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Atatürk und der Weg nach Ankara

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Vor der Eröffnung der Großen Nationalversammlung der Türkei (TBMM) in Ankara am 23. April 1920 führte Mustafa Kemal Pascha wichtige Treffen durch und organisierte Kongresse. Einer davon war das Amasya-Protokoll vom 22. Juni 1919. Darauf folgten der Erzurum-Kongress (23. Juli – 7. August 1919) und der Sivas-Kongress (4. – 11. September 1919). Atatürk setzte seine Arbeit zwischen dem 2. September 1919 und dem 22. Dezember 1919 in Sivas fort. 

Die erste Amtshandlung der von Mustafa Kemal Pascha geleiteten Repräsentativdelegation (Heyet-i Temsiliye) auf dem Sivas-Kongress bestand darin, die Verbindung zwischen der kollaborierenden, kapitulationsbereiten Regierung in Istanbul und Anatolien zu unterbrechen. Die Istanbuler Regierung konnte fortan keine Anweisungen mehr an die militärischen und zivilen Behörden in Anatolien erteilen. Diese Verwaltungseinheiten unterstanden nun nicht mehr dem Palast, sondern dem nationalen Willen in Sivas. Dieser Zustand wird in der Geschichte der Republik als die Zeit der „Doppelherrschaft“ bezeichnet. Denn auf der einen Seite stand die Regierung in Istanbul, auf der anderen Seite die Repräsentativdelegation in Sivas. Dies entspricht auch der Definition von Marx: „Jeder Krieg ist zugleich ein Bürgerkrieg“. 

Die Entwicklungen erreichten kurz darauf eine neue Stufe, als die Regierung von Damat Ferit Pascha in Istanbul, die ihren Einfluss in Anatolien verloren hatte, am 2. Oktober 1919 zum Rücktritt gezwungen wurde. Die unmittelbar darauf gebildete Regierung von Ali Rıza Pascha erklärte am 4. Oktober 1919, dass sie die in Sivas gewählte Repräsentativdelegation und die Beschlüsse des Kongresses anerkenne. Diese Haltung der neu gebildeten Regierung in Istanbul war sowohl für Mustafa Kemal Pascha ein großer politischer Erfolg als auch ein sehr wichtiger Schritt in Richtung nationaler Wille, nationale Repräsentation, nationale Legitimität und nationale Souveränität. Nach einiger Zeit unternahm die Regierung von Ali Rıza Pascha in Istanbul einen weiteren Schritt und wollte mit der Repräsentativdelegation verhandeln. 

Aufgrund dieses Schrittes Istanbuls fanden in Amasya Gespräche zwischen den beiden Regierungen statt. Bei den Verhandlungen vom 20. bis 22. Oktober 1919 wurde die Istanbuler Regierung durch Marineminister Salih Hulusi Pascha vertreten; die Repräsentativdelegation durch Mustafa Kemal Pascha, Rauf Orbay und Bekir Sami Kunduh. Am 22. Oktober 1919 wurde ein gemeinsames Protokoll veröffentlicht. Istanbul akzeptierte die Thesen Anatoliens und erkannte sie politisch und rechtlich an. Die Imperialisten erkannten, dass sie die nationale Bewegung in Anatolien nicht mehr über Istanbul kontrollieren und lenken konnten. Bei den Gesprächen in Amasya wurde zudem die Einberufung des Osmanischen Parlaments (Meclisi Mebusan) beschlossen. 

Das schwierigste Thema der Gespräche war die Durchführung der Wahlen und die Eröffnung des Parlaments. Wo sollte das Parlament nach den Wahlen zusammentreten? Im besetzten Istanbul? Oder in Anatolien? Atatürk wollte, dass es in Anatolien zusammentritt. Doch in dieser Frage konnte er selbst seine engsten Mitarbeiter nicht überzeugen. Die Mehrheit stimmte für Istanbul. Um das Problem zu lösen, trafen sich die führenden Kommandeure mit den Mitgliedern der Repräsentativdelegation in Sivas. Auch Ali Fuat Cebesoy und Kazım Karabekir nahmen an dem Treffen teil. Schließlich wurde beschlossen, dass das Parlament in Istanbul zusammentreten sollte. Auch der Ort, an dem die Repräsentativdelegation ihre Arbeit fortsetzen würde, wurde festgelegt. Konya, Eskişehir und Ankara standen zur Auswahl. Aufgrund der zentralen Lage im Krieg, der Anbindung an das Eisenbahnnetz und der Präsenz eines Armeekorps in der Stadt einigte man sich auf Ankara. 

Atatürk verließ Sivas am 22. Dezember 1919 nach einem 108-tägigen Aufenthalt. Er reiste nicht über Yozgat. Über die Route Kayseri – Hacıbektaş – Kırşehir erreichte er am 27. Dezember 1919 Ankara. Zu denjenigen, die Mustafa Kemal Pascha in Ankara empfingen, gehörten der Kommandeur des 20. Armeekorps Ali Fuat Cebesoy, der Gouverneur von Ankara Yahya Galip Bey, der Mufti von Ankara und Vorsitzende der Gesellschaft zur Verteidigung der Rechte von Ankara (Ankara Müdafaa-i Hukuk Cemiyeti) Börekçizade Rifat Hoca sowie die Seymenler. Das Zentrum der Repräsentativdelegation war nun Ankara.