Er schrieb stets Gedichte, war immer produktiv. Bis zu seinem Tod am 15. Oktober 2008... Ein 94-jähriges Leben, das eine Zeit lang vom Dienst als Offizier an den Grenzen während der Kriegsjahre und später von der Tätigkeit als Inspektor im öffentlichen Dienst geprägt war; doch sein Wesen war die Literatur. Fazıl Hüsnü Dağlarca war ein sozial engagierter Dichter, dessen Sozialismus auf dem Respekt vor dem Menschen und dem menschlichen Leben gründete...
In einem Interview sagte er: „Die Trennung hat eine andere, schmerzhafte Größe. Und diese stelle ich über alles, was ich bisher aufgezählt habe: Die Trennung vom Türkischen.“ sagte er. „Ist Türkischsein nicht zuallererst, Türkisch zu sein?“ betonte er mit diesen Worten seine Liebe zu unserer Sprache...
EIN LEBEN, DESSEN WESEN DIE LITERATUR WAR
Dağlarca, der mit seinem Gedicht „Yavaşlayan Ömür“ (Das sich verlangsamende Leben), das 1933 in der Zeitschrift „İstanbul Dergisi“ erschien, erstmals auf sich aufmerksam machte, veröffentlichte sein erstes Buch „Havaya Çizilen Dünya“ (Die in die Luft gezeichnete Welt) am 30. August 1935, dem Tag, an dem er die Militärakademie Harbiye als Offizier verließ. Dağlarca, der bis zu seinem letzten Atemzug produktiv blieb und insgesamt über 140 Bücher verfasste, von denen mehr als 60 Gedichtbände sind, wurde sowohl in der Türkei als auch international mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet; seine Werke wurden in viele Fremdsprachen übersetzt.
Der meisterhafte Dichter, der als Vertreter der epischen Dichtung in unserer Literatur gilt, hat die großen Kriege unserer Geschichte in epischer Form analysiert. Als Beispiele können die Gedichte „Çakırın Destanı“, „Üç Şehitler Destanı“, „İstiklal Savaşı“, „Samsun’dan Ankara’ya“, „İstiklal Savaşı-İnönüler“, „İstanbul Fetih Destanı“, „Malazgirt Ululaması“ sowie „Yedi Memetler, Çanakkale Destanı“ genannt werden.
„OHNE GEDICHTE FRIERE ICH“
Dağlarca hat sein Leben lang immer vom ‚Türkischen‘ gesprochen und wollte auf Türkisch fühlen. Dies betonte er in seinen Interviews und Reden: „Mein Türkisch spricht zu mir in Gedichten. Ich höre dem Türkischen nur zu, ich füge nichts hinzu, mir bleibt nur, das aufzuschreiben, was mein Türkisch mir sagt. Die Dichtung ist das nationalste Gebilde. Nationen werden unsterblich, solange sie dieses Gebilde, das auf ihrer eigenen Sprache beruht, bewahren.“
Er hat 75 Jahre lang geschrieben und von Dichtung gesprochen: „...Die Dichtung lässt mich nicht los. Sie lässt mich nachts nicht schlafen. Ohne Gedichte friere ich. Egal was ich anziehe, ohne Gedichte kann ich mich nicht wärmen...“
„...Wenn man mir nach jedem Gedicht 100 Stockhiebe versprechen würde, wäre ich dabei. So sehr liebe ich es, Gedichte zu schreiben...“
Er hat auch Gedichte für Kinder geschrieben und seine Liebe zu ihnen, „Je mehr Kinder mich lesen, desto länger lebe ich“ hat er mit diesen Worten zum Ausdruck gebracht...
Wie alle Menschen hat auch er geliebt und war verliebt; „Drei- oder viermal ist mir das widerfahren. Ich war jedes Mal sehr erschöpft. Beim Hören aller Lieder war mir zum Weinen zumute. Selbst die banalsten Lieder fing ich an, für wahr zu halten.“
Fazıl Hüsnü Dağlarca, der bei der Themenwahl keine Grenzen kannte, ließ dieselbe Sorgfalt auch in der Sprache walten und verfasste seine Gedichte mit unterschiedlichen sprachlichen Merkmalen.
Seine sensible Haltung gegenüber aktuellen Themen, die er ab den 1960er Jahren in seine Gedichte einfließen ließ, nahm mit der Zeit immer weiter zu: Mit Büchern wie „Cezayir Türküsü“ (Lied von Algerien), „Hiroşima“, „Vietnam Körü“ (Der blinde Vietnam) und „Nötron Bombası“ (Neutronenbombe) sang er die Melodien einer weiten Geografie.
„Ich habe auf die goldene Waage der Welt
Liebe im Gewicht meiner selbst gelegt“
Gebt Laut, ihr Jugendlichen ferner Völker
Ich habe alle meine Antennen gespannt.“
Auch im 'Epos von Çanakkale' beklagte er sich in seinem 'Türkisch' auf freundschaftliche Weise über die fernen Völker, die von den Westlern in den Krieg von Çanakkale hineingezogen wurden:
„Warum kommst du, mein tapferer Senegalese
Reicht es nicht, dass du jahrelang deine Güter gabst
Wirst du nun auch noch all dein Leben hingeben
Warum kommst du, mein tapferer Australier
Was verlangen deine Berge
Aus meinen Bergen?
Was kommst du, tapferer Inder
Wirst du dich freuen, wenn der, der dich verschlingt, auch mich verschlingt?
In deinen heiligen Wassern des Ganges?"
"MEIN TÜRKISCH, MEINE KLANGFAHNE"
Der meisterhafte Dichter, der mit der Zeile ‚Mein Türkisch, meine Klangfahne‘ den Wert und die Bedeutung aufzeigte, die er unserer Sprache beimisst, „Dies ist ein unerschöpfliches Thema. Ist Türkischsein nicht zuallererst, Türkisch zu sein?“ sagte er. Gleichzeitig schlug er die Gründung eines Ministeriums für Sprachangelegenheiten vor.
Er ließ sich nicht von der Kritik einiger Kreise beirren, die ihm eine 'übermäßige Vereinfachung der Sprache' vorwarfen, und setzte seinen Weg unbeirrt fort. Mit seiner beeindruckenden Sprache und symbolischen Ausdruckskraft wurde er auf seiner 75-jährigen dichterischen Reise, wie er es selbst nannte, zu einer 'Schule für sich'.
Vor 17 Jahren, heute vor 94 Jahren, verließ er uns... In dem Glauben, dass wir uns noch stärker für die 'Sprachfahne', unser 'Türkisch', einsetzen werden, die er sein Leben lang hochgehalten hat, gedenke ich Fazıl Hüsnü Dağlarca noch einmal mit Respekt.
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