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Die Medien sollten zur Heilung der Gesellschaft beitragen

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Unsere Herzen sind erneut durch den Mord an einem Kind zerrissen. Ein kleines Mädchen wurde Opfer eines grausamen Verbrechens. Der Vorfall ist schrecklich. Leider nimmt die Häufigkeit solch schrecklicher Ereignisse stetig zu. Das Lebensrecht kleiner Kinder wird ihnen gnadenlos geraubt. Sie werden aus dem Leben gerissen, bevor sie überhaupt die Chance hatten, es kennenzulernen.

Einige werden Opfer von sexuellem Missbrauch, andere von Familientragödien, wieder andere von wirtschaftlichen Gründen und so weiter.

Unabhängig vom Grund ist offensichtlich, dass diese Gesellschaft, dieser Staat und die Institution der Familie in dieser Gesellschaft ihre Kinder nicht ausreichend schützen können. Das jüngste Beispiel für diese Hilflosigkeit ist der Mord an Narin.

Ein kleines Mädchen wurde Opfer eines schrecklichen Mordes. Darauf folgten endlose Diskussionen und widersprüchliche Erklärungen.

Das Schlimmste daran ist, dass sich die Medien seit Tagen fast ausschließlich mit diesem einen Fall befassen.

Der Vorfall ist in der Tat gravierend, und es ist richtig, dass die Medien ihn zum Thema machen, aber die Dosierung scheint problematisch zu sein. Während die Türkei durch den Mord an Narin erschüttert wird, liegt gleichzeitig an einem anderen Ort des Landes ein zweijähriges Baby nach sexuellem Missbrauch durch mehrere Personen innerhalb der Familie im Koma, doch in den Medien findet dies kaum Erwähnung.

Beide sind Kinder dieses Landes, doch das eine ist ein gewöhnliches Kind, das andere stammt aus einer wohlhabenden Familie. Daher wird das eine wie in einer Fernsehserie kontinuierlich auf den Bildschirmen gezeigt, während wir vom anderen über soziale Medien erfahren.

Dieses Dilemma erinnerte mich an den Mord an Münevver Karabulut, der vor Jahren geschah und monatelang, ja jahrelang die Medienagenda beherrschte. Ein junges Mädchen wurde von ihrem Freund ermordet und in einen Müllcontainer geworfen. Die rechtlichen Prozesse hatten begonnen, der Mörder wurde schnell gefunden und inhaftiert. Dennoch verschwand der Fall jahrelang nicht aus den Medien. Ich frage mich heute: Wäre der Fall so lange in den Medien geblieben, wenn der Täter nicht aus einer wohlhabenden Familie gestammt hätte?

Eine ähnliche Situation scheint beim Mord an Narin vorzuliegen. Einige Journalisten sind seit Tagen vor Ort und berichten. Die Berichterstattung und das Auftreten der Journalisten begannen, das Ereignis selbst in den Schatten zu stellen.

Manche berichten weinend in die Kameras, andere spielen die Rolle des mutigen und heldenhaften Journalisten, wieder andere scheinen darauf bedacht zu sein, den Sicherheitskräften die Show zu stehlen, und manche posieren unter Tränen am Ufer des Baches, an dem die Leiche des Kindes gefunden wurde.

Dasselbe Bild zeigt sich bei den Moderatoren in den Fernsehstudios. Nachrichtensprecher, die versuchen, ihren Moderationen mit Tränen und Schreien eine dramatische Note zu verleihen. Man könnte meinen, es sei das erste Mal, dass in diesem Land ein Kind ermordet wird.

Es ist eine Tatsache, dass die Tränen auf den Bildschirmen die Gesellschaft kaum noch berühren. Denn einerseits mangelt es in der Gesellschaft ohnehin nicht an tragischen Ereignissen. Durch Morde, Erdbeben und Epidemien ist die Gesellschaft leider gegenüber Grausamkeit und Gewalt abgestumpft.

Einer der Hauptgründe dafür ist, dass diese Gesellschaft seit Jahren mit gewalthaltigen Serien gefüttert wird.

Die Menschen in dieser Gesellschaft sehen seit Jahren nichts anderes als Blut und Gewalt auf den Fernsehbildschirmen, sodass sie von den Tränen und Schreien der Sprecher und Reporter kaum noch berührt werden können. Die Menschen wurden leider daran gewöhnt, Blut und Gewalt zu sehen, und sind dadurch abgestumpft.

Andererseits ist es in der Welt der medialen Inszenierung mittlerweile fast unmöglich geworden, zwischen Realität und Fiktion zu unterscheiden. Wie im Beispiel des Mordes an Narin. Die Medien präsentieren die Nachrichten über die Ermordung des kleinen Mädchens seit Tagen im Stil einer Fernsehserie. Die Reporter sind zwar angeblich vor Ort, können aber keine Informationen aus dem Feld sammeln.

In dem Dorf, in dem sich der Vorfall ereignete, schweigen alle, daher erhalten sie von niemandem Informationen.

Auf der anderen Seite laufen die Ermittlungsverfahren weiter, und es gibt keine befriedigenden Informationen von den Behörden. Dennoch öffnen und schließen die Fernsehbildschirme seit Tagen fast ausschließlich mit diesem Thema.

Informationslücken werden mit Kommentaren gefüllt. Fast jeder Journalist, Reporter oder Nachrichtensprecher konstruiert und präsentiert sein eigenes Szenario zu dem Vorfall. Doch interessanterweise deckt sich kein Szenario mit dem anderen.

Die Familie des Kindes schweigt, die Dorfbewohner schweigen, die Verwandten schweigen, die Justizbeamten schweigen, aber die Medien verbreiten ständig „Informationen“.

Ist das nicht interessant?

All dies lässt den Gedanken aufkommen, dass man erneut über die Aufgaben und Verantwortlichkeiten der Medien nachdenken muss. Die Medien sind in erster Linie dafür verantwortlich, die Gesellschaft mit Informationen zu versorgen.

Sie sollen die möglichst genauesten Informationen über das Geschehen in der Welt und im Land beschaffen und an die Gesellschaft weitergeben.

Denn der primäre Verantwortungsbereich der Medien ist die Gesellschaft/die Bürgerschaft. Dementsprechend sind die Medien ein Instrument und Apparat zur Informationsvermittlung. Doch wie man am Fall Narin sieht, versuchen sich die Medien in erster Linie selbst vor der Gesellschaft zu beweisen.

Daher verwandeln sich selbst die gravierendsten Ereignisse in der Gesellschaft auf den Medienbildschirmen leider in eine Show der Medien. Das heißt, anstatt ein Instrument zur Informationsvermittlung zu sein, instrumentalisieren die Medien die Geschehnisse, die Vorfälle und die Zustände in der Gesellschaft, um ihre eigene Macht oder ihre Existenz auf irgendeine Weise zu demonstrieren.

Die Medien haben die Verantwortung, die Gesellschaft zu informieren und dazu beizutragen, das Bewusstsein und das Verständnis in der Gesellschaft zu schärfen. Daher müssen die Medien auf ihren eigenen Stil und ihre Haltung bei der Erstellung von Inhalten und der Informationsvermittlung achten.

Die Gesellschaft braucht die Medien. Die Medien haben durch die Art der Informationsvermittlung und die Art der Präsentation die Macht, zur Lösung der Probleme in der Gesellschaft beizutragen. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Gesellschaft das tut, was ihr die Medien präsentieren.

Wenn Darstellungen von Blut, Gewalt, Hass, Groll, Diskriminierung usw. verbreitet werden, kann man von der Gesellschaft kein anderes Verhalten erwarten. Wir sagen hier nicht, dass die Medien nur eine heile Welt präsentieren sollen.

Natürlich sollten sie die Gesellschaft über das Geschehen informieren. Aber Medienprofis müssen die gesellschaftliche Reflexion und die Wirkungsebene jedes Inhalts, den sie präsentieren, mit einem professionellen Blick bewerten. Die korrekte Unterscheidung zwischen realen und fiktiven Inhalten, die genaue Analyse der Zielgruppe und die Berechnung der Wirkung der zu vermittelnden Informationen oder Botschaften sind wichtig.

Die Medien sind eine Institution, die nicht nur Probleme aufzeigen, sondern auch zur Lösung beitragen sollte. In diesem Sinne ist es wichtig, sowohl für Nachrichten als auch für andere Inhalte auf korrekte Nachrichtenquellen zuzugreifen und Informationen von Experten einzuholen.

Die Aufgabe der Medien ist es nicht, die Gesellschaft zum Weinen zu bringen oder die emotionale Spannung der Gesellschaft zu erhöhen, sondern durch die Vermittlung gesunder und korrekter Informationen die Gesellschaft zum Nachdenken über Ereignisse, Zustände und Probleme anzuregen und zur Steigerung des Bewusstseins und der Aufmerksamkeit in der Gesellschaft beizutragen.

Die Aufgabe der Medien ist es nicht, dazu beizutragen, dass die Gesellschaft noch kränker wird, sondern zu ihrer Heilung beizutragen.