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Ein stiller, zerbrochener Stein, ein listiger Gott

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EIN STEIN IST SCHWER AN SEINEM ORT -172-. VERGESSEN WIR NICHT, LASSEN WIR ES NICHT IN VERGESSENHEIT GERATEN

Als ob sie Diebesgut in Sicherheit bringen wollten, haben sie die Steine von Gaziantep, den Marktplatz von Didim-Milet, die Statuen von Pergamon und viele weitere Schätze aus Anatolien zusammengetragen, gestapelt und abtransportiert.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts haben die Beamten des deutschen Imperialismus, getarnt als Archäologen, diese Stücke ohne jedes Erbarmen durch Diebstahl und zweifelhafte Genehmigungen aus dem Boden gerissen, in dem sie einst erschaffen wurden.

Sie führten ihre eigenen Register und nummerierten unsere Kulturgüter wie Gefangene, denen man im Gefängnis eine Nummer zuweist. Sie haben sie zwar registriert, aber den türkischen Behörden niemals eine Kopie dieser Aufzeichnungen ausgehändigt.

Eines der aus Pergamon entwendeten Statuenfragmente ist ein zerbrochener männlicher Kopf aus Marmor, dessen Beschädigung nicht näher geklärt ist. Ein Teil der rechten Gesichtshälfte fehlt. Das einzige erhaltene Auge ist groß. Das Haar ist lockig.

Abmessungen: 12,3 x 12,5 x 6,4 cm.

Dieser Kopf gehört Hermes, dem Sohn des Zeus, der im alten hellenischen Glauben als Hauptgott verehrt wurde und dem in Pergamon ein prächtiger Altar gewidmet war.

In der Mythologie ist Hermes der Götterbote. Er ist klug und listig. Aus diesem Grund gilt Hermes auch als Schutzpatron der Diebe, Glücksspieler und Kaufleute.

Hermes, der mit seinen geflügelten Sandalen umherwandert, ohne Spuren zu hinterlassen, sorgt nicht nur für die Kommunikation zwischen den Göttern, sondern ist auch der Schutzherr derer, die durch die Schatten wandeln und dunkle Geschäfte betreiben.

Es ist kein Zufall, dass er bereits am Tag seiner Geburt die Rinderherde seines Halbbruders, des Lichtgottes Apollon, stahl; diese Geschichte ist die Verkündung einer Wahrheit, die in seinem Wesen verankert ist: Hermes ist der Gott derer, die Grenzen illegal überschreiten, Schlösser knacken und sich Dinge nehmen, ohne gesehen zu werden.

Für ihn ist Diebstahl nicht nur ein Verbrechen, sondern eine Prüfung der Geschicklichkeit und des Missbrauchs von Intelligenz.

Etwas zu nehmen, ohne erwischt zu werden, zu verschwinden, ohne Spuren zu hinterlassen, und sich durch das Verbiegen der Wahrheit Raum zu verschaffen… In der Welt des Hermes sind dies Zeichen von Meisterschaft.

Deshalb ist Hermes auch der Schutzpatron derer, die sich außerhalb der allgemeinen Moral bewegen, die das Gesetz zu ihrem eigenen Vorteil dehnen und unsichtbare Wege ebnen.

Der berühmte Stab, den er trägt, symbolisiert nicht nur den Frieden, sondern auch die Feinheit der Täuschung; denn Hermes weiß, dass Macht nicht nur in roher Gewalt liegt, sondern in der Wendigkeit der List.

Vielleicht ist dieser zerbrochene Marmorkopf aus Pergamon deshalb nicht nur ein Statuenfragment, sondern symbolisiert auch die Mentalität derer, die ihn von seinem Platz entfernt haben.

Denn hinter jeder großen Plünderung verbirgt sich eine List, die sich selbst für rechtmäßig hält, ein „Hermes-Verstand“.

Dieser zerbrochene Hermes-Kopf, der im Berliner Museumsgefängnis unter der Ident.Nr. AvP VII 29 inhaftiert ist, passt in seiner Art sehr gut zu dem Grund, warum er in dieses Museumsgefängnis gesteckt wurde.

Deutet dieser Hermes-Kopf, der sich auf einer Insel inmitten eines Sumpfes in einem verfallenden Museumsgefängnis befindet und sich nach der Rückkehr in seine Heimat sehnt, etwa auf Carl Humann und seine Bande hin, die den Zeus-Altar von Pergamon und seine historischen Schätze geraubt und gestohlen haben, sowie auf die Diebe, die ihnen nachfolgten?

Flüstert er von den Machenschaften des Osman Hamdi Bey, des Direktors der osmanischen Museen und Malers, der dem Raubzug des Carl Humann, dem Handlanger des deutschen Imperialismus, den Weg ebnete?

Oder von der stillschweigenden Duldung durch Sultan Abdülhamid II.?

Wie bezeichnend ist es doch, dass Berlin, mitten in Europa, den größten und umfassendsten Kunstraub der Menschheitsgeschichte beherbergt!

Wie ironisch ist es, dass die Namen der reichsten Stadt Europas, Berlin, und der Diebe von Pergamon nebeneinander stehen!

DER ZEUS-ALTAR UND DIE PERGAMON-SCHÄTZE GEHÖREN NICHT IN DAS KALTE UND NEBLIGE BERLIN, SONDERN IN DAS SCHÖNE PERGAMON. SIE MÜSSEN UNBEDINGT ZURÜCKKEHREN, SIE MÜSSEN NACH HAUSE KOMMEN.

(Quelle: http://www.smb-digital.de/eMuseum, Database-Antikensammlung. … EncyclopaediaBritannica – “HermesGreekmythology” … PerseusDigital Library – antike Texte und Übersetzungen)