Das Bildungsministerium (MEB) hat zu zwei Themen, deren Bekanntgabe schon viel früher erwartet wurde, noch immer keine Stellungnahme abgegeben. Der Grund für diese Verzögerung sind meiner Einschätzung nach die bevorstehenden Wahlen. Ich bin der Meinung, dass das Ministerium kein Risiko eingehen möchte, indem es sich vor der Wahl zu zwei derart wichtigen Themen äußert. Es scheint für das MEB passender zu sein, diese Angelegenheiten erst nach der Wahl zu kommunizieren.
Was sind nun diese beiden Themen, die auf die Zeit nach der Wahl verschoben wurden? Das erste ist der Lehrplan. Fast seit Beginn des Schuljahres hat der Bildungsminister erklärt, dass der Lehrplan geändert werde und diese Änderungen in naher Zukunft bekannt gegeben würden. Doch obwohl der März sich dem Ende zuneigt, gibt es immer noch keine offizielle Ankündigung. Zwar wurden vor einigen Wochen einige Informationen an die Öffentlichkeit durchgestochen, doch danach hüllte sich das Ministerium wieder in Schweigen.
Ich vermute, dass die Veröffentlichung des Lehrplans auf die Zeit nach der Wahl verschoben wurde, um Diskussionen vor dem Urnengang zu vermeiden. Die durchgesickerten Informationen zur Lehrplanänderung hatten sofort Kritik hervorgerufen; offen gesagt dürfte diese Verzögerung dem MEB zugutekommen. Ich möchte diese Verzögerung positiv betrachten und hoffe, dass Minister Yusuf Tekin die Mängel des ihm vorgelegten Lehrplans erkannt hat und nun eine Überarbeitung stattfindet. Denn eine Lehrplanänderung ist von großer Bedeutung; sollte dabei ein Fehler unterlaufen, sind leider ganze Generationen negativ betroffen. Mit anderen Worten: Lieber spät als nie, Hauptsache, es entsteht ein fundierter Lehrplan, der den tatsächlichen Bedürfnissen gerecht wird.
Das andere Thema, das das MEB höchstwahrscheinlich auf die Zeit nach der Wahl verschoben hat, ist der Zeitplan für die Lehrereinstellungen. Die Frage, die hier natürlich am meisten interessiert, ist die Anzahl der Stellen. Lehramtsanwärter äußern ihre Forderungen ständig in den sozialen Medien, doch vom MEB kommt weiterhin keine Reaktion. Der Wunsch der Anwärter ist eine Einstellungszahl von mindestens 68.000 und eine Besetzung der Stellen ohne Vorstellungsgespräche. Wenn das MEB in der aktuellen wirtschaftlichen Lage diese geforderte Zahl nicht vom Finanzministerium bewilligt bekommt, wartet es möglicherweise den Zeitpunkt nach der Wahl ab, um Kritik zu vermeiden. In diesem Fall bleibt für die Lehramtsanwärter nur die Hoffnung, dass der Präsident noch vor der Wahl eingreift und dem MEB die Einstellungszahlen vorgibt. Offen gesagt: Sollte sich die Bekanntgabe des Einstellungsplans bis nach der Wahl hinziehen, erwartet uns leider eine Einstellungszahl, die weit unter den Forderungen der Anwärter liegt.
Wie man sieht, sind zwei Wochen vor der Wahl die erwarteten Erklärungen des MEB zu den zwei wichtigen Themen auf der Bildungsagenda noch immer ausgeblieben. In diesem Land wird für vieles der 1. April abgewartet. Ich vermute, dass auch das MEB diesen Termin abwartet, um sowohl die Anzahl der Lehrereinstellungen als auch die Lehrplanänderungen bekannt zu geben. In diesem Sinne sagen wir – insbesondere im Namen der auf eine Anstellung wartenden Lehrer – hoffen wir, dass der 1. April Gutes bringt.
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