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Von 'Yiğidim Aslanım' zu einem echten Fahrplan für den Widerstand

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In den sozialen Medien, in Freundeskreisen, bei Beratungen mit unseren Kollegen und insbesondere in den Äußerungen von Bürgern, die zwar nicht der CHP angehören, aber im Lager der Opposition stehen, zeichnet sich ein sehr klares Bild ab. Unter Einbeziehung meiner eigenen Beobachtungen muss ich diese Feststellung offen aussprechen: Es herrscht der Eindruck, dass die CHP den Widerstand im aktuellen Klima des Drucks nicht etwa stärkt und ausbaut, sondern ihn eher erstickt.

Die Türkei durchlebt eine sehr ernste, zermürbende und mittlerweile lang anhaltende Phase der Turbulenzen. Man muss dem Kind beim Namen nennen und anerkennen, was Anerkennung verdient: Jeder sieht, dass der CHP-Vorsitzende Özgür Özel und sein Team seit dem 19. März ununterbrochen und in einem intensiven Tempo arbeiten. Unzählige Kundgebungen, endlose Fraktionssitzungen, große politische Spannungen und Auseinandersetzungen... Dieser Kampf ist kein geringer Aufwand; wir sind uns bewusst, dass dies auch menschlich gesehen ein wirklich kräftezehrender Prozess ist.

Bevor wir zum Teil der Kritik übergehen, ist eine Anmerkung angebracht: Wir wissen, wie intolerant die CHP-Wählerschaft bisweilen gegenüber Kritik sein kann und dass selbst die leiseste abweichende Stimme auf unfassbare Reaktionen stoßen kann. Ich denke jedoch, ich muss nicht erneut daran erinnern, dass 12punto ein unabhängiges Medienorgan mit einer pluralistischen Struktur ist und dass wir die politischen Prozesse mit unseren Autoren, die unterschiedliche Ansichten vertreten, objektiv verfolgen und unseren Lesern vermitteln.

Kommen wir nun zu der Kritik, die an die Führung von Özgür Özel gerichtet wird...

In einer solch tödlichen und kritischen Zeitspanne, in der wir uns befinden, stößt es in der Öffentlichkeit zunehmend auf Unmut, wenn den riesigen Menschenmengen immer noch „Yiğidim Aslanım“ vorgespielt wird und versucht wird, mit Handy-Lichtern ein visuelles Spektakel zu erzeugen. Das sage nicht ich. Ein einfacher Rundgang durch die sozialen Medien reicht aus, um diese Reaktion zu beobachten. Um es klarer und deutlicher auszudrücken: Die Bürger, die vom Kämpfen müde sind, die sich von Hoffnung ernähren und dann wieder in den Strudel der Hoffnungslosigkeit geworfen werden, wollen keine symbolischen Aktionen mehr, sondern einen echten Fahrplan für den Widerstand.

Manche sagen „Lasst uns boykottieren“, andere „Lasst uns einen Marsch organisieren“, aber die gemeinsame Forderung ist eine: „Gebt uns einen echten Aktionsplan“...

Denn Aktionen, die tagelang andauern und kein konkretes Ziel erreichen, ermüden die Gesellschaft. Mehr noch: Menschen, die mit der Wirtschaftskrise und den Sorgen des Alltags kämpfen, haben weder die finanziellen Mittel noch die körperliche Kraft, von einer Kundgebung zur nächsten zu eilen. In dieser tiefen Armut, in der selbst die Transportkosten berechnet werden, verwandelt sich der Widerstand leider in Untätigkeit. Mit ein paar Tweets in den sozialen Medien wird das Gefühl erzeugt: „Ich habe meinen Protest gezeigt, ich habe etwas getan“, aber wir alle wissen, dass die Realität nicht vor der Tastatur stattfindet.

Vor dem Hintergrund dieses Bildes gebe ich der CHP-Führung, die bereits mit großen Problemen zu kämpfen hat, einen offenen Rat: Es muss eine Widerstands- und Kampflinie geschaffen werden, die sehr schnell, klar definiert und in ihrer Wirkung unbestreitbar ist. Es bleibt keine Zeit mehr zu verlieren; die Erwartung der Bürger ist sehr klar: „Lasst uns jetzt endlich wirklich etwas tun“, sagen sie.

Ich unterschätze keinen politischen Einsatz, aber es ist offensichtlich, dass man mit den derzeitigen „visuellen“ Methoden nicht weiterkommt. Beenden wir den Artikel also mit jener kritischen Frage, die wir an Herrn Özgür Özel richten:

Herr Özel, Sie sagten: „Wenn nötig, legen wir das Leben lahm.“ Was genau bedeutet das und was wird getan werden?