Die Revolution muss sich weiterentwickeln und außergewöhnlich sein…“
Er ging militärische Risiken ein, indem er neben seinem scharfen Verstand auch das gesamte Wagnis in Kauf nahm. Er erlangte Autorität und Ruhm, errichtete jedoch keine unüberwindbaren Mauern um sich herum. Er erkannte zwar an, eine bedeutende Persönlichkeit zu sein, doch die Vorstellung, als gottgleich verehrt zu werden, bedrückte ihn zutiefst. Das Beispiel der Sultane vor ihm war ihm unangenehm.
Nicht Gefangenschaft, sondern freies Denken kann diese Nation aus dem Abgrund retten. Mustafa Kemal ATATÜRK begann alle seine Revolutionen von der Basis aus. Die Beziehung zum Volk war für ihn wie das Aufziehen einer Uhr.
Der Mensch von heute mag in der kemalistischen Revolution einige Lücken oder nicht vollkommen ausgereifte Aspekte finden; mehr noch, er mag die Widersprüche ihres Schöpfers erkennen. Doch das Leben und das Werk dieses starken Geistes aus der heutigen Perspektive zu beurteilen, wäre zumindest ungerecht. Alles Weitere wäre Verrat.
Mustafa Kemal ist ein Kind seiner eigenen Realität. Seine Stärke liegt darin, dass er sich aus den Trümmern erhob. Er verstand es, über den trüben Spiegel des Osmanischen Reiches hinauszublicken; als Mensch eines untergehenden Imperiums konnte er die starken, rettenden Linien der Republik erfassen, ohne sich in den Gedanken der Jungtürken zu verlieren.
In Mustafa Kemal vereinen sich Utopie und Kämpfernatur zu untrennbaren Teilen. Diese beiden Gefühle in ihm waren von gleicher Stärke. So war er an beiden Enden gleichermaßen erfolgreich. Der Wert seiner Weitsicht lässt sich in der Praxis wie folgt zusammenfassen:
„Ich bin glücklich, weil ich Erfolg hatte.“
Er hätte Sultan werden können. Doch der Gedanke eines Yıldırım Bayezid war ihm fremd. Seine Meisterschaft im Krieg gab ihm Begeisterung, bis er die imperialistischen Invasoren vertrieben hatte. Für Mustafa Kemal ATATÜRK war die Uniform kein Zweck, sondern ein Mittel. Deshalb legte er seine Marschallsuniform mit großer Leichtigkeit ab und konnte seinen großen Gedanken aussprechen:
„Frieden in der Heimat, Frieden in der Welt.“
Er wollte der erste Funke jedes neuen Anfangs sein. Der Gedanke, neue Horizonte zu eröffnen, zog ihn mit einer unbeschreiblichen Kraft an.
Sein Hass auf das Alte war so stark, dass der Gedanke, den Staat der Republik Türkei auf dem höchsten Niveau des Zivilisationszeitalters zu sehen, zu seinem Grundprinzip wurde.
Im Kampf für das Neue reichte ihm die Zeit nicht aus. Für den unermüdlichen Kämpfer der Tage waren die Nächte seine größten Helfer.
Atatürk war immer jung; deshalb hat er sein Werk voller Vertrauen der Jugend überlassen.
Am fünfzehnten Jahrestag des Großen Sieges veranstalteten Jugendliche in Istanbul eine Vorführung vor der Savarona. Atatürk verfolgte die Vorführung, während er mit Hilfe seiner Freunde in einem Sessel saß. „Diese Feiertage und die Zukunft gehören euch, auf Wiedersehen“, flüsterte er, während sich seine Augen mit Tränen füllten.
Eines Tages sagte er zu seiner Vertrauten Afet İnan, er wolle in einem abgelegenen Winkel des Landes, in einem einfachen Dorf, fernab von allem Ruhm leben:
„Lass uns alles hinter uns lassen und gehen“, sagte er.
Er verlor sich in diesen Gefühlen:
„Es soll ein einfaches Haus sein. Im Zimmer muss unbedingt ein Kamin sein.“
Die Regierung ordnete an, dass für Atatürk nach seiner Genesung ein Haus in einer waldreichen Gegend vorbereitet werden sollte. Doch alles war vergebens. Wenige Tage nach diesem Gespräch fiel er ins Koma. Nachdem er drei Tage lang benommen war, kam er wieder zu sich. Der aus Europa herbeigerufene Arzt sagte voller Freude und Erstaunen:
„Ich erzähle Ihnen kein Märchen. Nein, ich spreche als ein Mann, der die Macht der Medizin des zwanzigsten Jahrhunderts kennt. Der Tod hatte Angst vor ihm.“
Atatürks Erwachen aus dem Koma war ein so unerwartetes Ereignis, dass die Menschen um ihn herum so taten, als wäre nichts geschehen. Doch Atatürk fragte ununterbrochen nach der Uhrzeit, um sein Bewusstsein zu prüfen. Das Wasser, das sich erneut in seinem Bauch ansammelte, erstickte ihn. Unter Schmerzen rief er:
„Ich verlange von euch, dass ihr das Wasser abzieht!“
Trotz der Gefahr wurde beschlossen, das Wasser mit einer Spritze abzuziehen; doch wenige Stunden später setzte erneut ein Koma ein. Er rang sechsunddreißig Stunden lang mit dem Tod. Sechsunddreißig Stunden später, am Morgen des 10. November 1938, schloss er seine Augen.
Mustafa Kemals Leben verging wie ein flackernder Traum. Er leuchtete wie ein Meteor am dunklen Himmel des Osmanischen Reiches, durchbrach den Konservatismus und hauchte durch sein eigenes Feuer einem neuen Anfang Leben ein. Das ist der Staat der Republik Türkei.
Jugendliche! Ihr seid das Heute, das Morgen und die Zukunft des Lebens des großen Genies Mustafa Kemal Atatürk.
Mustafa Kemal Atatürk war immer jung; deshalb hat er sein Werk und seine Überzeugungen der Jugend überlassen.
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