Östliche Gesellschaften neigen seit jeher zu Verschwörungstheorien.
Sie lieben es, Geschichten zu hören.
Vernünftige Intellektuelle hingegen lassen sich auf dieses Spiel gar nicht erst ein; sie halten sich für analytische Denker und stempeln Verschwörungstheoretiker als intellektuell minderbemittelt ab.
Aus diesem Grund halten türkische Intellektuelle lieber den Mund, aus Angst, einen Skandal zu verursachen oder sich lächerlich zu machen.
Natürlich gibt es auch solche, die sich nicht zurückhalten können.
Ich bin mit ähnlichen Reflexen aufgewachsen.
Ich habe mich zu Themen, deren Antwort ich nicht kannte, nicht geäußert.
Bis ich das Buch „Meraklısı için Casuslar“ (Spione für Neugierige) von Murat Yetkin gelesen habe.
Nachdem ich dieses Buch gelesen hatte, fehlte es mir nicht mehr an Mut.
Ich habe Spionage- und Gegenaufklärungsoperationen detaillierter untersucht.
Auch wenn ich es meinen Freunden nicht erklären konnte, habe ich nicht aufgehört, mir Gedanken zu machen.
Wenn ich über Verschwörungen sprach, deren Antwort ich nicht kannte, habe ich mich dumm gestellt.
Zum Beispiel sagten wir, dass der „Fetullahçı-Putschversuch vom 15. Juli“ von der Sekte durchgeführt wurde.
Wir sahen uns mit allerlei Fragen konfrontiert.
Wir sagten, die Selbstmorde junger Ingenieure bei Aselsan seien nicht normal.
Wir wurden mit Ausreden wie „das war dies, das war das“ abgespeist.
Wir sagten, dass es auf derselben Verwerfungslinie keine zwei Hauptbeben geben könne.
Wir wurden gefragt: „Was verstehst du schon davon?“
Wir sagten, dass die Regenwolken, die seit einem Monat in unserem Land niedergehen und die Staudämme bis zum Rand füllen, eingefroren, in andere Regionen transportiert und dort abgeregnet wurden.
Wir wurden mit „Red keinen Unsinn“-Reaktionen konfrontiert.
Wir sagten, dass es weltweit noch nie Massenschulmassaker in so kurzem Abstand, also innerhalb von 24 Stunden, gegeben habe und dass es bei uns erst recht nicht passieren dürfe.
Wir wurden mit „Du hast zu viele kurze Videos geschaut“-Kommentaren bedacht.
Heute, am Morgen des 4. Mai, sind wir damit aufgewacht, dass Planierraupen in den Höhenlagen von Eskişehir die verschneiten Straßen räumten.
Kurz gesagt: Wir konnten unser Volk, das daran glaubt, dass der Kessel ein Junges geboren hat, nicht davon überzeugen, dass der Kessel gestorben ist.
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