(Fortsetzung von Neuer Imperialismus-1)
In der historischen Epoche, in der wir uns befinden, machen die enormen technologischen Fortschritte, die Transformationen der Produktivkräfte und die tiefgreifenden politischen Veränderungen es immer schwieriger, die Welt zu begreifen.
In unserem zuvor veröffentlichten Artikel mit dem Titel "Neuer Imperialismus-1" haben wir den konzeptionellen Rahmen abgesteckt. Nun betrachten wir das konkreteste und umstrittenste Beispiel dieses Rahmens.
In diesem Artikel werden Sie häufig auf einen Begriff stoßen: Algorithmus.
Definieren wir ihn kurz: Ein Algorithmus ist eine Gesamtheit mathematischer Regeln, die datenbasierte Entscheidungen generiert.
Es ist eine unsichtbare Entscheidungsmaschine, die bestimmt, welche Nachrichten Sie sehen, welche Werbung Ihnen angezeigt wird und sogar, wer ins Visier genommen wird.
Heute ist der Algorithmus nicht nur ein technisches Werkzeug, sondern die Macht selbst.

(Digitale Entscheidungskette)
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Um zu verstehen, wohin diese Macht steuert, muss man zuerst die richtige Frage stellen.
Quo Vadis? Wohin geht die Welt?
Diese Frage verdankt ihren Namen dem Roman "Quo Vadis" des polnischen Schriftstellers Henryk Sienkiewicz.
Diese Frage, die aus dem Konflikt zwischen der absoluten Macht Roms und dem Widerstand des Glaubens entstand, wird heute erneut gestellt.
Doch diesmal wird die Antwort nicht auf den Landkarten der Imperien gesucht, sondern in der unsichtbaren Welt, die von Daten und Algorithmen geschaffen wurde.
Einst wurde Macht an Land gemessen. Dann an Stahl, dann an Öl, dann an Geld.
Heute wird Macht an Daten gemessen.
Und Daten sind nicht mehr nur Information – sie sind die Macht selbst.
Wer die Technologie entwickelt, wer sie finanziert und wem sie dient – das ist die eigentliche Frage.

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Der auf der Ausbeutung von Arbeit basierende Kapitalismus monopolisierte sich zu Beginn des letzten Jahrhunderts durch die Verbindung von Industrie- und Finanzmacht; mit seinem nach außen gerichteten Kapital und der es schützenden militärischen Macht bildete er die Struktur, die wir "Imperialismus" nennen.
In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts wuchs der monopolistische Kapitalismus, der technologische Entwicklungen für seine eigenen Interessen nutzte, immer weiter; durch Kapitalfusionen verwandelte er sich in eine globale Macht.
Mit dem Sprung in den Bereichen Informatik, künstliche Intelligenz und Robotik gewann diese Macht eine neue Dimension: Auch der Kapitalismus wurde digitalisiert.
Die algorithmische Machtordnung fügte der physischen Arbeitsausbeutung die digitale Ausbeutung hinzu. Die monopolistische Struktur wandelte sich in digitale Netzwerkmonopole, der Kapitalexport in Daten- und Algorithmenexport.
Auch die Arbeit blieb von diesem Wandel nicht unberührt: Sie verlagerte sich von der Fabrik und dem Feld an den Bildschirm, in die sozialen Medien. Der Mensch ist heute nicht mehr nur ein Produzent, sondern auch ein Arbeiter, der Daten hinterlässt.
Während in dieser neuen Ordnung die Abhängigkeit von digitalen Plattformen, Dateninfrastrukturen und algorithmischen Systemen zunimmt, verschwindet die Marktlogik nicht; im Gegenteil, es wird eine neue Kontrollschicht darübergelegt, die mit Daten und Algorithmen arbeitet.
"Techno-Feudalismus" beschreibt genau das: dass das System nicht nur ein wettbewerbsorientierter Markt ist, sondern ein Abhängigkeitsverhältnis, das über Zugang und Daten aufgebaut ist.
Dies zeigt, dass der digitale Kapitalismus im Datenzeitalter eine neue "imperiale" Form angenommen hat, die sich verdichtet und feudale Tendenzen in sich trägt.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich Macht jenseits der Produktionsmittel in den Händen derjenigen konzentriert, die Daten und Entscheidungsprozesse kontrollieren.
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Die berühmte Szene aus dem Science-Fiction-Film "2001: Odyssee im Weltraum", den der amerikanische Regisseur Stanley Kubrick 1968 drehte, trägt eine Metapher über den "Zustand der Menschheit" in sich.
Im Abschnitt "Dawn of Man" (Aufbruch der Menschheit) des Films: Der primitive Mensch (eigentlich ein vormenschlicher Hominide) nimmt einen Knochen in die Hand, benutzt ihn zum ersten Mal als Waffe/Werkzeug, tötet einen Rivalen und wirft den Knochen siegreich in die Luft.

(Ein Hominide – ein menschenähnlicher Affe – mit einem Knochenstück als Waffe nach Kubrick)
Und dann folgt eine der berühmtesten Szenen der Filmgeschichte: Während der Knochen in der Luft rotiert, wechselt die Szene: Er verwandelt sich in einen Satelliten, der mit derselben Bewegung im Weltraum rotiert. Ein einziger Schnitt, vier Millionen Jahre.
Kubrick vermittelt mit dieser Szene Folgendes: Der Knochen ist die erste Waffe, der Satellit die moderne Technologie – das Gewaltinstrument in der Hand des Menschen hat lediglich seine Form geändert. Der Knochen hat seinen Platz an Metall und Algorithmen abgetreten.
Doch die Verbindung des Menschen zur Gewalt, das Verlangen, Macht zu ergreifen, und die Angst, sie zu verlieren, sind gleich geblieben.
Deshalb ist Krieg keine Abweichung, die aus der Geschichte herausfällt; er ist ein Phänomen, das die soziale Geschichte der Menschheit begleitet und sich innerhalb der sich mit der Zeit ändernden Werkzeuge und Bedingungen formt.

(Die erste Waffe ist der Knochen – die letzte Waffe ist der Satellit im Weltraum nach Kubrick)
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Krieg bedeutet, Menschen zu töten.
Töten ist ein Phänomen, das dem Leben entgegensteht.
Warum versucht der Mensch, der ein soziales Wesen ist und nur gemeinsam und in Solidarität existieren kann, seinen Artgenossen zu vernichten?
Kriege haben nicht nur eine einzige Ursache; sie entstehen meist durch das Überlagern mehrerer Faktoren.
Wirtschaftlicher Druck, die Sicherung und Erhaltung von Einflussgebieten sowie Sicherheitsängste waren die Gründe für die ersten Kriege.
Später kamen politische und ideologische Faktoren hinzu.
Im letzten Jahrhundert wurden die Krisen des Kapitalismus, der imperialistische Marktwettbewerb und der Kampf um die Aufteilung zu einem der Hauptgründe für Kriege.
Auch die Ermöglichung des Krieges ist ein Faktor.
Neue Waffen, logistische Möglichkeiten und technologische Überlegenheit machen die Entscheidung zum Krieg "umsetzbarer".
Heute hat sich das Wesen des Krieges verändert. Nicht mehr nur Panzer und Gewehre; auch Daten, Algorithmen und der Cyberraum sind Teil des Krieges.

(Einsatz von künstlicher Intelligenz durch die US-Streitkräfte)
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Unser Zeitalter ist das Zeitalter der Algorithmen, die Maschinen nicht lehren, was sie tun sollen, sondern wie sie es tun sollen.
Derjenige, der die Algorithmen schreibt, ist ein Mensch mit einer bestimmten Eigenschaft, einem Glauben und einer sozialen Position – oder er wird von einer sozialen Macht gelenkt.
Mittlerweile schreibt auch die Maschine den Algorithmus; aber der Mensch entscheidet immer noch, wem dieser Algorithmus dient.
Deshalb ist jeder Algorithmus nicht nur ein technisches Werkzeug; er ist eine Entscheidung, eine Priorität und eine Weltanschauung.
Diese Entscheidung wird nicht mehr verborgen: Technologie ist nicht neutral; sie steht im Dienste einer entstehenden neuen Zivilisation und bestimmter Interessen.
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Die ersten Rüstungsunternehmen der Welt entstanden nach der industriellen Revolution.
Zu den Waffenherstellern wie Krupp in Deutschland, Colt und Remington in den USA sowie Vickers in England gesellten sich mit der Zeit Chemie- und Stahlunternehmen wie IG Farben und DuPont sowie Finanz- und Technologieorganisationen.
Das heutige globale Verteidigungssystem wurde auf diesen frühen Beispielen aufgebaut.
Was dabei entstand, war nicht nur Waffenproduktion; es war die Zusammenarbeit von Staat, Industrie, Finanzen und Technologie, die in diesem Ausmaß zum ersten Mal in der Geschichte stattfand.
US-Präsident Dwight D. Eisenhower wies in seiner Abschiedsrede 1961 auf die Risiken dieser Verbindung hin: "Wir müssen uns vor der gefährlichen Auswirkung der engen Beziehung zwischen Staat und Rüstungsindustrie auf die Demokratie schützen", sagte er.
Die heute bekannten Riesen wie Lockheed Martin, Raytheon Technologies, Northrop Grumman aus den USA, deren Wurzeln bis vor oder in den Zweiten Weltkrieg zurückreichen, sowie das britische Unternehmen BAE Systems produzieren heute Flugzeuge, Raketen, Radarsysteme, Satelliten und schwere militärische Systeme und schließen direkt groß angelegte Verträge mit Staaten ab.

(Einsatz von Algorithmen im Krieg)
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Im Kontext der sich wandelnden Produktionsverhältnisse in unserem Zeitalter bringt der Aufstieg des "digitalen Kapitalismus", der auch den Techno-Feudalismus in sich trägt, und die Umklammerung der Welt durch den "neuen Imperialismus" ein Kriegskonzept der neuen Generation auf die Tagesordnung.
Die neuen Könige und Imperatoren führen den Krieg mit Daten, Software und künstlicher Intelligenz.
Amerikanische Unternehmen wie Palantir Technologies, Anduril Industries und SpaceX, das über Starlink militärische Kommunikation bereitstellt, bilden den Kern des neuen Universums, das als "algorithmischer Krieg" bezeichnet wird – mit der Verwaltung des Schlachtfelds durch Daten, Zielerfassung, Geheimdienstanalyse und autonomen Systemen.
BlackRock und die Vanguard Group produzieren zwar keine Waffen direkt, sind aber Großaktionäre von Verteidigungsunternehmen; sie üben durch die Steuerung von Kapitalströmen indirekten Einfluss aus.
Die Cloud-Infrastruktur von Microsoft und Amazon sowie die KI- und Datenanalysesysteme von Google stellen die Hintergrundinfrastruktur moderner Armeen bereit.
Dies alles sind Technologiegiganten.
Ihre Eigentümer oder Manager sind die neuen Könige, die neuen Imperatoren.
Diejenigen, die über Krieg entscheiden, und diejenigen, die die Mittel für den Krieg bereitstellen, sind nun dieselben Personen.
Kriege, die in der Vergangenheit mit Kanonen, Gewehren und Panzern geführt wurden, nutzen heute Daten, Algorithmen, Netzwerke, Finanzen und klassische militärische Macht als Waffen.
Die Rüstungsindustrie ist heute kein System mehr, das nur aus produzierenden Fabriken besteht, sondern aus Software, die Entscheidungen generiert, Fonds, die Kapital lenken, und Netzwerken, die Kommunikation ermöglichen.

(Rechenzentren und Algorithmen)
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Während der "militärisch-industrielle Komplex" im Westen durch Unternehmen wuchs, folgte der Prozess im Osten einer anderen, aber im Ergebnis ähnlichen Linie.
In der Sowjetunion gab es keine privaten Unternehmen; Panzer, Raketen, Atomwaffen, Weltraumtechnologie – alles wurde durch staatliche Planung produziert.
1991 brach das System zusammen, aber diese Kapazität verschwand nicht; sie überlebte unter staatlicher Kontrolle in riesigen Holdings wie Rostec und Almaz-Antey.
China versuchte einen anderen Weg: Es öffnete die Wirtschaft für den Markt, behielt aber die Rüstungsindustrie in staatlicher Hand. AVIC, NORINCO und CASC sind die Hauptakteure in diesem Bereich.
China, das heute in den Bereichen künstliche Intelligenz, Drohnen und Cyberkrieg schnell aufsteigt, verfolgt eine "Fusionspolitik" (die Zusammenführung von ziviler und militärischer Technologie in einer Hand) zwischen zivilen Technologieunternehmen und dem militärischen Bereich.
Das Modell ist nicht mehr auf diese drei großen Staaten beschränkt.
"Der Staat lenkt, Unternehmen produzieren, Technologie wird durch externe Partnerschaften genährt" – diese Formel gilt in den meisten Ländern.
In der Türkei haben Baykar, ASELSAN, Roketsan und Turkish Aerospace Industries in den letzten zwanzig Jahren erfolgreiche Beispiele für dieses Modell geliefert.
Mit der Bayraktar TB2 wurde globale Sichtbarkeit erlangt; Projekte für Kampfflugzeuge der 5. Generation wie KAAN werden durchgeführt.
Ähnliche Arbeiten sind auch in Europa, Indien, Israel und sogar im Iran zu beobachten. Waffen sind nicht mehr nur das Monopol der Großmächte. Dies vervielfacht die Gefahr der Gleichung.
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Für die digitale Bourgeoisie ist Technologie ein Mittel zur Profitmaximierung; für die arbeitenden Klassen ist sie lediglich die Bedingung, um besser leben zu können.
Die datenbasierte algorithmische Welt bringt die Nutzer in folgende Position: Sie bieten Plattformen wie Facebook, Instagram und X ständig Arbeit, Daten und Verhalten an; im Gegenzug erhalten Sie kein echtes Eigentums- oder Kontrollrecht.
Das Kapital hingegen wird durch Technologie immer mächtiger; es bringt neue Könige, neue Imperatoren hervor.
Dieses System, das die ganze Welt wie ein Krake mit seinen Armen umschlingt, verleiht dem Imperialismus mit den Möglichkeiten kognitiver Anwendungen eine neue Form.
Technologie dient der Menschheit, ist neutral, formt sich in der Hand des Nutzers – dieses Märchen zieht nicht mehr.
Krieg bedeutet den Tod von Menschen, die Zerstörung jahrzehntelanger Arbeit.
Und diese Zerstörung ist der Gnade der Technologie, die in den Armen einer grenzenlosen Macht wächst, und des neuen Imperialismus, der sie besitzt, ausgeliefert.
Welche Katastrophen dieser neue Imperialismus, der diese große Macht in seinen Händen hält, für die Menschheit vorbereitet, wird nicht mehr verborgen; es wird von den Sprechern des neuen Imperialismus und den Lieferanten von Kriegsmaterial selbst lautstark ausgesprochen.

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In diesem neuen Umfeld wird die Rolle der Informatik in den Bereichen Wirtschaft, Politik und Krieg immer intensiver diskutiert.
Im Zentrum dieser Diskussionen steht das US-amerikanische Unternehmen Palantir Technologies; ein fortschrittliches Softwareunternehmen, das datenbasierte Entscheidungssysteme für Staaten und große Institutionen entwickelt.
Der CEO des Unternehmens, Alex Karp, veröffentlichte am 18. Februar 2025 das Buch "The Technological Republic: Hard Power, Soft Belief, and the Future of the West" (Die technologische Republik: Harte Macht, weicher Glaube und die Zukunft des Westens), das er gemeinsam mit Nicholas Zamiska geschrieben hat.
Das Buch erregte Aufmerksamkeit; aber das eigentliche Echo erzeugte der 22-Punkte-Zusammenfassungstext, der am 19. April 2026 über den X-Account des Unternehmens veröffentlicht wurde.
Die Auseinandersetzung zwischen den USA und Venezuela kurz nach der Veröffentlichung dieses Buches; die Art und Weise und die Heftigkeit der darauf folgenden Kriege Israel-Palästina, USA+Israel-Iran, Israel-Libanon und Ukraine-Russland haben die Rolle von Algorithmen im Krieg offengelegt.
Die Rücksichtslosigkeit der US-, israelischen und russischen Führung machte Karps Thesen zu einem Schlüssel für das Verständnis der Gegenwart.
Die Menschheit hatte Schwierigkeiten, die Bedingungen zu begreifen, unter denen Situationen entstanden, die es so noch nie gegeben hatte, und bei denen klar wurde, dass dies noch weiter gehen würde.
Ein solcher Krieg, eine Zeit, in der Informatik und Kommunikation das Leben so sehr beeinflussen, war zuvor noch nie gesehen worden.

(Das Cover von Alex Karps Buch "Die technologische Republik", das für Diskussionen sorgt)
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Was war dieses Palantir?
Wer waren die Eigentümer, die Manager; was war ihr Ziel?
Palantir Technologies wurde 2004 von Peter Thiel und Alex Karp gegründet.
Thiel war ein Unternehmer und Investor, der 1967 in Frankfurt, Deutschland, geboren wurde, als Kind in die USA zog und an der Stanford University Philosophie und Jura studierte.
Karp hingegen war ein Akademiker, der 1967 in New York geboren wurde, einen Bachelor am Haverford College absolvierte und an der Goethe-Universität in Deutschland in Sozialtheorie und Philosophie promovierte.
Diese zwei unterschiedlichen intellektuellen Hintergründe kreuzten sich Anfang der 2000er Jahre und institutionalisierten sich 2004 mit der Gründung von Palantir.
Die geistige Grundlage der Zusammenarbeit basiert auf PayPal, das Thiel 1998 gründete.
Das Ziel war einfach: Geld zu digitalisieren, um ein alternatives globales Zahlungsnetzwerk zu Banken aufzubauen und Finanzen in Software zu verwandeln. Thiel verkaufte PayPal 2002 an den globalen E-Commerce-Riesen eBay.
Mit Palantir erweiterte und vertiefte sich diese Vision. Die Verarbeitung und Analyse von Daten sowie deren Nutzung in den Entscheidungsfindungsprozessen von Staaten in den Bereichen Sicherheit, Geheimdienst und Krieg wurden zum Ziel.
Während Thiel das Kapital und die strategische Richtung vertrat, verlieh Karp dieser Struktur einen ideologischen Rahmen und Management.
So gelang der Übergang von einem Unternehmen, das Finanzströme transformierte, zu einer globalen Macht, die Datenströme und geopolitische Entscheidungsmechanismen beeinflusst.

(Das Logo von Palantir)
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Die neuen Machtformen, die mit dem Aufstieg der Technologien der künstlichen Intelligenz entstanden sind, stimmen mit der Definition des neuen Imperialismus überein.
Karps Arbeit bildet einen neuen Rahmen um das Gleichgewicht zwischen Sicherheit und Freiheit, die Beziehung von Technologieunternehmen zum Staat, das Konzept der Techno-Bourgeoisie und die Diskussionen über "Techno-Faschismus".
Dass künstliche Intelligenz nicht nur ein technisches Werkzeug, sondern auch ein ideologisches und geopolitisches Machtelement ist, wird heute zur Realität.
Diese Realität wird durch die direkte finanzielle und ideologische Unterstützung, die Thiel politischen Akteuren zukommen lässt, noch konkreter.
Ein pessimistisches Bild – aber das Erscheinungsbild wird immer deutlicher.
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Im ersten Viertel des 21. Jahrhunderts begannen Technologien der künstlichen Intelligenz, über die wirtschaftlichen Produktionsmittel hinauszugehen und politische Entscheidungsprozesse zu transformieren.
Dieser Wandel wird durch die Beziehungen sichtbar, die Unternehmen, die Big-Data-Analysen und Sicherheitsanwendungen entwickeln, mit Staaten aufbauen.
Palantir Technologies ist das auffälligste Beispiel für diesen Wandel.
Schon der Name des Unternehmens verrät diese Funktion: "Palantir" ist die magische uralte Kugel im Universum von J.R.R. Tolkiens "Der Herr der Ringe", die dazu dient, über weite Entfernungen zu sehen und zu kommunizieren.
Das Unternehmen behauptet, durch Daten das Unsichtbare zu sehen und die Zukunft vorherzusagen.

(Der Palantir in Tolkiens "Der Herr der Ringe"-Universum – die magische Kugel, die das Unsichtbare sieht. Palantir Technologies hat diesen Namen von hier: der Anspruch, durch Daten alles zu sehen, alles zu analysieren. KI-generiertes Bild)
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Laut Karp, einem der Ideologen des neuen Imperialismus, ist Technologie nicht neutral; sie muss im Dienste des westlichen Kapitalismus und einer bestimmten politischen Ordnung positioniert werden.
Der klassische liberale Ansatz definiert Technologie als neutrales Werkzeug.
Diese Ansicht wird zunehmend unhaltbar.
Karps Ansatz ist der radikale Ausdruck dieser Hinterfragung: Die Technologiebasis der USA, das Silicon Valley in Kalifornien, trägt Verantwortung gegenüber den nationalen Interessen, denen es seinen Aufstieg verdankt, und muss eine aktive Rolle im Bereich Verteidigung und Sicherheit spielen.
Thiel beließ es nicht bei der Rhetorik; er setzte dies in die Praxis um. Bei den Präsidentschaftswahlen 2016 unterstützte er Trump offen und hielt eine Rede auf dem Nationalkongress der Republikanischen Partei.
Bei den Wahlen 2022 stellte er J. D. Vance, der später US-Vizepräsident werden sollte, eine Unterstützung von etwa 10 Millionen Dollar zur Verfügung.
Die anschließende Unterstützung für Blake Masters zeigt die Kontinuität dieses Modells. Die Technologie-Elite beeinflusst politische Kader nicht mehr nur; sie bildet sie direkt aus.

(Peter Thiel, Donald Trump und Alex Karp. Die neuen Imperatoren)
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Thiels Verteidigung der Zusammenarbeit zwischen Staat und Technologie erklärt, warum Palantir kein gewöhnliches Unternehmen ist. Technologie hört auf, eine wirtschaftliche Ware zu sein, und wird zu einem strategischen und ideologischen Werkzeug.
Dies unterscheidet sich vom indirekten politischen Einfluss der klassischen Bourgeoisie durch wirtschaftliche Macht.
Dieselben Akteure finanzieren sowohl politische Vertreter als auch produzieren Kriegstechnologien.
Dies ist das Äquivalent der Integration von Finanzkapital und Staat, die zu Beginn des letzten Jahrhunderts diskutiert wurde, im digitalen Zeitalter.
Die Konzentration, Monopolisierung und der Export von Kapital, die in der klassischen Definition des Imperialismus betont werden, werden heute über Daten- und Algorithmenmonopole reproduziert.
Das konkreteste Beispiel für diese Verbindung ist die Beziehung, die Palantir mit der israelischen Armee aufgebaut hat. Es ist bekannt, dass das Unternehmen nach 2024 eine "strategische Partnerschaft" mit dem israelischen Verteidigungsministerium eingegangen ist und Geheimdienst-, Zielbestimmungs- und Datenanalysedienste anbietet.

(Palantir-Israel strategischer Partner in der Kriegstechnologie – Bloomberg-Nachricht. 12.01.2024)
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Eine der grundlegenden Funktionen moderner Staaten ist die Gewährleistung von Sicherheit.
Doch mit der künstlichen Intelligenz erfährt das Sicherheitsverständnis einen grundlegenden Wandel.
Laut Karp reichen die klassischen "Soft Power"-Instrumente nicht aus; sie werden durch softwarebasierte "Hard Power" ersetzt.
Dieser Wandel bringt auch ein Grenzproblem mit sich: Wo endet der Staat, wo beginnt das private Technologieunternehmen?
Unternehmen wie Palantir sind nicht mehr nur Dienstleister; sie sind Akteure, die Sicherheitspolitik gestalten.
Es ist bekannt, dass Palantir und ähnliche Unternehmen eine aktive Rolle in den in Gaza eingerichteten militärischen Koordinationszentren spielen und dass die vor Ort gesammelten Daten mit KI-Systemen analysiert werden, um operative Entscheidungen zu lenken.
Sicherheit ist nicht mehr das Monopol des Staates; sie ist ein Bereich, der mit gewinnorientierten Unternehmen geteilt wird.

(Protestdemonstrationen gegen Palantir in den USA)
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Künstliche Intelligenz verändert auch das Wesen des Krieges. Dass die politischen Präferenzen der Technologie-Eliten direkten Einfluss auf militärische Strategien haben können, lässt das Dreieck Technologie–Politik–Krieg auf eine Weise verschmelzen, die es so noch nie gegeben hat.
Laut Karp geht es nicht darum, ob KI-basierte Waffen entwickelt werden sollen oder nicht; es geht darum, von welchen Akteuren und zu welchem Zweck sie eingesetzt werden.
Das nukleare Zeitalter geht zu Ende; das neue Abschreckungsregime basiert auf künstlicher Intelligenz.
Software ist kein unterstützendes Element mehr; sie ist der Bestimmungsfaktor der Kriegskapazität.
Es wird zum Ausdruck gebracht, dass KI-Systeme bei den Operationen der USA und Israels gegen den Iran im Zeitraum 2025–2026 direkt zur Zielbestimmung, Priorisierung und zum Testen von Kriegsszenarien in virtuellen Umgebungen eingesetzt wurden; der Krieg wurde zum ersten Mal mit "Maschinengeschwindigkeit" geführt.
Diejenigen, die den Algorithmus schreiben und nutzen, berechnen nicht mehr nur die Zukunft; sie bestimmen sie – sie entscheiden auch darüber, wer lebt und wer stirbt.
Und der Mensch?
(Wird fortgesetzt – Neuer Imperialismus-3: Techno-Faschismus, Widerstand und Quo Vadis)
Sefa Taşkın
10.05.2026
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