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Wie kommt die Wirtschaft wieder auf einen grünen Zweig?

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Um zu verstehen, wie die Wirtschaft wieder auf einen grünen Zweig kommt, muss man zunächst den Begriff der Krise definieren. Einfach ausgedrückt wird eine Krise als große Not, Depression oder Erschütterung verstanden. Sie tritt in verschiedenen Formen auf: Wirtschaftskrise, Finanzkrise, politische Krise, Regierungskrise, moralische Krise... Tatsächlich hat unser Land all diese Krisen von Zeit zu Zeit erlebt; einige davon erleben wir auch weiterhin.

Eine Wirtschaftskrise ist das Eintreten von Ereignissen, die plötzlich und unerwartet auftreten und makroökonomisch die Volkswirtschaft eines Landes sowie mikroökonomisch Unternehmen und Menschen schwer erschüttern. Aufgrund dieser Krisen zahlen Volkswirtschaften einen hohen Preis und erleiden große Verluste. Viele Menschen verlieren durch die Krise ihr Zuhause, ihren Arbeitsplatz und ihre Ersparnisse. Zahlreiche Menschen rutschen in die Klasse derjenigen ab, die an der Armutsgrenze leben. Eine Krise bedeutet, dass die Wirtschaft von einem stabilen in einen instabilen Zustand oder von einem Gleichgewicht in ein Ungleichgewicht gerät.

Dann stellt sich die Frage: Wie kann die Wirtschaft eine Krise überwinden oder wieder auf einen grünen Zweig kommen?

Für eine nachhaltige Erholung und Stabilität müssen folgende Maßnahmen ergriffen werden:

• Zur Preisstabilität muss die Inflation bekämpft werden,

• Eine unabhängige und vorhersehbare Geldpolitik muss umgesetzt werden,

• Die Zentralbank muss an der Inflationszielsetzung festhalten,

• Vertrauen in den Markt und die Gesellschaft muss aufgebaut werden,

• Der Markt und die Gesellschaft müssen an die Konsistenz der Politik glauben,

• Die Risikoprämie muss gesenkt werden,

• Finanzierungskosten müssen reduziert werden,

• Währungsstabilität muss gewährleistet werden,

• Finanzdisziplin und Transparenz müssen etabliert werden,

• Haushaltsdisziplin muss gewahrt bleiben,

• Die Steuerbasis muss verbreitert werden,

• Die Abhängigkeit von indirekten Steuern muss verringert werden,

• Eine auf Industrie, Produktion und Export ausgerichtete Entwicklung und Wachstum müssen angestrebt werden,

• Für eine Produktion mit hoher Wertschöpfung muss in Bereiche wie Verteidigung, Software, Biotechnologie und erneuerbare Energien investiert und diese müssen gefördert werden,

• Im Export muss auf Produktvielfalt gesetzt werden,

• Die Energieabhängigkeit muss verringert werden,

• Das Leistungsbilanzdefizit muss gesenkt werden,

• Rechtssicherheit muss gewährleistet und institutionelle Reformen müssen durchgeführt werden,

• Ein vorhersehbares Rechtssystem muss geschaffen werden,

• Regulierungsbehörden müssen von politischem Druck befreit werden,

• Bildungsreformen müssen für qualifizierte Arbeitskräfte und Produktivitätssteigerungen durchgeführt werden.

Die Wirtschaft kommt nicht durch einen „einzelnen Schachzug“ wieder auf einen grünen Zweig, sondern durch eine Kombination aus Vertrauen + Stabilität + Produktion + Reformen. Geld- und Zinspolitik löschen das Feuer; Strukturreformen hingegen heilen die Krankheit und sorgen für dauerhafte Genesung und Stabilität. Produktion mit hoher Wertschöpfung, Bildungsreformen und Humankapital, die Verringerung der Energieabhängigkeit sowie die Erhöhung des Technologieanteils am Export führen unser Land aus der Falle des mittleren Einkommens.

Wirtschaftskrisen sind ein Prozess, der die Schulden unseres Landes von der größten bis zur kleinsten wirtschaftlichen Einheit erhöht, Arbeitslosigkeit auslöst und Produktion sowie Preise destabilisiert. Es ist für eine Wirtschaft nicht möglich, langfristig mit diesen Krankheiten zu leben. Der Ausweg aus der Krise ist ebenso psychologisch wie technisch und strukturell. Wenn es kein Vertrauen und keine Vorhersehbarkeit gibt, kann trotz aller Maßnahmen keine Stabilität erreicht werden; die Wirtschaft kann nicht auf einen grünen Zweig kommen. Vertrauen und stabile Produktion müssen unser oberstes Gebot sein.

Prof. Dr. Duran Bülbül