Jahrelang bin ich zwischen Eskişehir und Istanbul gependelt.
Und das tue ich immer noch.
Die Reisen, die 1998 mit dem Fatih- und dem Cumhuriyet-Express begannen, setzen sich heute mit dem Hochgeschwindigkeitszug fort.
Manchmal fahre ich auch mit dem Auto.
Jedes Mal, wenn ich durch Gebze-Dilovası fahre, täuscht mich mein Gefühl nicht, dass hier ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen wird.
Nachdem man das wunderschöne Pamukova hinter sich gelassen hat und den Punkt erreicht, an dem das Sakarya-Tal das Schwarze Meer trifft, spürt man sofort die Schwere von Quecksilber in der Luft.
Der strahlend blaue Himmel scheint plötzlich die Stirn zu runzeln, als wolle er einem sein Leid klagen.
Wenn man es denn versteht.
Da ich schon vor all den Jahren begriff, dass die armen Menschen in der Region leiden, habe ich Projekte zur Arbeitssicherheit für EU-Fonds ausgearbeitet.
Für meine genehmigten Projekte habe ich Millionen Euro an Mitteln eingesetzt.
Doch wir konnten diese Arbeiten dem Arbeitsministerium einfach nicht präsentieren.
Wir haben uns den Mund fusselig geredet, damit das Ministerium unsere jahrelang erarbeiteten Projekte kostenlos nutzen kann.
Es hat nicht geklappt.
Hätten diese Unfälle nicht stattgefunden, wenn wir sie präsentiert hätten?
Ganz sicher nicht.
Weder wären 300 Menschen in einer Mine gestorben, noch 30 Menschen mitten in Beşiktaş.
Und auch diese kleinen Mädchen wären nicht in der Hölle einer illegalen Parfümfabrik in Dilovası, direkt neben dem İşkur-Gebäude im Zentrum der Türkei, in Stücke gerissen worden.
Was war die Sünde dieser kleinen Mädchen, dass sie in den Himmel gehen mussten, bevor sie sich an dieser Welt sattsehen konnten?
Natürlich, dass sie niemanden hatten, der sich um sie kümmerte.
Unser Ministerium, das seine schützende Hand über arme Familien hätte halten müssen, hat wieder einmal geschlafen.
Es hat seine Pflichten vernachlässigt.
Es hat uns keinen Raum gegeben und nicht einmal einen Blick auf unsere Arbeiten zur Arbeitssicherheit geworfen.
Da das Ministerium politische Ansichten priorisierte, hat es uns die Tür fest verschlossen.
Es hat Inspektionen und Schulungen nur pro forma durchgeführt, nicht in der Sache.
Es hat weggeschaut.
Das Ergebnis: Unsere engelhaften, kostbaren jungen Kinder sind in 1000 Grad heißem Ammoniumdampf buchstäblich zerflossen.
Selbst im Film „Blood Diamond“ gibt es nicht so viel Grausamkeit.
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