Migration ist ein untrennbarer Bestandteil der Menschheitsgeschichte; in der modernen Welt steht diese Mobilität jedoch im Zentrum wirtschaftlicher und politischer Dynamiken. Die Türkei ist als Transit- und Zielland einer der Orte, an denen dieses globale Thema am stärksten spürbar ist. Weltweit sucht die Migration zudem nach einem Gleichgewicht zwischen wirtschaftlichen Chancen und politischen Krisen.
WIRTSCHAFTLICHE PERSPEKTIVE: DER PREIS UND DER BEITRAG DER MIGRATION
In der Türkei wird darauf hingewiesen, dass Migranten oder Asylsuchende einerseits durch die Zunahme der Schattenwirtschaft auf dem Arbeitsmarkt zu sozialen Spannungen führen, andererseits aber in Sektoren, die auf kostengünstige Arbeitskräfte angewiesen sind, für Wachstum sorgen. Obwohl die Tatsache, dass sich die Mehrheit der Migranten im erwerbsfähigen Alter befindet (74 %), als wirtschaftlicher Vorteil erscheint, trägt diese Arbeit kaum zum Steuersystem bei, da sie größtenteils informell erfolgt.
Einerseits werden Flüchtlinge und Migranten in Ländern wie der Türkei mit dem Vorwurf stigmatisiert, eine „Belastung“ für die Wirtschaft zu sein, andererseits heißt es, dass diese Menschen durch ihre Arbeit zu Niedriglöhnen die Räder in vielen Sektoren am Laufen halten. So wird beispielsweise darauf hingewiesen, dass Syrer in der Türkei zu den grundlegenden Arbeitskräften in einem breiten Spektrum von der Landwirtschaft bis zur Textilindustrie gehören. Diese Situation befeuert jedoch die Schattenwirtschaft und verstärkt die Sorgen der lokalen Bevölkerung hinsichtlich des Wettbewerbs auf dem Arbeitsmarkt. Schlimmer noch: Die Finanzhilfen internationaler Finanzinstitutionen und westlicher Länder für die Türkei werden eher zu einem Instrument politischer Interessen als zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Migranten. Während die der Türkei zugesagten Gelder oft bei Versprechungen bleiben, fließen diese Mittel häufig eher in die Kontrollmechanismen der Staaten als direkt an die Flüchtlinge.
Auf internationaler Ebene unterstützen Migranten die Wirtschaft vieler Entwicklungsländer durch Rücküberweisungen in ihre Heimat. Laut Weltbank machten die von Wanderarbeitnehmern im Jahr 2020 überwiesenen 620 Milliarden Dollar in Ländern wie Nepal einen bedeutenden Teil des Volkseinkommens aus.
POLITISCHE PERSPEKTIVE: DIE INSTRUMENTALISIERUNG DER MIGRATION
Migranten stehen nicht nur im Zentrum wirtschaftlicher, sondern auch politischer Verhandlungen. Die Türkei hat sich durch die mit der Europäischen Union geschlossenen Rückübernahmeabkommen ein internationales politisches Druckmittel durch Migranten verschafft. Solche Abkommen zielen jedoch meist eher auf politische Interessen ab, als die humanitären Bedingungen der Migranten zu verbessern.
Migranten werden sowohl zu Opfern als auch zum Spielball politischer Krisen. Während migrationsfeindliche Diskurse in Europa den Aufstieg der extremen Rechten begünstigen, werden Flüchtlinge in der Türkei zum Gegenstand politischer Verhandlungen. Praktiken wie das „Rückübernahmeabkommen“ der Europäischen Union mit der Türkei zeigen, dass Migranten lediglich als Menschen betrachtet werden, die außerhalb der europäischen Grenzen gehalten werden müssen. In der Türkei wiederum sind die Flüchtlingspolitiken wenig transparent und oft darauf ausgelegt, die eigene Wählerbasis zufriedenzustellen.
Die Pandemie hat die Migrationsfeindlichkeit weiter verschärft. Migranten wurden unter dem Vorwand, das Virus zu verbreiten, stigmatisiert und in vielen Ländern bei der Inanspruchnahme von Gesundheitsdiensten diskriminiert. In unserem Land hingegen bildeten sie eine privilegierte Gruppe in Gesundheitsfragen. Darüber hinaus ist es eine Tatsache, dass die ohnehin fragilen Migrantengemeinschaften die politischen und sozioökonomischen Strukturen der Länder, in die sie kommen, beeinträchtigen.
LÖSUNGSANSÄTZE: GRENZEN UND MENSCHLICHKEIT
Die Lösung der Migrationsfrage ist nicht allein durch das Schließen von Grenzen oder kurzfristige Finanzhilfen möglich. Es müssen langfristige und integrative Strategien entwickelt werden, die sowohl die Migranten als auch die Aufnahmegesellschaften berücksichtigen. Insbesondere in Ländern wie der Türkei sind die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt und soziale Kohäsionsprojekte von entscheidender Bedeutung; sie sollten ohne weiteren hohen Aufwand an Zeit und Geld in ihre Heimatländer zurückgeführt werden. Die internationale Zusammenarbeit sollte Migration nicht nur als ein „zu kontrollierendes Problem“, sondern als eine „zu bewältigende Chance“ betrachten.
Migration ist keine Krise, sondern die fortlaufende Geschichte der Menschheit. Diese Geschichte gerechter zu schreiben, erfordert jedoch Verantwortung auf wirtschaftlicher und politischer Ebene. Es darf nicht vergessen werden, dass das Berühren des Lebens von Migranten nicht nur einer Gesellschaft jenseits der Grenzen dient, sondern der gesamten Menschheit.
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