„Dieses Fahrzeug fährt 500 Kilometer“ – dieser Satz hat sich zu einem der häufigsten, aber auch irreführendsten Versprechen des Elektroauto-Zeitalters entwickelt. Denn bei Elektrofahrzeugen ist die Diskrepanz zwischen der im Katalog angegebenen Reichweite und der im Alltag tatsächlich erzielbaren Reichweite für Nutzer deutlich sichtbarer als bei Verbrennungsmotoren. Dasselbe Fahrzeug kann an einem Tag 520 Kilometer anzeigen und am nächsten Tag bereits bei 380 Kilometern nach einer Ladung verlangen. Dieses Bild wirft bei den meisten Nutzern sofort die Frage auf: „Ist die Batterie kaputt?“ Dabei liegt das Problem meist nicht an der Batterie selbst; viele Variablen – von der Lufttemperatur über die Beschaffenheit des Asphalts bis hin zu Geschwindigkeit und Reifendruck – schreiben die Reichweite ständig neu.
Tatsächlich entsprach der Verbrauch auch bei Verbrennern nie eins zu eins den Katalogdaten. Da der Energieverbrauch bei Elektrofahrzeugen jedoch viel direkter sichtbar ist, wird der Unterschied auch drastischer wahrgenommen. Bei einem Benziner bemerkt der Fahrer einen leicht erhöhten Verbrauch oft nicht unmittelbar. In einem Elektrofahrzeug hingegen kann schon eine wenige Minuten dauernde Fahrt mit hoher Geschwindigkeit die geschätzte Reichweite auf dem Display spürbar nach unten korrigieren.
Kaltes Wetter beeinflusst mehr als nur die Batterie
Die Lufttemperatur gehört zu den Faktoren, die die Reichweite von Elektrofahrzeugen am stärksten beeinflussen. Der Reichweitenverlust, der besonders in den Wintermonaten auftritt, ist keine bloße psychologische Wahrnehmung, sondern eine direkte physikalische Tatsache. Der erste Grund ist die Batteriechemie. Lithium-Ionen-Batterien arbeiten bei niedrigen Temperaturen langsamer, und die Effizienz der Energieübertragung sinkt. Doch der eigentliche Schlag kommt meist nicht von der Batterie selbst, sondern von der Innenraumheizung.
Bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor wird die Abwärme des laufenden Motors fast kostenlos genutzt, um den Innenraum zu heizen. Bei einem Elektrofahrzeug gibt es diesen Luxus nicht. Die für die Heizung des Innenraums benötigte Energie wird direkt aus der Batterie gezogen. Besonders bei Modellen ohne Wärmepumpe ist dieser Effekt auf die Reichweite deutlich stärker spürbar. Zudem steigt bei kalter Luft die Luftdichte, was den aerodynamischen Widerstand erhöht. Das bedeutet, das Fahrzeug verbraucht nicht nur mehr Energie, um den Innenraum zu heizen, sondern auch, um sich auf der Straße fortzubewegen.
Ein Fahrzeug mit einer WLTP-Reichweite von 500 Kilometern kann beispielsweise im Winter bei Autobahnfahrten mit hoher Geschwindigkeit in der Realität auf einen Bereich von 300 bis 350 Kilometern sinken. Und meistens ist der Grund dafür kein Problem mit der Batterie, sondern die Veränderung der Nutzungsbedingungen.
Auch der Asphalt ist Teil der Reichweite
Die unsichtbaren Faktoren, die die Reichweite beeinflussen, beschränken sich nicht nur auf die Lufttemperatur. Auch die Straße selbst hat einen größeren Anteil am Energieverbrauch von Elektrofahrzeugen, als man denkt. Denn es besteht ein direkter Zusammenhang zwischen dem Zustand des Asphalts und der Reichweite. Nasse Fahrbahnen, schlechte Oberflächen und schneebedeckte Straßen erhöhen den Rollwiderstand, was den Energieverbrauch in die Höhe treibt.
Das grundlegende Problem ist der physikalische Widerstand, auf den der Reifen beim Abrollen trifft. Ein Reifen, der auf trockenem und glattem Asphalt leichter rollt, erfordert auf nassem oder rauem Untergrund mehr Energie. Auf verschneiten Straßen verschlechtert sich das Bild noch weiter. Das Fahrzeug bewegt sich nicht nur vorwärts, sondern muss sich auch durch den Schnee „pflügen“. Dies erhöht den Verbrauch spürbar.
In Ländern wie der Türkei, in denen die Straßenqualität von Stadt zu Stadt und sogar von Viertel zu Viertel variieren kann, ist es nicht verwunderlich, dass dieser Effekt deutlicher sichtbar ist. Geflickter Asphalt, starker Regen und unebene Straßenoberflächen in Großstädten können die tatsächliche Nutzungsreichweite direkt beeinflussen. Hinter der Frage der Nutzer: „Ich fahre dieselbe Strecke, aber warum ändert sich der Verbrauch?“ stecken meist genau diese unsichtbaren physikalischen Unterschiede.
Geschwindigkeit, der heimliche Feind von Elektrofahrzeugen
Einer der entscheidenden Faktoren für die Reichweite ist die Geschwindigkeit. Elektrofahrzeuge können im Stadtverkehr äußerst effizient arbeiten. Bei niedrigen Geschwindigkeiten wird durch regeneratives Bremsen ein Teil der Energie zurückgewonnen und der Verbrauch sinkt. Sobald die Geschwindigkeit jedoch steigt, kehrt sich das Bild schnell um. Besonders wenn auf der Autobahn die Marke von 130–140 km/h überschritten wird, kann der Energieverbrauch dramatisch ansteigen.
Der Hauptgrund hierfür ist der aerodynamische Widerstand. Mit zunehmender Geschwindigkeit steigen die Kosten für das „Durchschneiden“ der Luft exponentiell an. Bei Verbrennern spiegelt sich dies im Kraftstoffverbrauch wider, aber bei Elektrofahrzeugen sieht der Fahrer dies viel direkter. Denn hohe Geschwindigkeit erhöht nicht nur den Verbrauch, sondern lässt die verbleibende Reichweite auf dem Armaturenbrett im Handumdrehen schrumpfen. Deshalb müssen viele Elektroautofahrer, die in der Stadt sehr niedrige Verbrauchswerte sehen, bei langen Autobahnfahrten deutlich häufiger Ladestopps einlegen als erwartet.
Reifendruck, Beladung und kleine Details
Reifen gehören ebenfalls zu den Faktoren, die in der Reichweitengleichung oft in den Hintergrund rücken, aber große Auswirkungen haben. Ein zu niedriger Reifendruck erhöht den Rollwiderstand und führt dazu, dass das Fahrzeug mehr Energie verbraucht. Auch der verwendete Reifentyp ist ebenso wichtig. Speziell für Elektrofahrzeuge entwickelte Reifen mit geringem Rollwiderstand können einen positiven Beitrag zur Reichweite leisten. Im Gegensatz dazu können breite Performance-Reifen oder die Wahl der falschen Saisonreifen den Verbrauch in die Höhe treiben.
Zusätzliche Lasten auf dem Fahrzeug erhöhen ebenfalls den Energiebedarf. Dachboxen, Fahrradträger oder sogar das Fahren mit offenen Fenstern können die Aerodynamik verschlechtern und die Reichweite verringern. Besonders bei Autobahngeschwindigkeiten können sich klein erscheinende aerodynamische Unterschiede in große Energieverluste verwandeln.
Verkehr ist nicht immer ein Nachteil
Interessanterweise ist der Verkehr nicht immer ein Nachteil. Während Verbrennungsmotoren im dichten Verkehr meist ineffizienter werden, können Elektrofahrzeuge beim Stop-and-Go-Betrieb im Vorteil sein. Denn ein Teil der beim Bremsen entstehenden Energie wird wieder in die Batterie zurückgespeist. Deshalb ist es möglich, dass einige Elektrofahrzeuge im Stadtverkehr die Katalogdaten erreichen.
Dennoch können Faktoren wie Klimaanlagennutzung, heißes Wetter und längeres Fahren bei niedrigen Geschwindigkeiten diesen Vorteil einschränken. Kurz gesagt: Stadtverkehr bedeutet nicht automatisch eine „hohe Reichweite“.
Was kann man tun, um die Reichweite zu erhöhen?
Es ist nicht möglich, den Reichweitenverlust bei Elektrofahrzeugen vollständig zu eliminieren. Aber die Nutzungsgewohnheiten können den Verbrauch erheblich verändern. Besonders auf langen Reisen können schon ein paar kleine Entscheidungen einen deutlichen Unterschied bei der Reichweite bewirken.
Konstante und angemessene Geschwindigkeit: Hohe Geschwindigkeiten können den Verbrauch bei Elektrofahrzeugen dramatisch erhöhen. Besonders auf der Autobahn kann das Fahren im Bereich von 110–120 km/h statt 140 km/h die mit einer Ladung zurücklegbare Strecke spürbar vergrößern.
Innenraum während des Ladevorgangs heizen oder kühlen: Dank des in vielen Elektrofahrzeugen vorhandenen „Vorkonditionierungssystems“ kann der Innenraum auf die gewünschte Temperatur gebracht werden, während das Fahrzeug lädt. Dadurch kann der zusätzliche Energiebedarf aus der Batterie zu Beginn der Fahrt reduziert werden.
Reifendruck prüfen: Ein zu niedriger Reifendruck erhöht den Rollwiderstand und damit den Energieverbrauch. Besonders vor langen Fahrten kann die Kontrolle des korrekten Reifendrucks direkt zur Reichweite beitragen.
Plötzliche Beschleunigungen vermeiden: Das hohe Drehmoment von Elektrofahrzeugen macht das Fahren angenehm. Häufiges und hartes Beschleunigen kann den Verbrauch jedoch erheblich steigern. Eine flüssigere Fahrweise hilft auch dem regenerativen Bremssystem, effizienter zu arbeiten.
Nicht die Batterie, sondern die Bedingungen ändern sich
Tatsächlich ändert sich mit Elektroautos der Begriff „Reichweite“ in der Automobilwelt grundlegend. Früher schauten Fahrer nur auf den Kraftstoff im Tank. Heute sind Lufttemperatur, Straßenoberfläche, Verkehrsdichte, Geschwindigkeit und Fahrstil direkte Bestandteile der Reichweite. Das bedeutet, die Reichweite ist nicht mehr nur das Ergebnis der Batterie, sondern auch der Bedingungen.
Wahrscheinlich werden Autos in naher Zukunft nicht nur die Navigation, sondern auch die Asphaltqualität, die Lufttemperatur, die Verkehrsdichte und die Straßenneigung in Echtzeit analysieren, um viel präzisere Reichweitenprognosen zu erstellen. Denn im Zeitalter der Elektrofahrzeuge ist die eigentliche Frage für den Fahrer nicht mehr nur, „wie viel Energie noch übrig ist“, sondern wie weit diese Energie unter den gegebenen Bedingungen reichen kann.
Meistgelesen
Das Schreiben nimmt kein Ende: Noch eine FETÖ-Erinnerung
Der Geist, der an der Leggings hängen blieb...
Abgeordneter, dem ein Wechsel zur AKP nachgesagt wird, beginnt Überzeugungstour
Die internen Debatten der CHP interessieren mich überhaupt nicht
Junges Paar stirbt bei Absturz mit Geländewagen 15 Meter in die Tiefe
Ümit Özdağ kommentiert neue Parteigründung
Strenge Kontrollen für Fahranfänger
Warnung vor dem Risiko von Haarausfall bei GLP-1-Medikamenten
Die Wahl des stellvertretenden Bürgermeisters, die die CHP gewonnen hatte, wird ab der dritten Runde wiederholt
Enver-Altaylı-Vorwurf in der Akte Yazıcıoğlu