Wir haben den 8. März, den Internationalen Frauentag, hinter uns gelassen. Wieder einmal wurde so getan, als ob Frauen ihre Rechte erhielten, verpackt in blumige Worte, die auf einen einzigen Tag komprimiert waren; wir haben das gelesen und nicht geglaubt. Wir haben es nicht geglaubt, weil die Verinnerlichung der Geschlechtergleichstellung eine lange und mühsame Reise ist. Es ist wichtig, dass dies nicht nur bei Worten bleibt, sondern in Taten umgesetzt wird.
Frauen, die für ein gleichberechtigtes Leben in allen Bereichen kämpfen, müssen harte Kämpfe führen, um sich zu behaupten – zu Hause, bei der Arbeit, auf dem Feld, in der Fabrik, in der Politik, kurzum in allen sozialen Umfeldern, in denen sie existieren. Oft bleibt dieser Kampf unbelohnt und endet damit, dass ihre Rechte beschnitten werden. Untersuchungen zufolge wird von Frauen im Berufsleben ein deutlich höheres Bildungsniveau erwartet als von ihren männlichen Kollegen, doch wenn es um das Gehalt geht, müssen sie mit 20 Prozent weniger Lohn auskommen. Zudem wird die potenzielle Mutterschaft einer Frau im Arbeitsleben als Gefahr angesehen. Während ein dreifacher Vater von Führungskräften und Arbeitgebern nicht als Problem betrachtet wird, wird eine dreifache Mutter wie ein „mangelhafter“ Mensch behandelt. Die soziale Geschlechterungleichheit sickert von Kindesbeinen an in fast alle Lebensbereiche ein, und wenn kulturelle Einflüsse hinzukommen, wird die Situation vollends ungerecht.
Wie, glauben Sie, setzt sich soziale Geschlechterungleichheit im Unterbewusstsein fest?
Dass sich die Geschlechterungleichheit so tief in die Kapillaren der Gesellschaft eingräbt, liegt an der Werbung, den Sprüchen und den Worten, denen man täglich begegnet und die von Kindheit an einen ungleichen Ansatz im Unterbewusstsein formen. Wenn beispielsweise in der Werbung die Frau meist als Figur dargestellt wird, die in der Küche putzt, kocht und abwäscht, ist es immer eine männliche Stimme, die erklärt, wie gut das Produkt ist. Man kann sagen, dies ist nur eines der Elemente, die dazu führen, dass man verinnerlicht, dass Macht, Stärke und Entscheidungsgewalt männlich sind. Wenn die Frau in der Werbung nicht die Rolle der Mutter oder der abwaschenden Hausfrau einnimmt, kann sie einem in einer Eiswerbung auch als Sexualobjekt begegnen. Dann reicht es nicht mehr aus, nur eine gute Ehefrau und eine gute Mutter zu sein; sie muss gleichzeitig das Modell einer „Superfrau“ verkörpern, die auch körperlich perfekt ist.
In diesem Zusammenhang wurde 2018 erstmals vom Verband der Werbetreibenden (Reklamverenler Derneği) eine Untersuchung zur „10-Jahres-Bilanz der Geschlechtergleichstellung in Effie-prämierten Fernsehwerbungen in der Türkei“ durchgeführt, in der festgestellt wurde, dass das Geschlecht der Werbung männlich ist. Ja, Sie haben richtig gelesen: In der Türkei ist das Geschlecht der Werbung männlich!
Es stellte sich heraus, dass nur 35 Prozent der Hauptcharaktere in der Werbung Frauen sind, während 65 Prozent aus Männern bestehen. Bei den Sprechern aus dem Off sind 89 Prozent männlich, während der Frauenanteil bei 10 Prozent liegt. Das heißt, jene „vertrauenswürdige“ Stimme, die Ihnen sagt, Sie sollen das Produkt kaufen, gehört immer einem Mann. Den Ergebnissen derselben Studie zufolge ist der Sektor, in dem Frauen in der Werbung am häufigsten vorkommen, mit 91 Prozent der Bereich Haushaltsreinigung und Pflegeprodukte, gefolgt von Mode-, Textil- und Accessoire-Werbung mit 80 Prozent. Der Sektor, in dem Frauen in der Werbung am seltensten zu sehen sind, ist das Bankwesen mit 4 Prozent und die Telekommunikation mit 6 Prozent! Wahrscheinlich denken sie, dass eine Frau keine Bankerin sein kann.
Das kommt mir gar nicht fremd vor. Auch in der Politik sieht man, dass Frauen meist auf Ministerebene in familienbezogenen Bereichen vertreten sind, während wir in den Bereichen Wirtschaft, Finanzen und nationale Sicherheit kaum auf Politikerinnen stoßen. Die politischen Analysten, die auf den Bildschirmen kommentieren, sind Männer; Parteivorsitzende, Fraktionsvorsitzende, Kammerpräsidenten, Vereinsvorsitzende, Bürgermeister und sogar Dorfvorsteher sind mehrheitlich männlich!
Die von Kindheit an kodierten sozialen Rollen bilden ein riesiges Hindernis für die gleichberechtigte Repräsentation von Frauen. Daher ist es für eine echte, nicht nur verbale Gleichstellung notwendig, diese zunächst zu verinnerlichen und in alle Lebensbereiche zu integrieren. Sogar die Werbung hat ein männliches Geschlecht – stellen Sie sich den Rest vor!
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