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Steine auf dem Weg in die Hölle!

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DER RAUB VON GAZİANTEP – TEIL 4

STEINE AUF DEM WEG IN DIE HÖLLE!

EIN STEIN WIEGT AM MEISTEN AN SEINEM ORT – FOLGE 168. VERGESSEN WIR NICHT, LASSEN WIR NICHT VERGESSEN!

Der Wert der historischen Artefakte, die aus Gaziantep–Zincirli und seiner Umgebung verschleppt wurden, wird heute aus der Perspektive der anatolischen Geschichte immer deutlicher erkannt.

Die in Zincirli gefundenen historischen Überreste und Inschriften liefern – obwohl die Geschichte der Region bis in weit ältere Epochen zurückreicht – einzigartige Erkenntnisse über die Entstehung, Entwicklung und gegenseitige Durchdringung der Kulturen, die in diesem Land vor allem zwischen dem 10. und 7. Jahrhundert v. Chr. existierten.

Die Verwaltungsspur des Hethitischen Reiches, das im 2. Jahrtausend v. Chr. die erste politische Einheit in Anatolien gründete, reicht bis nach Zincirli.

Diese Spur vertieft sich durch die Schrift und die Glaubenswelt der luwischen Kultur, die die Hethiter beeinflusste und sie mit der Zeit ablöste.

In der ersten Hälfte des 1. Jahrtausends v. Chr. traten in derselben Region verschiedene semitische Gemeinschaften (Vorfahren der Araber) wie die Phönizier und Aramäer auf den Plan.

Das entstehende Bild offenbart eine vielschichtige kulturelle Kontinuität, die sich über Jahrhunderte in diesem Land erstreckte.

Durch archäologische Forschungen wurde festgestellt, dass die Stadt auf dem Zincirli Höyük – auf einem Hügel in einer Ebene, die sich an das Amanusgebirge lehnt und im Aramäischen den Namen Sam'al (Til Barsip) trägt – von einer doppelten Stadtmauer umgeben war und dass Verwaltungs- und Kultbauten innerhalb dieser Verteidigungsanlagen lagen.

(Gaziantep-Zincirli und Umgebung – erstes Viertel des 1. Jahrtausends v. Chr.)

***

Zincirli Höyük wurde 1883 entdeckt – nur zwei Jahre nach der Ernennung von Osman Hamdi Bey zum Direktor des Müze-i Hümâyun (Staatsmuseum) im Osmanischen Reich – und zwar durch das Team des als Archäologen verkleideten Diebes Carl Humann, der den Zeusaltar von Pergamon und seine einzigartigen Skulpturen nach Deutschland geschmuggelt hatte.

Osman Hamdi Bey und Carl Humann hatten den Nemrut Dağı, wo historische Überreste gemeldet worden waren, wahrscheinlich getrennt voneinander bestiegen, die dortigen Artefakte untersucht und sich anschließend in der Nähe des Nemrut Dağı getroffen. Auf dem Rückweg hatte Hamdi Bey aufgrund von Hinweisen auf das Vorhandensein von Altertümern die Ortschaft Zincirli in Gaziantep aufgesucht, wahrscheinlich in Begleitung der deutschen Archäologen Otto Puchstein und Felix von Luschan. (Oğuz Satır und Ali Çifçi: The "Worthless Stones" of Zincirli: Osman Hamdi Bey and the German Excavations of 1888–1902. Dergi Park, S. 215).

Hamdi Bey hatte hier neben den an der Oberfläche verstreuten Artefakten bei seinen Sondierungen festgestellt, dass auch der Untergrund voller historischer Objekte war.

(Carl Humann – Räuber von Pergamon und Gaziantep – wie stolz er doch aussieht!)

Natürlich auch die Deutschen an seiner Seite!

Währenddessen setzte Carl Humann, der auch den Raub von Pergamon fortführte, mit flinken Händen und zweifelhaften Genehmigungen den Schmuggel der prächtigen Marmore von Pergamon fort.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass Osman Hamdi Bey in diesem Zeitraum Humann kennenlernte.

Osman Hamdi Bey, eine interessante und farbenfrohe Persönlichkeit, bekannt als Staatsmann, Museumsdirektor, Ausgrabungsleiter und Maler, war durch seine Mitarbeit im Team, das 1884 die Asâr-ı Atîka Nizamnâmesi (Antikenverordnung) ausarbeitete, zur nahezu alleinigen Autorität in Fragen der Ausgrabung und Ausfuhr historischer Artefakte geworden.

Im Osmanischen Reich jener Zeit galt er als der Einzige, der sich mit diesen Dingen auskannte! Zudem war seine Nähe zu Sultan Abdülhamid II. aufgrund seines Vaters, des ehemaligen Großwesirs Sakızlı İbrahim Ethem Pascha, bekannt.

Unter diesen Umständen war es unmöglich, dass er von der Verschleppung des Zeusaltars von Pergamon nichts gewusst hatte.

(Osman Hamdi Bey, Sohn des Großwesirs İbrahim Ethem Pascha)

***

Carl Humann, der den Raub von Pergamon mit offener und verdeckter Unterstützung des preußischen/deutschen Staates durchgeführt hatte, erfuhr von der Existenz des historischen Schatzfundus in Gaziantep selbstverständlich dank der Oberflächenuntersuchung, die Osman Hamdi Bey gemeinsam mit den Deutschen durchgeführt hatte.

Auf Betreiben Carl Humanns wurde in Berlin – um Ausgrabungen in Zincirli durchzuführen und die dabei geborgenen Artefakte auf irgendeine Weise nach Deutschland zu bringen – zusammen mit einschlägigen berühmten Persönlichkeiten, die solchen Unternehmungen zugeneigt waren, wie Adolf Erman, Alexander Conze, Eberhard Schrader und Ernst Curtius, eine Struktur namens „Orient-Komitee" gegründet, die die Ausgrabungs- und Schmuggelaktivitäten in Gaziantep unterstützen und finanzieren sollte.

Dieses Komitee begann mit der Zeit, gemeinsam mit C. Humann wie eine organisierte Schmuggelorganisation zu arbeiten.

Während das Komitee einerseits Mittel für diese Zwecke suchte und beschaffte, vertiefte Carl Humann andererseits seine Beziehungen zu dem ihm bereits bekannten Osman Hamdi Bey.

Man hatte sich wegen der Pergamon-Artefakte kennengelernt, war 1883 gemeinsam auf den Nemrut Dağı gestiegen, hatte Zincirli entdeckt; und im darauffolgenden Jahr, 1884, war die neue Asâr-ı Atîka Nizamnâmesi in Kraft getreten, die Osman Hamdi Bey in die Position des „Genehmigenden und Entscheidenden" brachte.

(Carl Humann, Otto Puchstein, Felix von Luschan, Osman Hamdi und Yervant Osgan in der Nähe des Nemrut Dağı – 1883. Foto und Bildunterschrift: F. von Luschan. Aus dem Deutschen Staatsarchiv in Berlin.)

In dieser Angelegenheit lagen die Fäden des Staates nun vollständig in Hamdi Beys Händen.

Schliemann, der Troja-Dieb und Plünderer Anatoliens, berichtete offen, dass er Osman Hamdi Bey in Paris getroffen und von ihm das Versprechen erhalten hatte, eine Ausgrabungsgenehmigung für Troja–Çanakkale zu bekommen. (Rustem Aslan. Osman Hamdi Bey ve Troia kazıları. KUBABA. Sayı:14. S. 24. 2009).

Ein anderer ausländischer Architekt–Archäologe, der US-Amerikaner Henry Bacon, beschrieb Osman Hamdi Bey als einen Beamten, „der Bestechung erwartete und unter 300 Dollar keine Arbeit erledigte". (Henry Bacon, Assos Days, S. 47; zit. nach Rüstem Aslan, S. 24).

Waren dies Verleumdungen von Ausländern, die in Anatolien graben wollten, aber keine Genehmigung erhielten und denen er Schwierigkeiten bereitete – oder waren es Anzeichen für Korruption auf diesem Gebiet?

Wie dem auch sei: Carl Humann hatte nun sehr gut verstanden, dass die für seinen geplanten Raub in Gaziantep benötigte Genehmigung durch Osman Hamdi Beys Tür führte.

Die Beziehungen wurden vertieft, man war einander fast zu engen Freunden geworden.

Carl Humann hatte Osman Hamdi Bey wahrscheinlich als Gegenleistung für die Duldung des Schmuggels in Pergamon und für die angestrebte Genehmigung für Gaziantep zahlreiche Geschenke angeboten (!)(Funda Berksoy, Osman Hamdi Bey's Turkish Street Scene and Late-Nineteenth-Century Power Relations between the Ottoman and German Empires. S. 61–64. https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/zkg-2025)

Osman Hamdi Bey hatte diese anfangs angeblich abgelehnt, war aber seinem Ehrgeiz erlegen, ein berühmter Maler in Europa zu werden.

Er hatte zugestimmt, sein orientalistisches Gemälde „Eine türkische Straßenszene" über Humanns Vermittlung an die Berliner Nationalgalerie, also an den deutschen Staat, zu verkaufen; und die Deutschen hatten es bereitwillig erworben.

(Das von deutschen Museen angekaufte Gemälde „Türkische Straßenszene" von Osman Hamdi Bey. 1887–1888, Öl auf Leinwand. Maße: 60 × 122 cm. Im Berliner Staatsmuseum, Alte Nationalgalerie, Inv.-Nr. A I 420)

Wer weiß, wie viel Mühe C. Humanns Berliner „Orient-Komitee"-Bande bei diesem Kaufprozess aufgewendet hatte!

Die Banane hing am Ende des Stocks!

Danach mobilisierte sich Osman Hamdi Bey in Istanbul geradezu dafür, dass die Deutschen in Gaziantep graben durften, und motivierte sie sogar persönlich:

„Los, worauf warten Sie noch; stellen Sie den Antrag", sagte er.

„Die Ausgrabungsgenehmigung für Zincirli wurde Carl Humann am 23. März 1888 gemäß der Asâr-ı Atîka Nizamnâmesi von 1884 erteilt."

Die Genehmigungsbefugnis lag ohnehin bei Osman Hamdi Bey persönlich.

„Diese Genehmigung wurde Carl Humann am 29. März 1888 durch den deutschen Botschafter in Istanbul, Joseph M. von Radowitz, übermittelt."

„Die Genehmigung galt für ein Jahr, und Ahmet Bedrettin Bey wurde im Namen des osmanischen Müze-i Hümâyun als Aufseher für die Ausgrabungen ernannt." (Oğuz Satır und Ali Çifçi: The "Worthless Stones" of Zincirli: Osman Hamdi Bey and the German Excavations of 1888–1902. Dergi Park, S. 217–218).

***

(Ein in Berlin angefertigtes Modell von Sam'al–Zincirli aus dem 1. Jahrtausend v. Chr. Und der heutige ausgegrabene Zustand des Zincirli Höyük)

Die Ausgrabungen für den Raub in Gaziantep verfolgen wir anhand der wertvollen Informationen, die Doç. Dr. Oğuz Satır und Doç. Dr. Ali Çifçi von der Marmara-Universität aus osmanischen Archivdokumenten und der Korrespondenz der deutschen Schmuggler zu diesem Thema zusammengetragen haben:

„Die ersten Ausgrabungen in Zincirli begannen am 9. April 1888 und dauerten bis zum 22. Juli 1888. Die Ausgrabungen wurden abwechselnd von C. Humann und seinem Assistenten F. von Luschan geleitet.

Humann beabsichtigte anfangs, die Ausgrabungen mit möglichst vielen Arbeitern zügig voranzutreiben und neue Funde sowie (von einem früheren Besuch) bekannte Reliefs in kurzer Zeit freizulegen."

„Sein Ziel war es, diese Artefakte zum Hafen von İskenderun zu transportieren, um sie nach Deutschland zu verschiffen."

„Außerdem wollte er in Sakçagözü in der Nähe von Zincirli graben (wo auf den ersten Blick bedeutende Artefakte zu vermuten waren); ungünstige Witterungsbedingungen, unzureichende Ausrüstung und Malaria verhinderten jedoch eine umfassende und planmäßige Ausgrabung."

„Die Arbeiten begannen in einem Bereich nahe der Stelle, wo Osman Hamdi Bey 1883 seine erste Sondierung vorgenommen hatte, und schon bald wurden bedeutende Funde gemacht."

„Am dritten Tag wurde ein neues Relief des assyrischen Königs Asarhaddon (680–669 v. Chr.) entdeckt. Humann teilte Osman Hamdi Bey den Fund dieser Stele in einem Brief mit, der auch eine Zeichnung des Reliefs enthielt."

(In Zincirli gefundener und nach Deutschland gebrachter Reliefstein mit der Darstellung des assyrischen Königs Asarhaddon (Regierungszeit 680–669 v. Chr.))

„Neben dieser Stele wurden in dieser ersten Ausgrabungsperiode 40 Bildsteine, ein großes Burgtor (mit ebenfalls bildlichen Reliefs) und in der Nähe des Hügels eine Inschrift mit aramäischen Texten, die sogenannte Panamuwa-II.-Stele, geborgen."

„Am Ende der Ausgrabungen wurden die Funde mit von Ochsen gezogenen Karren zunächst nach İslâhiye und dann über den Belen-Pass zum Hafen von İskenderun transportiert."

***

(Einer der nach Deutschland gegangenen Steine (!). Tarhund, der Sturm-/Wettergott der Luwier, mit einem Blitz in der einen und einer Axt in der anderen Hand. Berlin, Vorderasiatisches Museum)

„Am 22. Mai 1888 stellte Osman Hamdi Bey in Abstimmung mit Humann bei den zuständigen Behörden einen Antrag auf Überführung der in Zincirli gefundenen Artefakte nach Istanbul."

„Etwa einen Monat später, am 18. Juni, wurde das Kaymakamlik von İslâhiye darüber informiert, dass der Transport der in Zincirli ausgegrabenen Artefakte nach İskenderun nicht behindert werden dürfe."

Humann durfte nicht behindert werden!

„Unmittelbar darauf, am 30. Juni, wurde dem Maarif Nezareti (Bildungsministerium) die Bitte übermittelt, Humann zu erlauben, einige Artefakte ins Berliner Museum zu bringen, und im Gegenzug die Transportkosten nach Istanbul zu übernehmen."

„Am 10. August erreichten 82 Kisten mit Artefakten aus den ersten Ausgrabungen in Zincirli den Istanbuler Zoll."

Natürlich war gemäß der Nizamname von 1884 für die Ausfuhr dieser Kisten ins Ausland die Genehmigung von Osman Hamdi Bey zwingend erforderlich.

„Auf Humanns Wunsch hin wurde diese Genehmigung von Osman Hamdi Bey angefordert."

Dabei war er es persönlich gewesen, der diese Ausgrabungen überhaupt erst in Gang gebracht hatte.

„Hamdi Bey, Direktor der osmanischen Museen, erstellte einen detaillierten Bericht über die bei der Zincirli-Ausgrabung gefundenen Artefakte."

„In diesem Bericht vom 22. Juli 1888 wurde festgehalten, dass ein dreiköpfiges Komitee unter Humanns Vorsitz gemäß der Asâr-ı Atîka Nizamnâmesi in Zincirli gegraben und unter Aufwendung von 60–70.000 Francs (17–20 kg Gold) 89 ‚gemeißelte Steine' zutage gefördert hatte."

„In seinem Bericht führte Hamdi Bey aus, dass die bei den Ausgrabungen gefundenen Reliefs unter großen Schwierigkeiten zunächst nach İskenderun und dann per Dampfschiff nach Istanbul transportiert worden seien und dass die Deutschen als Gegenleistung für diese Kosten einen Teil der Artefakte beanspruchten."

„Außerdem behauptete er, diese Reliefs seien ‚gewöhnliche schwarze Basaltsteine', hätten keinen künstlerischen Wert, ähnelten einander sehr, und die Deutschen hätten sie unter großen persönlichen Opfern nach Istanbul gebracht."

„Schließlich teilte Hamdi Bey gestützt auf Artikel 32 der Asâr-ı Atîka Nizamnâmesi mit, dass er keine Einwände dagegen sehe, Humann ‚5–10 Stücke' davon zu übergeben."

„Obwohl Artikel 8 der Nizamname die Ausfuhr von Artefakten ins Ausland verbot, sah Artikel 32 unter bestimmten Bedingungen (angeblich) Ausnahmen für derartige Transfers vor." (Oğuz Satır – Ali Çifçi, The "Worthless Stones" of Zincirli, S. 230–231)

Während diese Vorgänge abliefen, verhielt sich Hamdi Bey nicht wie ein hochrangiger Beamter des Osmanischen Staates in dieser Angelegenheit, sondern wie ein Beamter des deutschen Staates.

Geben, geben, sagte er, schicken wir die Steine Anatoliens nach Berlin.

Jenes Berlin, das 1945 unter Bomben zur Hölle werden sollte; das als Museum bezeichnete Gebäude, in das die Artefakte gebracht worden waren, sollte zur Ruine werden; man sollte erkennen, dass der Boden, auf dem dieses Gebäude errichtet worden war, ein Sumpf war, und in den 2010er Jahren sollte man nach Wegen suchen, um zu verhindern, dass die Artefakte verfaulen und im Wasser versinken.

Was für ein unerträglicher Zustand!

Was für eine Traurigkeit!

Natürlich zwinkert das Gemälde „Türkische Straße", das Hamdi Bey an den deutschen Staat verkauft hatte, seit Jahren den Besuchern von den Wänden des Berliner Museums zu!

(Die Panamuwa-II.-Inschrift des Königs von Sam'al, gefunden in Zincirli an der Fundstelle Tahtalı Pınar auf dem Weg nach Gerçin)

.***

„(Da vom Osmanischen Staat in dieser Phase offenbar kein nennenswerter Einwand kam,) forderte Humann am 13. August beim Maarif Nezareti (Bildungsministerium) erneut die Artefakte an, die er bei den Ausgrabungen gefunden hatte und nach Berlin zu bringen plante – diesmal als Gegenleistung für die Transportkosten nach Istanbul."

Der Imperialismus begnügte sich nicht mit dem, was er bereits mitgenommen hatte.

Er war schlimmer als ein Gewohnheitstier!

Er begnügte sich nicht damit, die historischen Artefakte Anatoliens offen oder verdeckt zu schmuggeln, sondern wollte unsere Artefakte faktisch beschlagnahmen, indem er die Transportkosten von Gaziantep nach Istanbul als Vorwand nutzte.

Als hätte der Osmanische Staat sie gezwungen, die Ausgrabungen durchzuführen!

„Daraufhin fragte das Maarif Nezareti, da die Genehmigungsbehörde Osman Hamdi Bey war, ihn persönlich, was zu tun sei!"

Das Lamm wurde dem hungrigen Fuchs übergeben!

Was für ein weites Befugnisfeld hatte Osman Hamdi Bey!

„Hamdi Bey, Direktor des Müze-i Hümâyun, dem der Osmanische Staat das kulturelle Erbe des Landes anvertraut hatte, teilte dem Maarif Nezareti in seiner Antwort mit, dass die bei den Ausgrabungen geborgenen Steine ‚keinen künstlerischen Wert' hätten."

Man beachte diese Einschätzung!

Die einzigartigen Artefakte Gazianteps, die die Geschichte Anatoliens damals hätten neu schreiben können – in Konzept, Blickwinkel und handwerklicher Fertigkeit –, hätten laut Hamdi Bey „keinen künstlerischen Wert"!

„Gleichwohl betonte Hamdi Bey, dass sein Freund Humann beim Transport der betreffenden Artefakte große persönliche Opfer gebracht habe, und wiederholte, dass er – unter der Bedingung, dass dies keinen Präzedenzfall schaffe (!) – keine Einwände dagegen sehe, Humann ‚5–10 ähnliche Stücke' zu übergeben." (Oğuz Satır und Ali Çifçi: The "Worthless Stones" of Zincirli: Osman Hamdi Bey and the German Excavations of 1888–1902. Dergi Park, S. 230–231).

Der Deckmantel war bereit: Es soll keinen Präzedenzfall schaffen!

Ach, Anatolien: Was hast du alles erduldet, was hast du alles erlebt unter den Händen dieser Imperialisten und ihrer Kollaborateure!

(Einer der in Zincirli gefundenen, nach Deutschland gebrachten schwarzen Basaltsteine, die laut Hamdi Bey angeblich keinen künstlerischen Wert hatten (!). Ein Skulpturensockel. Berlin, Vorderasiatisches Museum – Foto: Tayfun Bilgin)

***

„Das Maarif Nezareti übermittelte am 14. August in einem Schreiben an die Hohe Pforte (Bâbıâli/Regierung) Osman Hamdi Beys Ansicht, dass es angemessen sei, Humann 5–10 Artefakte zu übergeben."

Doch die allzu offensichtliche Nähe zwischen Hamdi Bey und C. Humann muss in der Hauptstadt Übelkeit erregt haben, denn „in der von Großwesir Kâmil Pascha (1833–1913) unterzeichneten und am 30. August an das Maarif Nezareti gesandten Antwort wurde ausdrücklich festgestellt, dass Humanns Kosten nicht durch die Übergabe von Artefakten, sondern durch die Bewertung und den Verkauf der Artefakte und die Begleichung der Kosten aus dem erzielten Erlös beglichen werden müssten."

Da der Direktor des Müze-i Hümâyun diese Steine als „grobe, wertlose und künstlerisch minderwertige" Objekte bezeichnete, dachte der Großwesir wohl: „Dann sollen diese wertlosen Steine verkauft werden; das Land braucht Geld!"

Vielleicht wären Gazianteps 3.000 Jahre alte, unschätzbare Inschriften als Pflastersteine für Kopfsteinpflaster verwendet worden!

Osman Hamdi Bey sah und hörte das alles wohl nicht – oder tat zumindest so.

„Daraufhin wurde C. Humann mit einer Mitteilung vom 8. September aufgefordert, diese Artefakte (die wertlosen Steine) zu bewerten."

„Humann listete in einem Schreiben an Osman Hamdi Bey vom 13. September die Transportkosten detailliert auf und behauptete, Gesamtkosten von 3.600 Francs (1 kg Gold) gehabt zu haben."

Er wollte die „Ware" billig ergattern!

Er gab sich als im Feld ausgebildeter Archäologe aus und schämte sich nicht, diese Artefakte, deren Seltenheit die Berliner Museen sehr wohl kannten, als wertlose Steine kaufen zu wollen – der Räuber von Pergamon und Gaziantep, C. Humann!

Oder seine Ratgeber in Berlin – die als Wissenschaftler verkleideten Beamten des deutschen Imperialismus, die sie als den besten Archäologen Europas vorstellten, wie E. Curtius!

„Humann zufolge war der für den Kauf dieser ‚wertlosen Steine' genannte ‚Betrag ziemlich hoch; die Kosten waren offensichtlich übertrieben'."

Hamdi Bey bewertete diese Artefakte einerseits mit 60–70.000 Francs (17–20 kg Gold) und nannte sie andererseits wertlose grobe Steine.

Humann wollte jedoch nicht, dass die Artefakte verkauft und in andere ausländische Hände gerieten.

Die „wertlosen Steine" von Zincirli, die er mit so viel Mühe (!) ausgegraben hatte, konnte er sich nicht von jemand anderem wegnehmen lassen.

Gegenüber dem Vorschlag der hohen osmanischen Behörde, des Großwesirs, die Artefakte in einer öffentlichen Auktion zu verkaufen, ergriff Osman Hamdi Bey erneut Humanns Partei.

Zweifellos neigte sein Herz den Deutschen zu!

Er wiederholte seine frühere Ansicht und behauptete, diese Artefakte hätten „keinerlei Wert, seien aus vermodertem Stein gefertigt, äußerst grob und ordinär und stammten aus der Hethiterzeit".

„Hamdi Bey war talentiert genug und hatte ein so hohes ‚Kunstverständnis', dass er orientalistische Gemälde wie die ‚Türkische Straßenszene' malen konnte, die er an den deutschen Staat verkaufte – aber archäologisch war er offenbar ebenso unwissend. Und dabei war er Direktor der osmanischen Museen.

Nach Ansicht mancher Zeitgenossen war er derjenige, der die Archäologie in dieses Land, nach Anatolien, gebracht hatte!

Dabei waren die für die Menschheitsgeschichte äußerst bedeutsamen Artefakte aus der Hethiterzeit äußerst selten und besaßen daher einen einzigartigen historischen Wert.

Dank dieser Inschriften sollte eine bis dahin wenig bekannte Epoche erhellt werden.

Offenbar galten für den Maler Osman Hamdi Bey griechische und römische Artefakte, die von der europäischen Aristokratie geschätzt wurden, als wertvoll, während die Steine der alten Kulturen Anatoliens wertlos waren.

Hamdi Bey blieb seiner Herzensschuld (!) treu.

Er blieb hartnäckig an der Seite des Schmugglers C. Humann.

Auch in seinem „zweiten Bericht", den er in seiner Eigenschaft als osmanischer Staatsmann verfasste und dem Maarif Nezareti vorlegte, betonte Hamdi Bey ausdrücklich, dass die Zincirli-Artefakte allein dank Humanns Geschick und persönlichem Einsatz zutage gefördert worden seien."

„Damit wiederholte er seine Empfehlung, einen Teil der Artefakte an das Berliner Museum zu senden, und verwies zur Begründung dieser Überführung erneut auf Artikel 32 der Asâr-ı Atîka Nizamnâmesi." (Oğuz Satır – Ali Çifçi, The "Worthless Stones" of Zincirli, S. 229–230)

(Großwesir Kıbrıslı Mehmet Kamil Pascha, der die Gaziantep-Artefakte nicht an die Deutschen abgeben wollte)

***

Wir setzen die Schilderung des „Raubes von Gaziantep" mit unseren eigenen Kommentaren fort, gestützt auf die Arbeit von Doç. Oğuz Satır und Doç. Ali Çifçi von der Marmara-Universität:

„Trotz des Schreibens von Großwesir Kâmil Pascha vom 30. August bestand Humann darauf, als Gegenleistung für die Transportkosten Artefakte zu fordern."

Inzwischen (müssen wieder unsichtbare Hände eingegriffen haben, denn) „das Maarif Nezareti teilte dem Ministerrat (Meclis-i Vükelâ) mit, dass es angemessen sei, Humann einige Artefakte zu übergeben."

Hinter dem Schmuggler Humann stand Osman Hamdi Bey, Direktor des osmanischen Müze-i Hümâyun, mit genug Einfluss, um sogar das Maarif Nezareti zu beeinflussen.

Zweifellos waren auch der deutsche Staat und Humanns Berliner Organisation „Orient-Komitee" in diesen Prozess eingebunden.

War auch der anfangs widerstrebende Kâmil Pascha (!) überzeugt worden? Oder war er übergangen worden?

War auch Sultan Abdülhamid II. eingeschaltet worden!

Der Ministerrat (Meclis-i Vükela) beschloss schließlich, Humann „als Gegenleistung für das für Ausgrabungen und Transport aufgewendete Geld und die geleistete Arbeit, unter der Bedingung, dass dies keinen Präzedenzfall für andere schafft, 5–10 Artefakte zu übergeben".

Der Imperialismus stürzte sich rücksichtslos auf denjenigen, den er als schwach erachtete.

„In dieser Phase wurde es für angemessen befunden, die Artefakte zunächst nach Istanbul, in das Osmanische Kaiserliche Museum, zu überführen."

Doch es war erkennbar, dass selbst in den höchsten Staatsebenen ernsthafte Debatten zu diesem Thema stattfanden.

Osman Hamdi Beys so offensichtliche Parteinahme für den Deutschen Carl Humann und seine rücksichtslose Haltung in dieser Angelegenheit müssen auch die Geduld der übergeordneten Behörden auf eine harte Probe gestellt haben.

In einem Dokument vom 24. Oktober ist zu sehen, dass der Großwesir zum Gegenangriff überging:

„Er teilte mit, dass der Padischah es für angemessen halte, dass Osman Hamdi Bey nach Zincirli reise, die Transportkosten übernehme und die Artefakte nach Istanbul, in das Osmanische Müze-i Hümayun, bringe."

Das heißt, der Staat griff in die Angelegenheit ein und sagte Hamdi Bey: Stopp.

Doch die Dinge waren längst geregelt worden.

Der Vogel war ausgeflogen!

(Felix von Luschan, der die Zincirli-Ausgrabungen leitete und Carl Humanns Gehilfe bei Ausgrabungen und Schmuggel war)

***

„Wie oben dargelegt, war der Transport bereits viel früher eingeleitet worden, und die gefundenen Artefakte hatten Istanbul am 10. August erreicht."

Und was war mit denen, die in See gestochen waren, ohne nach Istanbul zu gehen, direkt Richtung Deutschland? Was war mit ihnen geschehen?

Es war die Zeit, als die Macht des deutschen Imperialismus in ganz Europa spürbar war.

Dieser Transport war zweifellos mit Wissen und Zustimmung von Osman Hamdi Bey erfolgt, jedoch ohne das Wissen der übergeordneten Staatsbehörden.

Hatte Osman Hamdi Bey sich selbst an die Stelle des Staates gesetzt? Warum nahm er sich diese Macht, sogar gegen den Willen des Padischahs!

Oder hatten die Schreiben aufgrund der Häufigkeit der Entscheidungsänderungen ihre Empfänger nicht rechtzeitig erreicht.

Wie sollte dann diese Rechtswidrigkeit vertuscht werden?

Künftige Generationen würden über das heutige Ansehen von Osman Hamdi Bey diskutieren, der auf so verschlungenen Wegen wandelte; doch das Ansehen des türkischen Staates musste dauerhaft sein.

Letztendlich „bat der Ministerrat erneut gestützt auf Artikel 32 der Asâr-ı Atîka Nizamnâmesi – also faktisch auf Osman Hamdi Beys Genehmigung – Sultan Abdülhamid II. um Erlaubnis, dem Dieb Humann ‚5–10 weitere ähnliche Artefakte' zu übergeben."

„Schließlich wurde am 25. Oktober die Genehmigung erteilt, unter der Bedingung, dass Osman Hamdi Bey ‚die zu übergebenden ähnlichen Artefakte bestimmt'; mit der Überwachung des Prozesses wurde das Maarif Nezareti beauftragt."

„Am 8. November ermächtigte das Maarif Nezareti Osman Hamdi Bey im Einklang mit dem Willen des Sultans offiziell mit dieser Aufgabe."

„So wurden Humanns Forderungen bezüglich der Zincirli-Artefakte nach einem langen, zermürbenden und lehrreichen Prozess innerhalb der osmanischen Bürokratie schließlich erfüllt."

„Wie aus den Dokumenten klar hervorgeht, war Osman Hamdi Bey, Direktor des Osmanischen Kaiserlichen Museums, persönlich damit beauftragt worden, die Artefakte Humann und seinem Team zuzuweisen."

Die bei den Zincirli-Ausgrabungen von 1888 in 82 Kisten gefundenen Artefakte waren nach Istanbul gebracht worden; es war für angemessen befunden worden, lediglich 5–10 einander ähnliche und „als wertvoll erachtete" Stücke zu übergeben.

War das wirklich so?

Bemerkenswert ist, dass die Istanbuler Bürokratie erst am 25. Oktober und 8. November 1888 über die historischen Artefakte Gazianteps entscheiden konnte, während „während die Zincirli-Ausgrabungen noch liefen, Osman Hamdi Bey und Carl Humann bereits am 5. Juni 1888 im Hafen von İskenderun ein Treffen abgehalten hatten" – also lange vor diesen Daten.

„Dieses Treffen war auf Wunsch von Osman Hamdi Bey zustande gekommen, der von den Ausgrabungen in Sidon (Sayda) im Libanon zurückkehrte."

„An dem Treffen hatte neben Humann auch Felix von Luschan teilgenommen, einer der tatsächlichen Leiter der Zincirli-Ausgrabungen, und Osman Hamdi Bey war eine detaillierte Liste der bei den Ausgrabungen gewonnenen Artefakte vorgelegt worden."

„Obwohl in Humanns Schilderung nicht ausdrücklich erwähnt wird, dass dieser Besuch im Voraus geplant war, stand zweifelsfrei fest, dass das Treffen in direktem Zusammenhang mit der Aufteilung der in Zincirli ausgegrabenen Artefakte stand."

„Osman Hamdi Bey hatte Humann gesagt, er werde ihm helfen, einen Anteil an den Ausgrabungsfunden zu erhalten, dass das Thema jedoch aufgrund seiner begrenzten Zeit in İskenderun in Istanbul besprochen werden müsse."

„Zwischen Humann, der nach Istanbul gekommen war, und Osman Hamdi Bey war eine Einigung darüber erzielt worden, dass die östliche Hälfte des Großen Tores von Zincirli, die Asarhaddon-Stele und einige kleinere Funde nach Berlin gebracht werden sollten." (Oğuz Satır – Ali Çifçi, The "Worthless Stones" of Zincirli, S. 230–231)

(Ein in Zincirli gefundener, nach Berlin geschmuggelter Reiter aus Antep. Berlin, Vorderasiatisches Museum)

***

Danach gab es etwa ein Jahr lang keine nennenswerten Entwicklungen beim Raub von Gaziantep.

In diesem Zeitraum plünderte der deutsche Imperialismus durch einheimische und ausländische Handlanger einerseits weiter Pergamon und versuchte andererseits, die bereits verschluckten Gaziantep-Artefakte zu verdauen!

Dabei: Wer weiß, was noch alles unter der Erde in Zincirli lag?

Konnte dieses uralte Erbe dem im Niedergang begriffenen Osmanischen Staat und dem als „unwissend" geltenden anatolischen Bauern überlassen werden!

Zum Glück gab es Istanbuler Intellektuelle, die dem deutschen Imperialismus bewusst oder unbewusst dienten.

Das Gemälde „Türkische Straßenszene", das der deutsche Staat zu einem hohen Preis von dem gleichzeitig als Maler tätigen Osman Hamdi Bey erworben hatte, war in der Lage, so manche Tür zu öffnen!

„Carl Humann und sein Schmuggelnetzwerk beantragten bei den Behörden erneut neue Ausgrabungen in Gaziantep, selbstverständlich mit Osman Hamdi Beys Unterstützung als Türöffner.

Am 25. Dezember 1889 wurde den Deutschen unter der Bedingung, dass die Bedingungen der ersten Genehmigung und die einschlägigen Bestimmungen der Asâr-ı Atîka Nizamnâmesi eingehalten werden, erneut eine Ausgrabungsgenehmigung für Zincirli erteilt."

Der flinke Carl Humann hatte sich nicht mit Pergamon und Gaziantep begnügt und war auch in andere Regionen Anatoliens vorgedrungen.

Unser Land muss für ihn wie ein Honigkuchen gewesen sein.

Je mehr er aß, desto weniger wurde er satt, und er würde nie satt werden.

Der deutsche Imperialismus führte im Namen der Berliner Königlichen (Kaiserlichen) Museen auch an anderen Punkten Anatoliens weitere Ausgrabungen durch.

„Eine dieser Ausgrabungen fand in der antiken Stadt Tralleis in der Nähe des (damaligen) Dorfes Teke im Bezirk Aydın statt."

„Einem Dokument vom 17. März 1889 zufolge hatte Carl Humann bei diesen gemeinsam mit Wilhelm Dörpfeld durchgeführten Ausgrabungen den Kopf einer Apollostatue gefunden."

„Humann hatte gefordert, dass ihm, falls er auch den Rest der Statue finden sollte, ein Teil der Artefakte, die er bei den Ausgrabungen am Zincirli Höyük zutage gefördert und in das Osmanische Kaiserliche Museum gebracht hatte, ebenfalls übergeben werde."

„Diese Forderung war vom Staatsrat (Şûrâ-yı Devlet) akzeptiert worden."

„Allerdings konnte kein Dokument darüber gefunden werden, ob Humann den Rest der Apollostatue tatsächlich gefunden hatte und welche Artefakte ihm gegebenenfalls als Gegenleistung übergeben worden waren." (Oğuz Satır – Ali Çifçi, The "Worthless Stones" of Zincirli, S. 231. Anm. 37)

Höchstwahrscheinlich ist auch dieser Apollokopf in Carl Humanns Tasche nach Deutschland gegangen.

Humann führte Ausgrabungen durch: im Juni–Juli 1887 in Hierapolis (Denizli), 1888 in Zincirli–Sam'al und Tralleis (Aydın), sowie zwischen 1891–1893 im Mäandertal und in Ephesos.

Wer weiß, wie viele Skulpturen und historische Artefakte er noch aus diesen Ländern ins Ausland geschmuggelt hat!

(Deutsche Ausgräber aus Carl Humanns Schmuggelnetzwerk in Zincirli: Otto Puchstein und Robert Johann Koldewey)

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Die mit der neuen Genehmigung vom 25. Dezember 1889 durchzuführenden Ausgrabungen sollten Carl Humanns zweiter Plünderungsfeldzug nach Gaziantep werden.

Doç. Oğuz Satır und Doç. Ali Çifçi, die diesen Prozess detailliert untersucht haben, fahren fort:

„Die zweite Ausgrabung begann am 27. Januar 1890 und endete am 14. Juni 1890."

„Humann setzte die Ausgrabungsanträge bis zu seinem Tod im Jahr 1896 fort; ab 1890 wurden die Ausgrabungen jedoch überwiegend in Zusammenarbeit und unter der Leitung von Felix von Luschan und Robert Koldewey (1855–1925) durchgeführt."

Carl Humann war nun zum Meister des deutschen Schmuggels in Anatolien geworden. Ihm folgten neue Lehrlinge.

Sie waren sehr begierig darauf, die damals überlegenen kulturellen Errungenschaften der anatolischen Menschen aus einer Zeit mitzunehmen, als ihre germanischen Vorfahren noch in primitiven Gemeinschaften lebten.

Das durch den Kapitalismus reich gewordene deutsche Bürgertum suchte Wurzeln für seine geschichtslose Vergangenheit, indem es sich die anatolische Kultur aneignete.

Der Raub von Gaziantep–Zincirli musste noch weiter vertieft werden.

Um schneller graben zu können und die Plünderung zu beenden, bevor der Osmanische Staat vollends aufwachte und sie aufhielt, begannen sie, neue aus Deutschland mitgebrachte Geräte einzusetzen.

„Ende Februar 1890 erwies sich das aus Deutschland mitgebrachte Schienensystem als sehr nützlich."

„Diese technische Neuerung hatte den Abtransport der Ausgrabungserde erheblich beschleunigt und das Arbeitstempo deutlich gesteigert."

„Außerdem griffen sie auch den Gerçin Höyük an, der etwa 7 Kilometer von Zincirli entfernt liegt.

„Dort legten sie eine weitere Statue des aramäischen Sturmgottes Hadad und des Königs Panamuwa II. (743–733 v. Chr.) sowie Fragmente verschiedener Löwenskulpturen frei."

„Diese Funde wurden auf Schlitten nach Zincirli transportiert."

„Die Artefakte wurden zusammen mit Fotografien des Ausgrabungsvertreters Ahmed Bedreddin Bey am 31. März dem Osmanischen Kaiserlichen Museum gemeldet."

„Es war geplant, die Gerçin-Höyük-Artefakte zusammen mit den Zincirli-Funden nach İskenderun und von dort nach Istanbul zu transportieren, um sie nach Berlin zu schicken."

(Zincirli-Ausgrabungen – von Luschan 1902)

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Laut O. Satır und A. Çifçi „zeigen die einschlägigen Dokumente, dass der Fortschritt der Zincirli-Ausgrabungen dem Osmanischen Kaiserlichen Museum regelmäßig gemeldet wurde und dass diese Berichte auch Informationen über die Artefakte enthielten, die das deutsche Team in Tahtalı Pınar, Karaburçlu und Elbistan Höyük entdeckt hatte".

„Am Ende der Ausgrabungen wollte C. Humann drei der fünf freigelegten Löwenskulpturen haben."

„Als Gegenleistung bot er an, die Transportkosten für die verbleibenden zwei Löwenskulpturen nach Istanbul zu übernehmen."

„Am 31. Mai 1890 wurde dieses Angebot vom Maarif Nezareti, das mit der Aufsicht über das Osmanische Kaiserliche Museum (Müze-i Hümayun) beauftragt war, für angemessen befunden und anschließend dem Ministerrat (Meclis-i Vükela) und schließlich dem Sultan zur Genehmigung vorgelegt."

„Im Juni 1890 teilte das Müze-i Hümâyun mit, dass 30 Kisten mit Artefakten aus den Ausgrabungen vom Aufseher Ahmed Bedreddin Bey zum Hafen von İskenderun geschickt worden seien und dass noch 12 weitere Kisten mit Artefakten transportiert werden müssten."

„In dieser Phase tauchte jedoch ein unerwartetes Hindernis auf."

„Die İskenderun Rüsumat Emaneti (Zollverwaltung) verweigerte mit der Begründung, nicht offiziell informiert worden zu sein, die Ausfuhr der für das Berliner Museum bestimmten Artefakte ins Ausland und meldete dies dem Maarif Nezareti."

„Daraufhin forderte das Maarif Nezareti die İskenderun Rüsumat Emaneti auf, die Kisten mit den drei für das Berliner Museum bestimmten Löwenskulpturen zu öffnen und zu prüfen, nur diese Skulpturen zu versenden und die übrigen Artefakte zu beschlagnahmen."

„Diese Korrespondenz zeigte deutlich, dass die Zollbeamten im Hafen von İskenderun aktiv versuchten, den illegalen Schmuggel der in Zincirli ausgegrabenen Artefakte ins Ausland zu verhindern."

Natürlich gab es in diesem Land auch zahlreiche patriotische, ehrliche und entschlossene Beamte.

„Allerdings enthalten diese Dokumente keine detaillierten Informationen über das Schicksal der anderen nach İskenderun gebrachten Zincirli- und Gerçin-Höyük-Artefakte."

„Daher ist nicht mit Sicherheit bekannt, ob die betreffenden Artefakte mit Wissen der osmanischen Museumsverwaltung dem deutschen Team übergeben oder auf illegalem Wege (heimlich) nach Deutschland geschmuggelt wurden."

„Heute werden die Hadad-Statue, die Panamuwa-II.-Inschrift aus Gerçin Höyük und verschiedene Löwenskulpturfragmente im Vorderasiatischen Museum in Berlin ausgestellt." (Oğuz Satır – Ali Çifçi, The "Worthless Stones" of Zincirli, S. 231–233)

Ach!

Zwei nach Deutschland gebrachte Löwen aus Antep. Berlin, Vorderasiatisches Museum. Foto: Tayfun Bilgin)

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„Die am 14. Juni 1890 zu Ende gegangene zweite Ausgrabungssaison war äußerst ertragreich verlaufen und hatte zahlreiche neue Artefakte zutage gefördert."

„Die Sommersaison machte die Ausgrabungsbedingungen noch günstiger."

C. Humanns Lehrling „Felix von Luschan und sein Team planten, unter Berücksichtigung des Ablaufs der Genehmigung Ende Dezember, nach einer kurzen dreimonatigen Pause eine neue Ausgrabungsperiode."

Die Zincirli-Ausgrabungen waren neben Pergamon eines von Carl Humanns liebsten Ausgrabungsgebieten; ab dieser Phase war die tatsächliche Leitung der Ausgrabungen jedoch weitgehend von Luschan übertragen worden.

„Die dritte Ausgrabungsperiode begann am 9. Oktober 1890."

„Die Ausgrabungen wurden nach wie vor von Humanns Berliner Organisation „Orient-Komitee" finanziert."

„Das Ziel war, diese Saison so schnell wie möglich abzuschließen und die noch ausstehenden Arbeiten aus der vorherigen Saison zu beenden."

„Allerdings verlief die dritte Ausgrabungsperiode nicht wie geplant."

„Der Winter 1890–1891 war äußerst hart, und in der Region gab es starke Schneefälle."

„Darüber hinaus erschwerten eine Choleraepidemie, die verhängten Quarantänemaßnahmen und soziale Unruhen in der Umgebung von Zeytunlu–Maraş die Arbeiterbeschaffung erheblich."

„Infolgedessen musste das Ausgrabungsteam weit länger als geplant in Zincirli bleiben. Denn die Ausgrabungsgenehmigung war Ende Dezember 1890 abgelaufen." (Oğuz Satır – Ali Çifçi, The "Worthless Stones" of Zincirli, S. 231–233)

(Die in Gerçin bei Zincirli gefundene und nach Deutschland gebrachte Statue des Sturmgottes Hadad der semitischen (arabischen) Völker. Berlin, Vorderasiatisches Museum)

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Der Raub war noch nicht beendet.

Die Bedingungen waren für Ausgrabungen mit der vorherigen Genehmigung nicht geeignet gewesen.

„Im April 1891 wurde eine neue offizielle Genehmigung erteilt, um die dritte Ausgrabungssaison fortzusetzen."

Natürlich verfolgte Osman Hamdi Bey wie immer die Angelegenheit und erleichterte die Genehmigungen.

„In dieser Periode konzentrierten sich die Arbeiten größtenteils auf den als ‚Oberer Palast' bezeichneten Bereich der Stadt Zincirli Sam'al."

„Dort, im als Nordsaalbau bezeichneten Abschnitt, wurden zahlreiche Reliefs ans Tageslicht gebracht."

„Wie bei den früheren Ausgrabungen wurde auch die Sammlung von Artefakten aus den umliegenden Hügeln fortgesetzt."

„So hatte der Ausgrabungsvertreter Ahmed Bedreddin Bey gemeldet, dass zwei Steinartefakte aus Maraş Hacıbeyli nach Zincirli überführt worden seien."

Die deutschen Schmuggler würden in der Region Gaziantep kaum ein Artefakt aus dem 1. Jahrtausend v. Chr. übrig lassen.

„Ende März 1891 wurden die bei den Ausgrabungen freigelegten großformatigen Steinartefakte in der Absicht, die Ausgrabungen zu einem späteren Zeitpunkt fortzusetzen, wieder in die Erde eingegraben."

Linkes Dokument – Offizielles Staatsschreiben über die Übergabe einiger von C. Humann in der dritten Ausgrabungsperiode in Zincirli geborgener Artefakte an Humann als Gegenleistung für Transportkosten. (BOA.MF.MKT. 132/25. O. Satır und A. Çifçi S. 223).

Rechtes Dokument – Offizielles Schreiben des Aufsehers Ahmet Bedrettin Efendi über die Sendung der in der zweiten Ausgrabungsperiode in Zincirli gefundenen Artefakte an den Zoll von İskenderun. (BOA.MÜZ.ARK. 60/103) O. Satır und A. Çifçi S. 221).

„Mit dieser Methode sollte der natürliche Verwitterung und Beschädigung der Artefakte vorgebeugt werden."

„Allerdings ist nicht genau bekannt, wie viele Artefakte eingegraben und später wieder ausgegraben wurden."

„Demgegenüber hatte Carl Humann in einem Brief vom 12. Januar 1891 dem Maarif Nezareti mitgeteilt, dass er die in Zincirli ausgegrabenen Artefakte in 42 Kisten verpackt habe."

„Er hatte um Erlaubnis gebeten, 21 davon nach Berlin und den Rest nach Istanbul zu schicken."

„Diese Forderung war insofern ein Novum, als Humann die Hälfte der Artefakte zur Deckung seiner Kosten beanspruchte."

Dies widersprach der Nizamname von 1884 vollständig.

„Das Maarif Nezareti holte daraufhin die Stellungnahme der İskenderun Rüsumat Emaneti (einer Art Steuerbehörde) ein und teilte mit, dass alle 42 Kisten nach Istanbul geschickt werden müssten."

Das Ministerium widersetzte sich.

„Gleichzeitig teilte das Maarif Nezareti Ahmed Bedreddin Bey offiziell mit, dass die Transportkosten für die bei den Ausgrabungen geborgenen Artefakte nach Istanbul von Humann getragen werden würden."

(In Zincirli gefundene Steinverkleidungen des sogenannten Hilani-Baus (ein Palast-/Verwaltungsgebäudetyp mit einem säulengestützten Vorbau (Portikus), der im 10.–8. Jh. v. Chr. entstand), Raum IV. Berlin, Vorderasiatisches Museum. Foto: von Luschan. 1911)

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„Am 15. September 1891 teilte Humann in einem Brief an den Bildungsminister Münif Pascha (1828–1910) mit, dass er bereit sei, alle bei den Zincirli-Ausgrabungen gewonnenen Artefakte zusammen mit den bei den Menderes-Aydın-Ausgrabungen geborgenen Architekturteilen in das Osmanische Kaiserliche Museum zu überführen."

„In diesem Brief betonte Humann ausdrücklich, dass er bereits am 22. Juli eine ähnliche Anfrage gestellt habe, dass die Direktion des Müze-i Hümâyun – also Osman Hamdi Bey – vollständig über die Ausgrabungen informiert sei und bei Bedarf detaillierte Informationen liefern könne."

Als die Deutschen auf Schwierigkeiten stießen, schaltete sich Hamdi Bey sofort ein.

„In seinem dem Maarif Nezareti vorgelegten Bericht erinnerte er daran, dass Humann seit drei Jahren in Zincirli grabe und dass ihm in der ersten und zweiten Ausgrabungssaison erlaubt worden sei, einen Teil der freigelegten Artefakte ins Berliner Museum zu bringen, während er den Rest nach Istanbul transportieren solle."

„Er führte aus, dass die bei den Ausgrabungen gefundenen Artefakte äußerst groß und schwer seien und der Transport von Zincirli nach Istanbul daher hohe Kosten verursache."

„Aus diesem Grund erklärte er, es für angemessen zu halten, Humann als Gegenleistung für die Übernahme der Transportkosten einen Teil der Artefakte zu übergeben."

„Außerdem erklärte er ausdrücklich, dass er nach der Überführung aller Artefakte nach Istanbul selbst eine Prüfung vornehmen und persönlich entscheiden werde, welche im Osmanischen Kaiserlichen Museum verbleiben und welche Humann übergeben werden sollen."

Hamdi Bey setzte seine konsequente Unterstützung der Schmuggler fort!

„Daraufhin bat das Maarif Nezareti Hamdi Bey, die Fotografien der Artefakte zu prüfen und das Ergebnis der Bewertung dem Ministerium mitzuteilen."

„Am 11. März 1892 teilte Osman Hamdi Bey dem Maarif Nezareti auf der Grundlage der Berichte von Ahmed Bedri Bey, der im Namen des Müze-i Hümâyun in Zincirli tätig war, mit, dass der Transport dieser aus ‚vermodertem Stein' gefertigten Hethiter-Artefakte nach Istanbul etwa 50.000 Kuruş kosten würde."

„Diese Steine waren vermodert."

Mein Gott!

Wenn diese Steine vermodert waren und keinen Sinn hatten, warum bestand C. Humann so hartnäckig darauf, sie ins Ausland zu bringen?

(Zwei aus Zincirli nach Deutschland gebrachte Reliefblöcke aus den angeblich „vermoderten" Steinen (!), laut Hamdi Bey. Berlin, Vorderasiatisches Museum)

Die Osmanen würden diese vermoderten Steine den Deutschen geben, damit keine Kosten entstehen, und die naiven Deutschen würden diese nutzlosen Steine auf Schiffe laden und ins Herz Europas transportieren!

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Osman Hamdi versuchte, die „Geschichte" zu täuschen – aber vergebens!

Laut Hamdi hatte das Museum (also der Staat) kein Budget (also kein Geld) für den Transport der Artefakte.

Wie bereits erwähnt, „war ein Teil dieser Artefakte in früheren Ausgrabungen von Humann auf eigene Kosten nach Istanbul gebracht worden, ein anderer Teil war gemäß Artikel 32 der Asâr-ı Atîka Nizamnâmesi mit Hamdi Beys Genehmigung dem Berliner Museum übergeben worden."

In dieser Situation „wiederholte Hamdi Bey, dass alle in Zincirli ausgegrabenen Artefakte nach Istanbul gebracht werden müssten; er erklärte, dass er nach der Prüfung gesondert bestimmen werde, welche davon Humann übergeben werden sollen."

„Das Maarif Nezareti leitete diese Ansicht an den Meclis-i Vâlâ (Şûrâ-yı Devlet) weiter; der Rat billigte die Entscheidung und legte sie dem Sultan vor."

Denn das frühere Verhalten hatte nun Schule gemacht.

„Nach der Genehmigung des Sultans wurde die Direktion des Müze-i Hümayun, also Osman Hamdi Bey, offiziell mit der Durchführung der erforderlichen Maßnahmen beauftragt."

„Bis zur Einreichung eines neuen Ausgrabungsantrags für Zincirli (6. Oktober 1893) sind keine weiteren Informationen über das Schicksal der in der dritten Ausgrabungsperiode freigelegten und wieder eingegrabenen Artefakte verfügbar."

Ob diese Artefakte wirklich eingegraben wurden, ob sie nach dem Eingraben von geheimen Händen ausgegraben und weggeschmuggelt wurden oder ob sie nach dem Eingraben durch offizielle Ausgrabungen wieder zutage gefördert wurden, ist nicht bekannt.

In einem solch undurchsichtigen Schmuggelumfeld ist es nicht schwer, sich vorzustellen, was mit ihnen geschehen ist!

„Allerdings wurde in dem neuen Antrag auf Ausfuhr der zuletzt in Zincirli geborgenen Artefakte ins Ausland angegeben, dass der Großteil der Ausgrabungsfunde nach Istanbul transportiert worden sei und erwartet werde, dass der Rest in Kürze Istanbul erreiche."

Schließlich wurde in einem am 28. Februar 1894 an das Vilayet Adana gesandten Schreiben darum gebeten, Mistakidis Efendi beim Transport der in der dritten Ausgrabungsperiode freigelegten Artefakte zum Hafen von İskenderun zu unterstützen.

Mistakidis Efendi war ein lokaler Subunternehmer/Kommissionär, der Ende des 19. Jahrhunderts auf der Strecke İskenderun–Adana–Halep im Bereich Transport, Hafenarbeit, Hafen–Zoll-Angelegenheiten sowie Stein- und Kistenbeförderung mit dem Staat und ausländischen Ausgrabungsteams zusammenarbeitete.

Er war wahrscheinlich ein Grieche aus Adana.

Die deutschen Ausgrabungsteams (Humann, von Luschan usw.) zogen es vor, bei den betreffenden Arbeiten nicht mit einheimischen muslimischen Dorfbewohnern, sondern mit griechisch-levantinischen Vermittlern zusammenzuarbeiten.

Vermutlich ließ sich der Schmuggel auf diese Weise leichter bewerkstelligen.

(In Zincirli gefundene, nach Deutschland gebrachte Inschrift des Sam'al-Königs Barrakib in aramäischer Sprache. Berlin, Vorderasiatisches Museum. Foto: Tayfun Bilgin)

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Was in Zincirli geschah, ist weder eine unschuldige wissenschaftliche Ausgrabung noch ein singuläres historisches Ereignis; dieser Prozess ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie kulturelles Erbe in der Zerfallszeit von Imperien unter dem Deckmantel von Recht, Bürokratie und Wissenschaft den Besitzer wechselt.

Was den Steinen in Zincirli widerfuhr, ist nicht bloß ein Ortswechsel; es ist das Herausreißen des Gedächtnisses, das Verpacken der Stille in Kisten.

Die Spitzhacke traf nicht die Erde, sondern die Zeit; das Recht wurde zur Unterschrift, die Wissenschaft zur Ausrede.

Die mit Carl Humanns Spitzhacken begonnene, leider durch Osman Hamdi Beys Genehmigungen legitimierte und in Berliner Schaufenstern vollendete Kette – die als „wertlos" bezeichneten Steine sind in Wirklichkeit die stummen Zeugen der vielschichtigen Geschichte des nachhethitischen Anatoliens.

Jene schwarzen Steine, die als „wertlos" bezeichnet wurden, sind nun die zum Schweigen gebrachte Stimme des nachhethitischen Anatoliens.

Dass diese Artefakte heute von Anatolien abgetrennt sind, ist nicht nur ein Zeichen eines vergangenen Raubes, sondern einer bis heute andauernden Mentalität.

Jedes in den Depots der Berliner Museen eingesperrte Relief gleicht einem aus dem Zusammenhang gerissenen Satz: der Kontext verloren, die Bedeutung unvollständig.

Denn wenn ein Stein von seinem Ort gerissen wird, verliert er nicht nur seinen Platz, sondern auch seine Bedeutung, er wird leichter; doch wir wissen: Ein Stein wiegt am meisten an seinem Ort.

DIE HISTORISCHEN ARTEFAKTE VON GAZİANTEP UND PERGAMON, DER ZEUSALTAR GEHÖREN NICHT INS KALTE UND NEBLIGE BERLIN, SONDERN INS URALTE GAZİANTEP UND INS SCHÖNE BERGAMA. SIE MÜSSEN UNBEDINGT ZURÜCKKEHREN, NACH HAUSE KOMMEN!

Sefa Taşkın

04.01.2026

Karşıyaka/İzmir