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Es ist Eigentum des Volkes

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Die Strecke Inebolu-Kastamonu-Ilgaz-Çankırı, ist die Lebensader des nationalen Befreiungskampfes. Die von Ankara benötigten personellen Ressourcen sowie die an der Front benötigten Waffen, Munition und jegliches logistische Material wurden über diese schwierige, aber sichere Route transportiert. Aus diesem Grund wird dieser Weg, der die Spuren der Schritte von Frauen wie Şerife Gelin, Fatma Ana und Hatice Nine sowie die Reifenspuren ihrer Ochsenkarren trägt, in die Geschichte eingehen als: Weg der Unabhängigkeit (İstiklal Yolu)! 

Viele einheimische und ausländische Schriftsteller, Politiker und Diplomaten, die auf ihrem Weg nach Ankara diese Strecke nutzten, waren tief beeindruckt von den wie Ameisenstraßen langgezogenen Ochsenkarren-Kolonnen und der stillen Würde der türkischen Frauen, die vor ihren Ochsen hergingen. Wenn man die Erinnerungen der Zeitzeugen an diese Karrenkolonnen, die Rastplätze, die lokale Bevölkerung und das Hinterland der Front liest, fühlt man sich, als hätte man die Sanduhr um 100 Jahre zurückgedreht! 

An dieser Stelle ist es an der Zeit, aus den Erinnerungen an den Unabhängigkeitsweg von Mustafa Necati Bey zu zitieren, einem Abgeordneten des Gazi-Parlaments (TBMM), Träger der Unabhängigkeitsmedaille, Vorsitzender des Unabhängigkeitsgerichts von Kastamonu und Bildungsminister unter Atatürk.Diese Erinnerung war einst in Grundschulbüchern unter der Überschrift „Es ist Eigentum des Volkes“zu finden:

„Auf dem Weg nach Kastamonu wurde ich Zeuge der Opferbereitschaft und der heldenhaften Szenen der anatolischen Frauen, die mit ihren Ochsenkarren Kriegsmaterial an die Front transportierten. Die Männer waren an die Front gezogen, in den Dörfern waren außer Greisen, Kindern und Frauen niemand mehr zurückgeblieben. Sie machten sich mit den Materialien, die sie in Inebolu auf ihre Karren geladen hatten, auf eine lange und beschwerliche Reise über die Route Küre, Seydiler, Kastamonu und Ilgaz. Jedes Mal, wenn ich auf diese gesegneten Konvois stieß, die in einem ununterbrochenen Strom weiterzogen, betrachtete ich voller Bewunderung die mit Munition beladenen Wagen, die von schwachen Ochsen gezogen wurden, und die sonnenverbrannten, barfüßigen Frauen, Greise und Kinder an ihrer Spitze, als würde ich einer göttlichen Musik lauschen, die durch das Quietschen der Karren erzeugt wurde.“

Je näher wir dem Konvoi kamen, desto öfter durchbrach eine Frauenstimme oder der Schrei eines Kindes diese lange Stille. Wir näherten uns dem Konvoi und grüßten einander. Während wir selbst unter unseren Umhängen vor Kälte zitterten, empfand ich ein Gefühl von Mitleid, vermischt mit Bewunderung, als ich eine Großmutter sah, die barfuß durch den Schnee stapfte, nachdem sie ihre einzige Decke über den Wagen gelegt hatte. Ich wollte sie fragen, warum sie ihre Decke über den Wagen legte, ohne sie einmal über das Kind zu decken, das ab und zu unter dem Tuch auf ihrem Rücken schluchzte:

„Schau, das Kind wird erfrieren, deck es doch mit der Decke zu.“ sagte ich und deutete auf das Dach des Wagens. Er reagierte auf diese Worte auf eine seltsame Weise. Er hielt es wohl nicht für der Rede wert. Als er merkte, dass ich eine Antwort erwartete, eilte er auf den Ochsenkarren zu, als würde er sich etwas Heiligem zuwenden: „Es schneit leicht, es ist Eigentum des Volkes, es darf nicht feucht werden, mein Kind“ sagte er und breitete die Enden der Decke sorgfältig aus. Es hatte angefangen zu schneien. Da begriff ich, dass er dieses Opfer brachte, um die Munition vor der Nässe zu schützen. In diesem Moment schämte ich mich sogar für mein Mitleid von vorhin. Mein Gott. Er wollte nicht einmal, dass sein Opfer bemerkt wird. Kann es eine Seele und eine Liebe geben, die sich vor dieser Großherzigkeit nicht verneigt?“

Welch eine Seelengröße ist es, das Eigentum des Volkes/der Öffentlichkeit höher zu bewerten als das Leben des eigenen Enkels? Welch ein Adel ist es, sich im tiefsten Winter barfuß auf den Weg zu machen, um das Eigentum des Volkes zu den Mehmets an der Front zu bringen? Welch eine Weisheit ist es, die nationale Identität und das kollektive Gedächtnis, das im tiefen Unterbewusstsein bewahrt wird, auf den Gipfeln des Ilgaz-Gebirges mit einem einzigen Satz auszudrücken?

Wenn wir nun zu dem Punkt kommen, an dem das Erbe derer, die an der Front kämpften, der Großmütter, die im tiefsten Winter mit ihren Ochsenkarren Munition transportierten, und der Şerife Gelin, die auf dem Weg der Unabhängigkeit erfroren ist, rücksichtslos geplündert und als Beute untereinander aufgeteilt wird – welch ein geistiger Verfall ist das!