Jeffrey Sachs hat meiner Meinung nach in seiner Rede auf dem Antalya Diplomacy Forum wichtige Punkte hervorgehoben, die in die Geschichte eingehen werden. Er hat Dinge, die die meisten von uns bereits geahnt oder gewusst haben, mit mutiger und klarer Sprache ausgesprochen. Insbesondere für diejenigen, die die Politik lenken, gibt es wichtige Lektionen aus Sachs' Rede zu ziehen.
Der Krieg im Nahen Osten, so Sachs, werde nicht enden, solange Amerika dies nicht wolle. Das wissen die meisten von uns bereits. Solange Amerika seine Hand nicht vom Nahen Osten, ja sogar von der Welt abzieht, werden unmenschliche Massaker weitergehen. Einer der wichtigen Punkte, die Sachs betonte, ist jedoch, dass der Syrien-Krieg auf Befehl von Präsident Obama begonnen wurde. Das eigentliche Problem sei nicht die diktatorische Herrschaft von Baschar al-Assad, sagt er, sondern Amerikas Bestreben, Israel im Nahen Osten zu einer von sich abhängigen Großmacht zu machen. Um es deutlicher auszudrücken: Amerika nutzt Israel im Nahen Osten als Kriegsapparat für seine eigenen Ziele. Seit dem Ausbruch der Unruhen im Nahen Osten, die als Arabischer Frühling bekannt sind, und der Schwächung der starken Staaten der Region gibt es für die Völker der Region keine Ruhe mehr.
Krieg ist Amerikas Entscheidung, sagt Jeffrey Sachs. Zusammen mit seinem Verbündeten Israel versucht Amerika zu entscheiden, welches Land von welchen Regimen regiert werden soll. Es will seine eigenen Entscheidungen und Präferenzen diktieren. Solange Amerika von dieser Haltung nicht ablasse, werde der Krieg im Nahen Osten niemals enden, so Sachs. Amerika setze die Kriege in der Region durch militärische und finanzielle Unterstützung fort.
Das ist nichts Neues. Und es gilt nicht nur für die Länder des Nahen Ostens. Seit die Vereinigten Staaten gegründet wurden und in die Lage kamen, die Weltwirtschaft zu lenken, kommt die Welt nicht mehr zur Ruhe. Einerseits gibt es eine Welt, die sich modernisiert und zivilisiert, andererseits aber auch Massenmorde. Die Entwicklung der Technologie wird nicht zum Nutzen der Menschheit, sondern geradezu für deren Vernichtung eingesetzt. Parallel zur Entwicklung neuer Techniken, Methoden und Technologien ist die Welt zum Spielplatz Amerikas geworden. Es ist bekannt, dass der Erste Weltkrieg, der in Massenschlachtungen endete, den Boden für Amerikas Experimente in Sachen Propaganda und Wahrnehmungsmanagement bereitete. Ebenso dürfte wohl jeder wissen, dass auch der Zweite Weltkrieg ein Schlachtfeld war, auf dem Amerika seine Kriegstechnologien und Massenvernichtungswaffen erprobte.
Diese Macht, die die Welt durcheinanderbringt, wann immer sie will, die nach Belieben kalte Kriege erklärt und mit verschiedenen Methoden, Techniken und Mitteln der Kriegsführung und Konfliktaustragung die Weltagenda bestimmt, ist für die Menschheit zu einer echten Plage geworden.
Es muss Vorsorge getroffen werden. Der einzige Weg hierfür ist die Bildung eines Bewusstseins. Alle Länder und Völker müssen sich gegen diese Macht auflehnen, die die Welt ständig im Zeichen des Imperialismus ausbeutet und die Menschheit bedroht. Amerika stellt nicht nur eine regionale, sondern eine globale Bedrohung dar. Ob durch Embargos gegen China mit hohen Zöllen, Drohungen gegen Kanada, die Aneignung der ukrainischen Bodenschätze und das Vordringen nach Osteuropa oder Drohungen gegen Südamerika – aufgrund dieser ausbeuterischen Haltung wird die Menschheit niemals Frieden finden.
Obwohl der Liberalismus den Individualismus mit seiner eigenen freien Willensentscheidung als Grundlage nimmt, scheint er denselben freien Willen auf der Ebene von Gesellschaften und Ländern nicht zu berücksichtigen. Dabei ist Freiheit ein Verständnis, das auf individueller Ebene beginnen und auf der Ebene von Ländern und Staaten fortgesetzt werden muss. Den Einzelnen frei zu machen, aber die Gesellschaft, der er angehört, daran zu hindern, ihren eigenen freien Willen auszuüben, ist kein wahrer Liberalismus und keine wahre Freiheit. Daher wurde der westliche Liberalismus mit dem Eingreifen des Kapitalismus ausgesetzt und das auf materieller Macht basierende Kolonialsystem ist zum eigentlichen Motor des Systems auf allen Ebenen geworden, vom Individuellen bis zum Gesellschaftlichen. Der Wunsch und die Tendenz Amerikas, das immer noch die größte Wirtschaftsmacht der Welt ist, die Welt zu beherrschen, ist der konkreteste Beweis dafür.
Es gibt nur einen Ausweg. Dass jedes Individuum für seinen eigenen freien Willen einsteht. Die zweite Stufe des Prozesses, der mit dem Verständnis individueller Freiheit beginnt, ist, dass jede Gesellschaft ihren eigenen freien Willen zum Ausdruck bringen kann. Doch dafür reicht es nicht aus, nur ein Bewusstsein zu schaffen. Man muss arbeiten, produzieren und autark werden. Vergessen wir nicht: Wer produziert, regiert denjenigen, der nicht produziert. Der wichtigste Motor der Beziehung zwischen Souveränität und Abhängigkeit ist die Produktion. Nur mit richtigen Strategien und originären Politiken, die auf dem Verständnis von Freiheit basieren, kann man Präsenz zeigen.
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