Landwirtschaft bedeutet nicht nur, Samen in die Erde zu bringen; es bedeutet, Wurzeln in die Zukunft eines Landes zu schlagen. Als entscheidender Sektor für Bereiche wie den Zugang zu Lebensmitteln, die Beschäftigung im ländlichen Raum, die regionale Entwicklung und die wirtschaftliche Unabhängigkeit ist die Landwirtschaft das Fundament sowohl der sozialen Struktur als auch der strategischen Existenz der Türkei. Doch trotz dieser lebenswichtigen Bedeutung kämpft die türkische Landwirtschaft seit vielen Jahren mit ungelösten strukturellen Problemen und einem wachsenden Kostendruck in einer tiefen Krise. Die rasant steigenden Produktionskosten, die Abwanderung der jungen Bevölkerung aus dem Sektor, unzureichende Unterstützungsmechanismen und mangelnde Planung bedrohen nicht nur die Lebensgrundlagen auf dem Land, sondern direkt auch die Versorgung in den Städten.
In unserem heutigen Artikel werden wir die vielschichtige Krise, in der sich die türkische Landwirtschaft befindet, anhand konkreter Beispiele aus Regionen wie Çukurova und Bursa, in denen der Puls der Produktion schlägt, beleuchten. Zudem werden wir im Lichte internationaler Vergleiche diskutieren, in welchen Bereichen wir zurückgefallen sind und welche Strukturreformen zur Überwindung dieser Krise dringend erforderlich sind.
UNHALTBARE EINGABEKOSTEN UND DIE HILFLOSIGKEIT DER LANDWIRTE
Eines der größten Dilemmata der türkischen Landwirtschaft ist der scharfe und kontinuierliche Anstieg der Produktionskosten. Laut Daten des türkischen Statistikamtes (TÜİK) sind die Düngemittelpreise in den letzten 10 Jahren um 400 %, Diesel um 300 % und Pflanzenschutzmittel um 350 % gestiegen. Diese Anstiege haben insbesondere kleine Familienbetriebe an den Punkt gebracht, an dem sie die Produktion aufgeben müssen. Feldstudien im Bezirk Yüreğir in Adana haben ergeben, dass viele Erzeuger ihre Zitrusplantagen aufgrund der steigenden Kosten aufgegeben haben. Ähnlich geraten die Erzeuger in der Yenişehir-Ebene in Bursa unter den Druck von Bewässerungsstromkosten und den Preisen für Grundbetriebsmittel in eine Schuldenspirale.
Die Gesamtverschuldung der Landwirte bei den Banken hat die Marke von 1 Billion TL überschritten. Während die Schuldenlast der Erzeuger von Tag zu Tag schwerer wird, steigt auch der Anteil der dem Sektor gewährten Barkredite kontinuierlich an. Doch aufgrund des Anstiegs der Inputkosten und der Unfähigkeit, ihre Produkte zu einem angemessenen Preis zu verkaufen, können die Erzeuger diese Kredite nicht zurückzahlen. Während der Landwirt, dessen Einnahmen-Ausgaben-Gleichgewicht gestört ist, im Schuldensumpf zappelt, kehren viele Erzeuger dem Agrarsektor den Rücken; die Felder geraten in die Zwangsvollstreckung. Dieses Bild deutet nicht nur auf eine individuelle Existenzkrise hin, sondern auch auf eine gefährliche Schwächung der landwirtschaftlichen Produktionskraft der Türkei. Solange die Belastung durch Sonderverbrauchssteuer (ÖTV) und Mehrwertsteuer (KDV) auf den in der Landwirtschaft verwendeten Diesel und Dünger nicht aufgehoben wird, wird dieser Kostendruck die nachhaltige Produktion weiterhin bedrohen.
UNZUREICHENDE AUSBILDUNG FÜR LANDWIRTE
Produktivität in der landwirtschaftlichen Produktion beschränkt sich nicht nur auf Mechanisierung oder Boden; Wissen, Planung und bewusste Anwendung sind mindestens genauso wichtig wie die physische Infrastruktur. In der Türkei arbeitet die große Mehrheit der Landwirte immer noch mit traditionellen Produktionsmethoden, während der Zugang zu modernen landwirtschaftlichen Techniken sehr begrenzt bleibt. Die technischen Beratungsdienste innerhalb der Landwirtschaftsdirektionen der Provinzen werden sowohl mit unzureichendem Personal als auch mit begrenzten Budgets durchgeführt. Besonders in der Türkei, wo der Anteil junger Landwirte unter 10 % liegt, ist die Ausbildung und Unterstützung der neuen Generation von entscheidender Bedeutung. Einer Studie in Bursa zufolge ist das Interesse an landwirtschaftlichen Berufsschulen in den letzten 5 Jahren um 40 % zurückgegangen. In der Region Çukurova ziehen es die meisten jungen Menschen vor, statt in der Landwirtschaft für den Mindestlohn in den Stadtzentren zu arbeiten. Dies bedroht sowohl die Kontinuität der Produktion als auch den Wissenstransfer auf dem Land. Es muss eine flächendeckende Ausbildungsoffensive für Landwirte in Bereichen wie Digitalisierung in der Landwirtschaft, klimafreundliche Praktiken und Bewässerungseffizienz gestartet werden.
DIE ZERSPLITTERTE UND ZERSTREUTE STRUKTUR DER AGRARFLÄCHEN
Eines der Hauptprobleme der Produktivität in der türkischen Landwirtschaft ist die zersplitterte und zerstreute Struktur der Flächen. Die durchschnittliche Größe landwirtschaftlicher Flächen liegt unter 6 Hektar; dieser Wert liegt weit unter dem EU-Durchschnitt (zum Beispiel 55 Hektar in Frankreich). Aufgrund der Teilung durch Erbschaft und ungeplanter Eigentumsübertragung sind etwa 60 % der landwirtschaftlichen Flächen in drei oder mehr Parzellen unterteilt.
In den Bezirken Karacabey und Mustafakemalpaşa in Bursa produzieren Erzeuger auf mehr als 10 verschiedenen Parzellen innerhalb derselben Dorfgrenzen. Dies führt zu erheblichen Verlusten sowohl in Bezug auf Zeit als auch auf Kosten und mindert die Motivation der Erzeuger. In Çukurova schrumpfen produktive Flächen aufgrund von Grenzstraßen, Kanälen und Mauern. Diese Struktur erschwert Mechanisierung, moderne Bewässerungssysteme und effiziente Produktion erheblich.
Flurbereinigungsmaßnahmen erfüllen die Erwartungen nicht. Nach Angaben des Ministeriums für Land- und Forstwirtschaft liegt der Anteil der abgeschlossenen Flurbereinigungsflächen immer noch bei 20 %. Bürokratisches Chaos, Eigentumsstreitigkeiten und Mängel in der technischen Infrastruktur tragen zur langsamen Entwicklung des Prozesses bei.
LASSEN SIE UNS DEN WETTRENNEN GEGEN DIE DÜRRE NICHT VERLIEREN: OHNE ERNEUERUNG DER BEWÄSSERUNGSINFRASTRUKTUR KANN DIE LANDWIRTSCHAFT NICHT GESTÄRKT WERDEN
Nach Angaben des Ministeriums für Land- und Forstwirtschaft beträgt der Anteil der bewässerbaren landwirtschaftlichen Flächen an der gesamten Ackerfläche in der Türkei nur 27 %. Selbst in hochproduktiven Ebenen wie Çukurova und Harran ist die Produktion weitgehend vom Niederschlag abhängig, was die Landwirtschaft anfällig für Klimarisiken macht.
Analysen in Seyhan, Adana, zeigen, dass Produktverluste aufgrund mangelnder Wartung der Bewässerungskanäle und unkontrollierter Wassernutzung 15 % erreichen. Laut der staatlichen Wasserbehörde (DSİ) liegt die Nutzung moderner Bewässerungsmethoden nur bei 18 %. Dieser Wert ist sowohl in Bezug auf den Ertrag als auch auf die Wassereinsparung ein erheblicher Mangel. Besonders in einer Zeit zunehmender Dürre wird diese Lücke noch lebenswichtiger.
Die jährlich nutzbare Wassermenge in der Türkei beträgt etwa 112 Milliarden m³, wovon 74 % in der Landwirtschaft verwendet werden; jedoch geht ein Großteil davon in offenen Kanalsystemen durch Verdunstung und Versickerung verloren. Lösungen wie das von der Adana Güç Birliği Vakfı vorgeschlagene geschlossene Druckbewässerungssystem sind von strategischer Bedeutung, um diese Verluste zu reduzieren.
Für eine nachhaltige Landwirtschaft ist der Schutz des Grundwassers, die Verbreitung moderner Bewässerungstechnologien und die Umsetzung regionaler Wasserbewirtschaftungspläne unerlässlich. Andernfalls wird es sowohl in Bezug auf die Produktivität als auch auf die Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln zu Verlusten kommen, die nur schwer rückgängig zu machen sind.
AUF SCHULDENBELEGTEM BODEN KEIMT KEINE ZUKUNFT
Eines der größten Hindernisse für die landwirtschaftliche Produktion in der Türkei ist der schwierige Zugang zu Finanzmitteln. Kleine und mittlere Landwirte sind gezwungen, sich vor der Saison für grundlegende Betriebsmittel wie Saatgut, Dünger und Diesel an hochverzinsliche Kredite zu wenden. Da die Zinssätze oft über 30 % liegen, führt dies dazu, dass der Erzeuger den Großteil seines Gewinns für die Schuldentilgung aufwenden muss.
Subventionierte Kredite der öffentlichen Banken erreichen nur eine begrenzte Anzahl von Erzeugern, während die verbleibende Mehrheit den hohen Zinssätzen der Privatbanken ausgeliefert ist. Eine Feldstudie in Bursa ergab, dass 65 % der Landwirte Kredite bei Privatbanken nutzen; in Adana wurde festgestellt, dass einige Baumwollproduzenten aufgrund von Stromkosten und Schulden das Feld verließen, ohne zu ernten.
Eine beschädigte Kreditwürdigkeit gefährdet nicht nur die Produktion des jeweiligen Jahres, sondern langfristig auch die Nachhaltigkeit des Sektors. Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, müssen Maßnahmen wie die Senkung der Kreditzinsen, die Umschuldung und eine Kreditamnestie oberste Priorität haben. Zudem sollten Erzeugerunterstützungen direkt mit der Produktion verknüpft werden; über Genossenschaften sollten den Landwirten zinsgünstige, langfristige Finanzierungsquellen bereitgestellt werden. Andernfalls könnte die Produktionsstruktur auf dem Land aufgrund finanzieller Anfälligkeit vor einem unumkehrbaren Zusammenbruch stehen.
UNGEPLANTE PRODUKTION, TEURE TISCHE: MANGEL AN STRATEGIE IN DER LANDWIRTSCHAFT BEDROHT DIE LEBENSMITTELSICHERHEIT
Eines der grundlegendsten Probleme in der türkischen Landwirtschaft ist das Fehlen einer zentralen Produktionsplanung. Da es keine steuernde Strategie gibt, welches Produkt wo und in welcher Menge angebaut werden soll, kommt es häufig zu Ungleichgewichten zwischen Angebot und Nachfrage; während bei einigen Produkten die Preise fallen, sind bei anderen hohe Preisanstiege zu verzeichnen.
Im Jahr 2022 stieg die Wassermelonenproduktion um 38 %, die Preise fielen um 50 %. Der Produktionsrückgang bei Speisezwiebeln im selben Jahr schlug sich als Preiserhöhung für den Verbraucher nieder. Beobachtungen in Adana und Bursa zeigen, dass Landwirte ihre Produktionsentscheidungen meist auf Gerüchten und den Preisen des Vorjahres basieren, was ungeplante Umstellungen das wirtschaftliche Risiko erhöht.
Die Lösung dieses Problems ist der Aufbau eines Modells, das auf produktbezogenen, regionalen und jährlichen Planungen basiert. Bei Produkten mit Angebotsüberschuss sollten die Unterstützungen reduziert, strategische Produkte hingegen gefördert werden. An dieser Stelle rückt das Modell der Vertragsproduktion in den Vordergrund. Dieses System, das im Voraus festlegt, was, wo und in welcher Menge produziert wird, bietet dem Erzeuger eine Verkaufsgarantie, dem Markt Preisstabilität und dem Agrarsektor eine effiziente Ressourcennutzung. Gleichzeitig unterstützt es die regionale Planung und stärkt die Nachhaltigkeit bei strategischen Produkten.
RICHTUNGSWECHSEL IN DER LANDWIRTSCHAFT NACH 1980 UND ZUNEHMENDE AUSLÄNDISCHE ABHÄNGIGKEIT
Der kritische Wendepunkt, an dem sich die Agrarpolitik in der Türkei änderte, waren die nach 1980 eingeführten strukturellen Anpassungsprogramme. In diesem Prozess wurden im Einklang mit den von der Weltbank und dem IWF gesteuerten Reformen die landwirtschaftlichen Stützungskäufe reduziert, Preisstabilitätsmechanismen abgeschafft und von den Landwirten erwartet, dass sie unter freien Marktbedingungen bestehen.
In dieser Zeit beeinflussten zwei wichtige, von der Weltbank finanzierte Projekte den Verlauf der türkischen Landwirtschaft tiefgreifend. Das erste, das System der Direktzahlungen (DGD), sah Zahlungen an Landbesitzer unabhängig von der Produktion vor; diese Praxis beschleunigte jedoch den Ausstieg aus der Landwirtschaft, anstatt die Produktion zu fördern. Einer Feldanalyse in der Region Çukurova zufolge ließen 35 % der Erzeuger, die DGD erhielten, ihr Feld brach und begnügten sich nur mit der Einkommensunterstützung.
Im Rahmen des zweiten Projekts zur Kultivierung alternativer Produkte wurde der Verzicht auf traditionelle und strategische Produkte wie Baumwolle und Tabak gefördert. Obwohl dieser Ansatz kurzfristig in einigen Regionen das Produktionsmuster diversifizierte, führte er langfristig zu einer Angebotslücke auf dem Binnenmarkt und einer zunehmenden Abhängigkeit vom Ausland. Insbesondere mit dem Rückgang der Baumwollproduktion wurde die Türkei zu einem Land, das 52 % der für die Textilindustrie benötigten Baumwolle importiert.
Die deutlichste und dauerhafteste Auswirkung all dieser Politiken ist die Abkehr des Landwirts von der Produktion und die zunehmende Abhängigkeit der Landwirtschaft des Landes von externen Quellen. Daher ist der Übergang zu einem produktionsorientierten, geplanten und nachhaltigen Agrarmodell zu einer unaufschiebbaren Notwendigkeit geworden. Andernfalls wird die landwirtschaftliche Souveränität und Ernährungssicherheit der Türkei weiterhin der Gnade externer Dynamiken ausgeliefert bleiben.
12. ENTWICKLUNGSPLAN: STRATEGISCHE ZIELE IN DER LANDWIRTSCHAFT
Der 12. Entwicklungsplan, der den Zeitraum 2024–2028 abdeckt, zielt auf ein jährliches Wachstum von 3,1 % im Agrarsektor und eine Erhöhung des Anteils am BIP auf 6,2 % ab. Ernährungssicherheit, Produktivitätssteigerung und Produktion mit hoher Wertschöpfung gehören zu den Hauptprioritäten dieses Plans.
Die Verbreitung digitaler und intelligenter landwirtschaftlicher Anwendungen, nachhaltige Produktionsmodelle und effektive Unterstützungssysteme sind die hervorstechenden Themen. Zudem stehen die Stärkung kleiner Familienbetriebe, die Förderung des Genossenschaftswesens und die Gewinnung der jungen Bevölkerung für den Sektor im Mittelpunkt des Plans.
Der Strategische Plan 2024–2028 des Ministeriums für Land- und Forstwirtschaft detailliert diese Ziele mit 7 strategischen Zielen, 32 Zielsetzungen und 153 Leistungsindikatoren; er zielt auf konkrete Fortschritte bei der Versorgungssicherheit, Qualität, ländlichen Entwicklung und Aquakulturproduktion ab.
NEUE ÄRA IN DER LANDWIRTSCHAFT: NICHT BEBAUTE FLÄCHEN WERDEN FÜR DIE PRODUKTION GEÖFFNET
Um die Produktivität in der Landwirtschaft zu steigern, werden landwirtschaftliche Flächen in Privatbesitz, die zwei Jahre hintereinander nicht bebaut wurden, vom Ministerium für Land- und Forstwirtschaft saisonal verpachtet. Mit der am 22. August 2024 in Kraft getretenen Verordnung werden die Provinz- und Bezirksdirektionen brachliegende Parzellen identifizieren. Wenn diese Flächen bis Ende September nicht bebaut werden, wird der Pachtprozess eingeleitet.
Die neue Praxis wird jedes Jahr aktualisiert und fortgesetzt; so werden brachliegende landwirtschaftliche Flächen der Wirtschaft zugeführt und die Kontinuität der Produktion sichergestellt.
LANDWIRTSCHAFTLICHE UNTERSTÜTZUNGEN: ZIEL VORHANDEN, KEINE UMSETZUNG
Gemäß dem Landwirtschaftsgesetz von 2006 müssen die landwirtschaftlichen Unterstützungen mindestens 1 % des Bruttoinlandsprodukts betragen. Dieser Anteil blieb jedoch 2022 bei 0,38 % und 2023 bei nur 0,41 %. Diese Unzulänglichkeit führt dazu, dass Landwirte jedes Jahr Milliarden von Lira verlieren und sich von der Produktion abwenden. Dies deutet darauf hin, dass der Landwirt mehr als die Hälfte seines gesetzlichen Anspruchs nicht erhält. Expertenbewertungen zufolge beläuft sich der Verlust der Landwirte allein für das Jahr 2023 auf über 80 Milliarden TL.
Während der OECD-Durchschnitt bei 1,2 % liegt, bleibt die Türkei weit unter diesem Niveau. Während in der EU und den USA 30–40 % der Einkommen der Landwirte direkt durch öffentliche Unterstützung gedeckt werden, ist dieser Anteil in der Türkei viel niedriger. Zudem werden die Unterstützungen meist über individuelle Anträge abgewickelt, was sowohl die bürokratische Last erhöht als auch eine faire Verteilung erschwert. In einer Umfrage in Adana gaben 78 % der Erzeuger an, dass sie die bestehenden Unterstützungen für unzureichend halten.
Dabei sind in Beispielen wie den Niederlanden 70 % der Erzeuger Genossenschaftsmitglieder und können geplant von staatlichen Unterstützungen profitieren. Damit die Türkei diesen strukturellen Unterschied ausgleichen kann, muss sie die Steuerlast auf grundlegende Betriebsmittel, insbesondere Diesel, Dünger und Strom, senken und Mechanismen zur direkten Unterstützung der Erzeuger entwickeln. Andernfalls wird die landwirtschaftliche Produktion sowohl auf dem Binnenmarkt als auch im globalen Wettbewerb weiter schwächeln.
KLIMAKRISE UND ANFÄLLIGKEIT BEI DER VERSICHERUNG
Der Agrarsektor ist einer der Bereiche, die am stärksten den Auswirkungen des Klimawandels ausgesetzt sind. Der Rückgang der Niederschlagsmenge um 12 % in den letzten 10 Jahren und der Anstieg der Dürrehäufigkeit um 27 % bedrohen die landwirtschaftliche Produktion direkt. Zum Beispiel senkte der Frost in Bursa im Jahr 2025 den Fruchtertrag um bis zu 35 %; jedoch blieben die meisten Schäden außerhalb des Versicherungsschutzes. Ein ähnliches Bild zeigte sich in den Bezirken Kozan und Karataş in Adana; Zitrusproduzenten meldeten aufgrund der aufeinanderfolgenden Fröste in den letzten drei Jahren einen durchschnittlichen Produktverlust von 30 %.
In der gesamten Türkei sind nur 28 % der Erzeuger in das TARSİM-System (Landwirtschaftliche Versicherungsgesellschaft) eingebunden. Hohe Prämien, unsichere Schadensfeststellungsprozesse und Zahlungsverzögerungen halten den Landwirt aus dem System fern. Eine Studie in Bursa ergab, dass 62 % der Erzeuger angaben, TARSİM nicht zu vertrauen. Ähnlich erlebten Landwirte in Adana bei den aufeinanderfolgenden Frostereignissen große Verluste und erhielten keine Entschädigung.
Diese anfällige Struktur verdeutlicht die Bedeutung eines klimaresistenten Versicherungssystems in der Landwirtschaft. Die Inklusivität von TARSİM muss erhöht, die Prämiensätze gesenkt, die Schadensprozesse transparent gestaltet und eine Struktur geschaffen werden, die dem Erzeuger Vertrauen gibt. Insbesondere Mikroversicherungsmodelle für kleine Erzeuger sollten mit Unterstützung der lokalen Verwaltung verbreitet werden. Andernfalls wird die Produktionsstruktur, die gegenüber der Klimakrise schutzlos bleibt, die landwirtschaftliche Nachhaltigkeit weiterhin tiefgreifend schädigen.
DIE VERLORENEN ZWISCHEN DEN FRONTEN: WEDER DER ERZEUGER NOCH DER VERBRAUCHER GEWINNT
In der türkischen Agrarkette verlieren beide Enden: Während der Erzeuger nicht den Gegenwert seiner Arbeit erhält, erreichen Lebensmittel den Verbraucher zu Wucherpreisen. Zum Beispiel wird eine Tomate, die den Erzeuger für 3 TL verlässt, in Großstädten für 21 TL verkauft. Dieser Abgrund basiert auf Zwischenhändlern, hohen Logistikkosten und einer zersplitterten Vermarktungsstruktur.
Erzeuger verfügen aufgrund mangelnder Organisation über keine Verhandlungsmacht. Daten aus Adana zufolge liegt der Marktzugang von Erzeugerverbänden nur bei 18 %. Dies macht den Landwirt vom Händler abhängig und senkt den Gewinn.
Auf der Verbraucherseite steigen die Preise, je länger die Kette wird, und insbesondere für einkommensschwache Schichten wird eine gesunde Ernährung unerschwinglich. Dies stellt nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine ernsthafte Bedrohung für soziale Gerechtigkeit und öffentliche Gesundheit dar.
Die Lösung liegt darin, die Distanz zwischen Erzeuger und Verbraucher zu verkürzen, Direktverkaufsmodelle zu verbreiten und Genossenschaften zu stärken. So kann der Landwirt den Gegenwert seiner Arbeit erhalten, während der Verbraucher Lebensmittel zu fairen Preisen beziehen kann.
RÜCKSTÄNDIGKEIT IM GENOSSENSCHAFTSWESEN: WARUM IST DAS NIEDERLÄNDISCHE MODELL WICHTIG?
Der Schlüssel zur Transformation in der Landwirtschaft ist die Genossenschaftsbildung. In der Türkei sind jedoch nur 14 % der Erzeuger aktive Genossenschaftsmitglieder. Dieser niedrige Anteil schränkt die Vermarktungsmacht und die organisierte Handlungsfähigkeit des Erzeugers erheblich ein.
Dabei gewinnen Genossenschaften nicht nur die Inputkosten; sie verschaffen dem Erzeuger in vielen Bereichen wie Lagerung, Vermarktung und Export Stärke. Wie im Beispiel der Gemüseerzeugergenossenschaft in Nilüfer, Bursa, konnte durch das gemeinsame Kauf-Verkaufsmodell eine Steigerung der Einkommen der Landwirte um bis zu 23 % erzielt werden.
Auf internationaler Ebene sind die Niederlande das erfolgreichste Beispiel in diesem Bereich. 70 % der landwirtschaftlichen Produktion im Land werden über Genossenschaften abgewickelt; dies sorgt sowohl auf dem Binnenmarkt als auch im Export für hohe Produktivität. Obwohl die Fläche klein ist, sind die Niederlande weltweit die Nummer zwei im Agrarexport.
Es ist unvermeidlich, dass die Türkei dieses Modell als Vorbild nimmt und eine integrierte Genossenschaftsstruktur verbreitet, die den gesamten Prozess von der Produktion über die Verpackung und Markenbildung bis hin zum Verkauf abdeckt. Diese Struktur, die mit Unterstützung der lokalen Verwaltung und Entwicklungsagenturen entwickelt wird, kann den Landwirt aus der Isolation befreien und ihn zu einem starken Akteur auf dem Markt machen.
FAZIT: DER WEG AUS DER KRISE IST DIE STRUKTURELLE AGRARREFORM
Landwirtschaft ist nicht nur ein Zeichen der Produktion; sie ist ein Zeichen für den Willen einer Nation, an der Zukunft festzuhalten. Die türkische Landwirtschaft kämpft heute mit steigenden Kosten, zersplitterten Flächen, unzureichender Planung und Unterstützungsmechanismen geradezu um ihr Überleben. Doch mit einem durch richtige Politiken gesteuerten Produktionsmodell, starken Genossenschaftsstrukturen, nachhaltiger Ressourcennutzung und einem Ansatz, der den Landwirt in den Mittelpunkt stellt, kann diese Krise überwunden werden. Die heute zu treffenden strukturellen Schritte werden nicht nur das Land, sondern auch die wirtschaftliche Unabhängigkeit und den sozialen Frieden des Landes sichern. Man darf nicht vergessen, dass ein Land mit einer starken Landwirtschaft auch ein starkes Morgen hat.
Die für diese Transformation notwendigen Schritte sind klar: Die Senkung der Inputkosten, Ausbildungsoffensiven, die junge Menschen für den Sektor gewinnen, Flurbereinigung und Stärkung der Bewässerungsinfrastruktur, die wissenschaftliche Fundierung der Produktionsplanung und die Erleichterung des Zugangs zu Finanzmitteln müssen Priorität haben. Das Genossenschaftswesen muss wiederbelebt, klimaresistente Produktion gefördert; Versicherungssysteme vereinfacht und so umstrukturiert werden, dass sie den Kleinbauern einbeziehen.
Zusammenfassend ist die Landwirtschaft nicht nur eine ländliche Tätigkeit; sie ist die Grundlage für nationale Sicherheit, wirtschaftliche Unabhängigkeit und sozialen Wohlstand. Die Türkei kann sowohl ihre Erzeuger als auch ihre Verbraucher schützen, indem sie langfristige und entschlossene Investitionen in diesen Bereich tätigt. Jeder strategische Schritt, der heute unternommen wird, wird eine Kette der Besserung auslösen, die nicht nur das Land, sondern das gesamte Land umfasst. Er wird die Türkei auf eine Entwicklungsbasis heben, die sie nicht nur vor Lebensmittelkrisen, sondern auch vor wirtschaftlichen Schwankungen schützt. Eine starke Landwirtschaft bedeutet eine starke Zukunft.
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