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Das Totengebet der Akademie

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Die Grundvoraussetzung dafür, dass eine Universität im eigentlichen Sinne als Universität anerkannt werden kann, ist das Vorhandensein akademischer Freiheit. Akademische Freiheit bezeichnet im Wesentlichen die Freiheit der an Hochschulen tätigen Dozenten, in ihren jeweiligen Fachgebieten nach der Wahrheit zu suchen, diese zu finden, ihre Ergebnisse zu veröffentlichen und sie ihre Studierenden zu lehren.

Dem kürzlich veröffentlichten Bericht zum Akademischen Freiheitsindex 2023 zufolge belegt die Türkei unter 179 Ländern den 166. Platz. Während in diesem Index 1 den höchsten und 0 den niedrigsten Wert darstellt, liegt der Wert der Türkei bei lediglich 0,084. Tschechien, das den ersten Platz bei der akademischen Freiheit einnimmt, erreicht einen Wert von 0,977. Direkt unter uns befindet sich der Iran, direkt über uns Ägypten. Abgesehen von den Industrienationen wird unsere beklagenswerte Lage noch deutlicher, wenn man einige der Länder betrachtet, die in der Rangliste vor uns liegen – deren Universitäten also freier sind als unsere.

Sogar die Universitäten in Ruanda, Mauretanien, Jemen, Somalia, Uganda, Usbekistan und selbst in Afghanistan rangieren in Bezug auf die akademische Freiheit vor uns. Rückblickend erreichte die Türkei in diesem Index ihren Höchstwert im Jahr 2004 mit 0,56 Punkten. Doch insbesondere nach 2016 setzte ein steiler Abwärtstrend ein, und der aktuelle, niederschmetternde Stand ist offensichtlich. Offenbar hat das Präsidialsystem die Türkei auch im Bereich der akademischen Freiheit „nach vorne katapultiert“ (!). Kann es an Universitäten ohne akademische Freiheit eine qualitativ hochwertige Bildung geben? Natürlich nicht. Dies spiegelt sich folglich auch in den Bildungsqualitätsindizes wider. Von den 202 Universitäten in der Türkei befinden sich nur 11 unter den ersten 1000 im weltweiten Hochschulranking, während 86 unterhalb der ersten 1000 liegen und – was am schmerzlichsten ist – 105 es nicht einmal in das Ranking schaffen.

Eine Universität ohne akademische Freiheit ist keine Universität. Leider liegen die Universitäten in der Türkei in ihren letzten Zügen, oder haben diese bereits ausgehaucht. Die Dozenten der Boğaziçi-Universität protestieren, indem sie in ihren Talaren für die akademische Freiheit ihrer Hochschule stehen; doch in Wahrheit ist dieser Protest das Totengebet der Universität. Es gibt einen Toten, aber niemanden, der die Beerdigung vollzieht. Doch stellt sich die Frage: Vergeben wir dem, was da vor uns liegt?