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Die Reise der Türkei zur grünen Wirtschaft: Nationale und lokale Dynamiken der nachhaltigen Entwicklung

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Die Klimakrise und das neue Entwicklungsparadigma

Das 21. Jahrhundert steht vor einer der vielleicht größten Herausforderungen der Menschheitsgeschichte: DER KLIMAKRISE. Das Erreichen der Grenzen des auf fossilen Brennstoffen basierenden Wachstumsmodells, die Erschöpfung der natürlichen Ressourcen und die zunehmende Umweltverschmutzung haben das klassische Entwicklungsverständnis unhaltbar gemacht. Die an dieser Stelle ins Spiel kommende „GRÜNE WIRTSCHAFT“ repräsentiert einen neuen Ansatz, bei dem wirtschaftliches Wachstum und ökologische Nachhaltigkeit gemeinsam möglich sein können.

Die Türkei hat insbesondere seit den 2020er Jahren begonnen, wichtige Schritte zur Anpassung an diesen Wandel zu unternehmen. Der Erfolg einer nachhaltigen Entwicklung wird jedoch nicht nur durch zentrale politische Maßnahmen möglich sein, sondern durch den Willen zum Wandel auf lokaler Ebene, Kooperationen zwischen öffentlichem und privatem Sektor sowie gesellschaftliches Bewusstsein. In diesem Zusammenhang stechen Bursa und Adana als zwei starke lokale Akteure hervor, die ein Beispiel für den grünen Transformationsprozess der Türkei darstellen. Beide Städte zeichnen sich durch verschiedene Projekte und Kooperationen in Bereichen wie umweltfreundliche Produktion, Reduzierung des CO2-Fußabdrucks und Kreislaufwirtschaft aus.

Grundlagen der grünen Wirtschaft: Konzeptueller und politischer Rahmen

Die grüne Wirtschaft ist ein Entwicklungsmodell, das auf niedrigen CO2-Emissionen, hoher Ressourceneffizienz und sozialer Inklusion basiert. Dieser Ansatz beschränkt sich nicht nur auf Umweltpolitik; er erfordert einen strukturellen Wandel in vielen Sektoren, von Energie bis Industrie, von Landwirtschaft bis Verkehr, von Stadtplanung bis Finanzen.

Nationale Politik und Verpflichtungen der Türkei

Pariser Klimaabkommen und Netto-Null-Ziel (2053): Die Türkei hat das Pariser Abkommen im Jahr 2021 ratifiziert und das Ziel „Netto-Null-Emissionen“ für 2053 übernommen.

Revolution der grünen Entwicklung: Diese 2021 von Präsident Erdoğan angekündigte Politik stellte die ökologische Nachhaltigkeit in das Zentrum der Entwicklungsstrategie.

12. Entwicklungsplan (2024–2028): Im Rahmen des Plans wird angestrebt, den Anteil erneuerbarer Energien auf über 55 % zu erhöhen, Null-Abfall-Praktiken zu verbreiten, die Emissionen um bis zu 41 % zu senken und einen CO2-Bepreisungsmechanismus einzuführen.

Anpassungsprozess an den EU Green Deal: Für die Türkei, die die Hälfte ihrer Exporte in die EU tätigt, ist die Anpassung an den „CO2-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM)“ der EU sowohl zu einer ökologischen als auch zu einer wirtschaftlichen Notwendigkeit geworden.

Anwendungsbereiche der grünen Wirtschaft: Sektorale Auswirkungen des Wandels

Energiewende: Der Anteil erneuerbarer Energien an der gesamten Stromerzeugung der Türkei hat 2023 42 % erreicht. Das Ziel für 2035 ist, dass Sonne und Wind zusammen mehr als 30 % der gesamten Energieerzeugung ausmachen. Bei Investitionen in Solarenergie stehen Konya, Şanlıurfa und Adana im Vordergrund.

Industrie und CO2-Fußabdruck: Der Industriesektor ist für 35 % der Gesamtemissionen in der Türkei verantwortlich. Organisierte Industriegebiete (OSB) werden nach Kriterien wie effizienter Wassernutzung, Energieeinsparung und Abfallrecycling als „Grüne OSB“ umstrukturiert, wobei Bursa in diesem Bereich eine Vorreiterrolle einnimmt.

Landwirtschaft und Ernährungssicherheit: Der Klimawandel bedroht direkt die Wasserressourcen und die landwirtschaftliche Produktivität. Praktiken wie Tröpfchenbewässerung, ökologischer Landbau, agrovoltaische Systeme (Landwirtschaft + Solarenergie) und Kohlenstoffsenken werden verbreitet.

Verkehr und städtische Infrastruktur: Elektrofahrzeuge und die Infrastruktur für Ladestationen entwickeln sich rasant. Auf kommunaler Ebene werden nachhaltige Mobilitätspläne (SUMP) erstellt. In Städten wie Bursa und Konya werden die Flotten des öffentlichen Nahverkehrs auf Elektroantrieb umgestellt.

BURSA: Ein inklusives grünes Modell von industrieller Transformation bis städtischer Resilienz

Bursa zeigt eine Transformation in einem breiten Spektrum von der Industrie bis zum Verkehr für eine nachhaltige Entwicklung.

Grüne Praktiken in Industrie und OSB: Die OSB Bursa (Organisiertes Industriegebiet) war eine der ersten Regionen in der Türkei, die eine Berichterstattung über den CO2-Fußabdruck zur Pflicht machte. Das OSB Hasanağa ermöglichte 2023 mit dem Projekt „Fabrik, die aus der Sonne produziert“ die Installation von Aufdach-Photovoltaikanlagen in 35 Industrieanlagen. Die Handelsbörse Bursa hat durch Schulungen zum Thema „CO2-Fußabdruck und Klimarisikomanagement“ mehr als 250 Unternehmen auf transformative Schritte vorbereitet.

Erneuerbare Energien und Energieeffizienz: Die Gemeinde Nilüfer hat begonnen, einen Großteil des Energiebedarfs in ihren Verwaltungsgebäuden durch Aufdach-Photovoltaikanlagen zu decken. BURULAŞ (Bursa Transport) hat Pilotanwendungen gestartet, um den Energiebedarf von U-Bahn-Stationen mit Solar- und Geothermieenergie zu unterstützen.

Stadtplanung und Verkehr: Im Rahmen des Bursa-Verkehrsentwicklungsplans (BUAP) soll der Anteil des öffentlichen Nahverkehrs bis 2035 auf 45 % erhöht, ein Radwegenetz von bis zu 200 km aufgebaut und alle Stadtbusse im Stadtzentrum auf Elektroantrieb umgestellt werden. Die Stadtverwaltung Bursa verbreitet klimaresiliente Stadtmöbel wie Gründächer, vertikale Gärten und durchlässige Asphaltbeläge in den Bezirken Nilüfer und Osmangazi.

Grüner Stadtaktionsplan (GCEP): Bursa konzentriert sich im Rahmen des von der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) unterstützten Grünen Stadtaktionsplans im Jahr 2024 auf Ziele wie eine Emissionsreduzierung um 40 % bis 2030, „GRÜNE KORRIDORE“, die den innerstädtischen Temperaturunterschied um 20 % senken sollen, und eine 100-prozentige Abwasserrückgewinnung.

Akademische und zivilgesellschaftliche Beteiligung: Die Uludağ-Universität und die Technische Universität Bursa haben „GRÜNER CAMPUS“-Anwendungen gestartet. Auf diesen Campussen sind Praktiken wie Fahrradverkehr, erneuerbare Energien und Kompostsysteme aktiv. Die „Klimaplattform Bursa“ ist eine der wenigen lokalen Klimaplattformen in der Türkei, in der Vertreter von NGOs, Universitäten und Industrie gemeinsam arbeiten.

ADANA: Eine grüne Vision, die sich von landwirtschaftlicher Resilienz bis städtischer Energie erstreckt

Adana erweitert seine grüne Vision in vielen Bereichen, von klimafreundlicher Landwirtschaft bis zur Transformation organisierter Industriegebiete.

Klimaanpassungsfähige Praktiken in der Landwirtschaft: Die Landwirtschaftsplattform Adana zielte 2023 mit der Pilotierung klimafreundlicher Praktiken auf 80 Farmen auf 40 % Wassereinsparung durch Tröpfchenbewässerung, 25 % Ertragssteigerung durch Kompostdünger und die Einrichtung einer lokalen Saatgutbank ab. Der Verband der Landwirtschaftskammern Adana veröffentlichte 2024 einen „Leitfaden zur Berechnung des landwirtschaftlichen CO2-Fußabdrucks“; zudem begannen Farmen, die in Karataş und Yumurtalık ökologische Zitrusfrüchte produzieren, die Anforderungen für die CO2-Zertifizierung im Export zu erfüllen.

Solarenergie und landwirtschaftliche Elektrifizierung: Das Ministerium für Land- und Forstwirtschaft gewährte mehr als 300 Bewässerungsgenossenschaften in Adana Zuschüsse für die Umstellung auf Photovoltaik; dadurch konnte der Bezirk İmamoğlu durch die Errichtung einer genossenschaftlichen 5-MW-Photovoltaikanlage mit Bewässerungsverbänden jährlich 7 Millionen TL Energiekosten einsparen. Das Projekt Sarıçam GES-Tal wird mit einer Gesamtkapazität von 200 MW die Region direkt mit Energie versorgen.

Städtische Infrastruktur und Transformation: Mit dem 2024 genehmigten Klimaaktionsplan Adana wird eine Reduzierung der verkehrsbedingten Emissionen in der Stadt um 30 % bis 2030, eine Erhöhung des Anteils an „Grünfläche pro Person“ in jedem Viertel auf 10 m² und mit der Anwendung „Null-Abfall Adana“ eine Trennung von 50 % des Hausmülls bis 2025 angestrebt.

Nachhaltiger Verkehr und Mobilität: Die Gemeinde Seyhan hat 2024 den Plan für ein 60 km langes Radwegenetz fertiggestellt und das intelligente Fahrradverleihsystem „SEYBİS“ verbreitet. Die Gemeinde Yüreğir erzielte durch elektrische Dienstfahrzeuge Einsparungen bei den Kraftstoffkosten.

Kommunalverwaltung und internationale Zusammenarbeit: Adana trat 2023 der „Allianz klimaanpassungsfähiger Städte“ (Climate Adapted Cities Alliance) bei; daher findet ein Wissensaustausch durch das EU-unterstützte Projekt „Klimaresiliente Städte“ statt, das gemeinsam mit der spanischen Gemeinde Murcia durchgeführt wird.

Zertifikat „Grüne OSB“: Das Hacı Sabancı Organisierte Industriegebiet (AOSB) in Adana hat durch die Erfüllung der Nachhaltigkeitskriterien das Zertifikat „Grüne OSB“ erhalten. Dieses Zertifikat wird als wichtiger Schritt in den Bereichen umweltfreundliche Produktion und Energieeffizienz bewertet.

Treffen „Grüner Gipfel-2“: Die Industriekammer Adana (ADASO) führte in Zusammenarbeit mit 30 Unternehmen Messungen des CO2-Fußabdrucks durch und erstellte grüne Roadmaps für die Firmen. Diese Arbeiten spielen eine wichtige Rolle beim Erreichen der Ziele für eine nachhaltige Industrie.

Herausforderungen und Chancen

Herausforderungen: Die Finanzierungs- und Transformationskapazität von KMU, der Mangel an Fachwissen in der Kommunalverwaltung und die Fortsetzung von Subventionen für fossile Brennstoffe erschweren den Prozess.

Neue Chancenfelder: Internationale Fonds (IPARD, Weltbank, EBRD) und Klimakredite werden als Chancenfelder gesehen, ebenso wie neue Beschäftigungsbereiche in der Energietechnik, im Umweltrecht, in der CO2-Bilanzierung, im nachhaltigen Tourismus und in der ländlichen Entwicklung.

Fazit: Eine Transformation, die die Zukunft gestaltet

Die grüne Wirtschaft ist für die Türkei längst keine rein ökologische Wahl mehr, sondern zu einer strategischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Notwendigkeit geworden. Diese Transformation wird sowohl durch nationale Politik gestaltet als auch durch Beispiele von lokaler Ebene gestärkt. An diesem Punkt stechen Bursa und Adana als zwei wichtige Städte hervor, die auf dem Weg der nachhaltigen Entwicklung eine Vorreiterrolle einnehmen.

Nachhaltige Entwicklung ist ein ganzheitliches Modell, das auf ökologischem Gleichgewicht, sozialer Gerechtigkeit und generationenübergreifender Verantwortung basiert. Wie ein Sprichwort der Kızıldere besagt: „Die Erde wurde uns nicht von unseren Vorfahren vererbt, wir haben sie von unseren Kindern geliehen.“ Dieser Ansatz erinnert eindringlich daran, wie unsere heutigen Entscheidungen das Morgen gestalten.

Die nachhaltige Entwicklung, die seit Ende des 20. Jahrhunderts zu einer globalen Priorität geworden ist, ist heute durch das Verständnis der grünen Wirtschaft, das von Prinzipien wie niedrigen CO2-Emissionen, Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft unterstützt wird, umsetzbar geworden. Entwicklung wird heute nicht mehr durch die Zerstörung der Natur definiert, sondern durch ein Leben im Einklang mit der Natur, um künftigen Generationen eine lebenswerte Welt zu hinterlassen.

Bursa zeichnet sich dadurch aus, dass es seine Industrie mit umweltfreundlicher Produktion verbindet, seinen CO2-Fußabdruck reduziert und durch Null-Abfall- sowie intelligente Stadtplanungspraktiken hervorsticht. Das unter der Führung der Industrie- und Handelskammer Bursa durchgeführte „Projekt Grünes Wachstum“ leistet einen wesentlichen Beitrag zur Reduzierung von CO2-Emissionen, zur Steigerung der Energieeffizienz und zur Minimierung von Umweltauswirkungen. Gleichzeitig versuchen einige Bezirksgemeinden, allen voran die Stadtverwaltung Bursa, die Ziele der nachhaltigen Entwicklung und der grünen Wirtschaft durch Null-Abfall-Anwendungen, intelligente Stadtlösungen und naturfreundliche städtische Projekte lokal aufzubauen.

Adana hingegen macht insbesondere durch die Transformation in seinen organisierten Industriegebieten auf sich aufmerksam. Der Erhalt des Zertifikats „Grüne OSB“ durch das Hacı Sabancı OSB und Messen mit Fokus auf Recycling machen die Stadt zu einem Zentrum für nachhaltige Industrie.

Diese beiden Städte zeigen, dass die grüne Wirtschaft ein Paradigma ist, das nicht nur die Umwelt, sondern auch die Produktion, die Beschäftigung und die Lebensqualität transformiert.

Wenn wir künftigen Generationen eine lebenswerte Welt hinterlassen wollen, ist es unsere gemeinsame Verantwortung, diese Transformation zu unterstützen und lokale Erfolgsgeschichten zu vervielfältigen.