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Jeder strahlt mit seinem eigenen Stern

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Hätten wir jemals gedacht, dass wir uns so an die Popkultur klammern würden?

Dass wir an einem künstlichen, kalten, ja sogar frostigen Morgen mit dem Licht eines Sterns erwachen würden... Dass wir uns Konzertaufnahmen immer wieder anhören und in die 90er Jahre zurückeilen würden…

Die 90er Jahre sind für manche von uns die Kindheit, die Jugend oder die Zeit, in der die Popkultur ihre Idole schuf. Wie hat uns die Popkultur, der wir so kritisch gegenüberstanden, heute doch vereint – und zwar nicht nur diejenigen, die in die 90er zurückkehren können, sondern auch die heutige Jugend, vielleicht sogar drei Generationen.

Das Etikett „Megastar“ fühlte sich heute leicht an, ich wollte Tarkan heute als „Legende“ bezeichnen. Jedes Mal, wenn ich Tarkan höre, ohne stillsitzen zu können, und ihn mit dem Gedanken „Du bist etwas Besonderes“ von allen anderen Popstars abhebe, kommen mir die Worte eines Lehrers aus der Mittelstufe in den Sinn, die er über den damals gerade erst aufstrebenden Tarkan sagte. Als er behauptete, die Popkultur würde keinen Platz in der Zeit finden und der Tarkan, der heute in aller Munde ist, würde bald in Vergessenheit geraten, hatte ich innerlich widersprochen. Es würde sicherlich aus jeder Epoche etwas bleiben, und viele dieser Lieder klingen noch immer in unseren Ohren…

Natürlich trägt der Mensch die Lieder, die er in seiner Kindheit und Jugend gehört hat, im Herzen, auch wenn sie nicht gerade in seinen Ohren klingen, aber Tarkan hat wieder einmal gezeigt, dass er mehr als nur die 90er Jahre ist. Von seinem Lächeln, als er „Kıl oldum abi“ sang, bis hin zu seiner Menschlichkeit in der Reaktion „çişim var abi“ – er hat inmitten all dieser künstlichen Lichter an einem einzigen Abend den Stern in uns allen berührt.

Weder er kann mehr als „Popkultur-Objekt“ noch seine Fans als „breite Massen“ definiert werden. Während das Konzert aufhörte, ein bloßes Konzert zu sein, und sich in einen kollektiven inneren Akt verwandelte, sang jeder mit seinem eigenen Tarkan sein eigenes Lied, jeder strahlte mit seinem eigenen Stern… Anders als bei dem in der Pop Art der 60er Jahre betonten Ansatz wurde hier nicht jeder für 15 Minuten berühmt, vielleicht wuchs man, indem man die Zeit in den Liedtexten lebte und mit ihnen verschmolz.

Kunst berührt, Kunst brennt sogar... Als Malerin und Sozialwissenschaftlerin fand ich die unmittelbare Wirkung, die Musik auf die menschliche Seele ausübt, schon immer sehr erstaunlich; kein Ausstellungsraum ist wie ein Konzertgelände.

In dieser Zeit, in der Künstlichkeit so intensiv erlebt wird, ist dieser natürliche, spontan entstandene Zustand, auch wenn er übertrieben erscheinen mag, in seiner Realität nicht zu leugnen.

Und ein Stern, der das Licht der Gesellschaft nicht am bewölkten Himmel sammelt, könnte nicht so hell strahlen…