In meinem Beitrag letzte Woche habe ich einige Beobachtungen zu den Ergebnissen der jüngsten Kommunalwahlen angestellt. Die wichtigste davon war, dass die AKP infolge der Wahlen zwar allgemein auf den Status der zweitstärksten Partei zurückgefallen ist, sie jedoch als weiterhin regierende Partei auf zentraler Ebene für die schwierige Bewältigung der wirtschaftlichen Probleme verantwortlich bleiben wird. Gegen Ende des Artikels hatte ich bereits darauf hingewiesen, dass diese Situation die Arbeit der AKP, die nun auf den zweiten Platz abgerutscht ist, erheblich erschweren und bei künftigen Wahlen zu einer weiteren Verschlechterung ihrer Lage führen könnte. Wenn wir diese beiden Ergebnisse zusammen betrachten, drängt sich der Gedanke auf, dass die Kommunalwahlen durchaus als Indikator für Demokratie gewertet werden können.
Da Kommunalwahlen als Ausdruck lokaler Demokratie betrachtet werden können, ist die Annahme berechtigt, dass die Ergebnisse der letzten Wahlen auch einen Wandel der politischen Parteienlandschaft im ganzen Land widerspiegeln. Dass sich das Urteil der Bevölkerung über eine politische Partei jedoch auf eine andere Partei verlagert und dies auf einer Wahlplattform zum Ausdruck kommt, kann lediglich als Indikator für politische Demokratie gewertet werden.
Während unser Land durch das Ein-Mann-Regime in ein despotisches System abgleitet, ist es von Bedeutung, dass unser Volk bei den Kommunalwahlen eine solche Entscheidung getroffen und damit die Idee der lokalen Demokratie in den Vordergrund gestellt hat. Die Frage, ob die lokale Verwaltung und die Idee der lokalen Demokratie – die auf den ersten Blick als hervorragendes Beispiel für demokratische Organisation und politische Teilhabe erscheinen – auch im wirtschaftlichen Sinne eine echte Demokratie darstellen, lässt sich jenseits politischer Entscheidungen durch die wirtschaftlichen Entscheidungen der Bevölkerung klären. Kurz gesagt: Die Entscheidung, die sich in den letzten Kommunalwahlen widerspiegelt, ist ein Ausdruck der Unzufriedenheit unseres Volkes mit der bestehenden Verwaltung. Mit anderen Worten: Mit dieser Wahl hat sich unser Volk der Hoffnung hingegeben, dass ein Regierungswechsel gleichzeitig zu einer Veränderung der wirtschaftlichen Lage führen könnte. Dabei ist die Armut, in die wir geraten sind, kein Problem, das durch einen Regierungswechsel, sondern durch eine Änderung des Wirtschaftssystems gelöst werden kann. Genau wegen dieses gravierenden Unterschieds können die letzten Kommunalwahlen zwar als demokratische Wahlen angesehen werden, keinesfalls jedoch als Systemwahl.
Im Kontext der lokalen Verwaltung taucht die Frage des gesellschaftlichen Bewusstseins und der wirtschaftlichen Demokratie auf, was voraussetzt, dass das Bewusstseinsniveau der Bevölkerung über das politische Bewusstsein hinaus auch ein wirtschaftliches Bewusstsein erreicht hat. Der Grund dafür ist, dass die wirtschaftliche Situation, die an der Oberfläche der Gesellschaft sichtbar wird, keine Ursache, sondern ein Ergebnis ist. Denn die Diskussion über wirtschaftliche Demokratie erfordert, dass die Infrastruktur der Produktionsverhältnisse der Gesellschaft in den Fokus gerückt und die Frage der Einkommensverteilung behandelt wird. Mit anderen Worten: Das Thema der wirtschaftlichen Demokratie ist nicht mit dem wirtschaftlichen Überbau, sondern mit der Basis verknüpft. Genau wie heute in unserem Land und in fast allen kapitalistischen Ländern, in denen das Kapital – als Inhaber der Produktionsmittel und wirtschaftlicher Entscheidungsträger – Hand in Hand mit der politischen Macht als Hüter des Systems agiert und durch die Unterdrückung von Medien, Wissenschaft und sogar des Rechtssystems eine Vorherrschaft über die Gesellschaft ausübt, können diese Rechte, selbst wenn das Volk das Wahlrecht besitzt, keine wirtschaftliche Demokratie gewährleisten und bleiben nicht mehr als eine bloße Fassade. Wenn die Ideologie des Kapitals wie ein Albtraum über der Gesellschaft liegt, können selbst lokale Ebenen oder Volksversammlungen die Demokratie nicht im eigentlichen Sinne im Interesse des Volkes sichern. Wie in jedem Land zu beobachten ist, verlieren sogar zivilgesellschaftliche Organisationen, von denen man annimmt, dass sie die Gedanken des Volkes in die Politik tragen können, ihren Charakter als echte Volksorganisationen und dienen stattdessen als kapitalistische Organisationen, in denen die Ideologie des Kapitals organisch vorherrscht. Auf diesem Weg wird zwar leider eine formale politische Demokratie erreicht, aber kein Schritt in Richtung einer echten wirtschaftlichen Demokratie getan.
Der Wechsel politischer Kader und eine Veränderung oder relative Ausbalancierung der gesellschaftlichen Einkommensverteilung sind zwar wichtige Schritte für Demokratie und Freiheit, reichen jedoch nicht aus, um eine konkrete Diskussionsebene zu erreichen. Denn der einflussreichste Faktor bei der Bildung der Denk- und Entscheidungsmechanismen des Einzelnen ist weniger die Einkommensverteilung als vielmehr die Ideologie des Kapitals, die alle Denkbereiche umfasst.
Insbesondere in sich entwickelnden kapitalistischen Volkswirtschaften mag die Anwendung lokaler Demokratie die Einkommensverteilung bis zu einem gewissen Grad korrigieren. Es kann jedoch eine negative Propaganda verbreitet werden, dass eine Korrektur der Einkommensverteilung die Kapitalakkumulation behindern würde. Dies kann kapitalfreundlichen Regierungen die Hände binden und sie zu kapitalfreundlichen Entscheidungen drängen.
Lokale Verwaltungen, die ohne eine Verstaatlichung der Produktionsmittel gegründet und/oder gestärkt werden, können nützlich sein, um Diskussionsräume zu erweitern, Einfluss auf die Politik zu nehmen und sogar Türen für Debatten über die Eigentumsformen des Kapitals zu öffnen. Man könnte sogar annehmen, dass solche Diskussionen mit der Zeit das gesellschaftliche Bewusstsein auf den Kern der Politik lenken könnten. Man darf jedoch nicht übersehen, dass die Möglichkeit, die politische Macht bei Kommunalwahlen zu wechseln, auch die weit verbreitete Annahme bestärkt, dass sich durch Wahlen auch die Lebensbedingungen ändern ließen – eine Gefahr, die als ernsthaftes Hindernis für das echte Demokratieverständnis der Völker nicht außer Acht gelassen werden darf.
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