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Baby-Anführer!

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Die Weltpolitik hat sich in eine regelrechte Reality-Show verwandelt. Wie sehr vermissen wir echte Führungspersönlichkeiten! Gebildete, kultivierte und seriöse Anführer…

Neulich fand in Tirana, der Hauptstadt Albaniens, der Gipfel der Europäischen Politischen Gemeinschaft statt. Er stand dem Filmfestival von Cannes in nichts nach. 

Der albanische Premierminister Edi Rama nahm mit weißen Turnschuhen am Gipfel teil. Als er die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni begrüßte, ging er vor ihr in die Knie. 

Während des Gipfels wurden KI-generierte Bilder der Staats- und Regierungschefs als Babys gezeigt. Zwar würde ein Großteil der Weltbevölkerung es wohl vorziehen, von den Baby-Versionen dieser Anführer regiert zu werden, doch einige der Politiker verfolgten diese alberne Begrüßung mit einem Lächeln, andere wiederum völlig regungslos. Man könnte sagen, dieser Gipfel sollte eben lustig sein und uns eine Atempause in der Politik verschaffen, doch wenn wir uns die aktuelle Lage insgesamt ansehen, müssen wir alle zugeben, dass die heutigen Weltführer kaum noch Ähnlichkeit mit den Anführern von früher haben. Der eine ringt mit Bären, der andere bietet Geld an, um ein anderes Land zu kaufen, oder lässt sich per KI als Papst darstellen…

Doch sie alle haben eine Gemeinsamkeit: Sie beherrschen das Wahrnehmungsmanagement perfekt. Und genau diese Showman-Allüren halten sie an der Macht. Sie scheuen sich nicht zu lügen, schämen sich nicht, Versprechen zu geben, die sie nicht halten können, greifen zu Montagen, und von Intrigen ganz zu schweigen… Um Stimmen zu gewinnen, ist es für sie kein Problem, mit den Empfindlichkeiten der Gesellschaft zu spielen, Menschenrechte zu verletzen oder Kriege anzuzetteln. 

Nun hat weltweit auch noch eine Migrantenfeindlichkeit eingesetzt… Zuerst begann der US-Präsident Trump mit mexikanischen Einwanderern. Dann kündigte er an, die Türen für alle Migranten zu schließen. Die italienische Ministerpräsidentin Meloni, vor der sich der albanische Premier verneigte, überschlägt sich förmlich, um die Ankunft von Migranten zu verhindern. Der britische Premierminister Keir Starmer hat sich nun als Letzter dem schnell verbreitenden, extrem konservativen Wind der Migrantengegner angeschlossen. Und das als Vorsitzender der Labour Party! Nachdem die Labour Party nach 14 Jahren die Konservativen abgelöst hatte, veröffentlichte sie kürzlich eine Studie, um den Aufstieg der in Großbritannien rasant wachsenden, einwanderungsfeindlichen Reform Party zu bremsen. Demnach erklärte der Premierminister, man müsse das Land davor bewahren, eine „Insel für Migranten“ zu werden. Er kündigte eine Reform des Einwanderungsgesetzes an. 

Die britische Öffentlichkeit und zivilgesellschaftliche Organisationen sind der Ansicht, dass die neuen Regeln gegen die Menschenrechte verstoßen werden. Aber wen kümmert das schon? Den Wählern zu gefallen, ist das gemeinsame Merkmal heutiger Führungspersönlichkeiten. 

Wären doch nur die KI-generierten Baby-Anführer vom Gipfel der Europäischen Politischen Gemeinschaft in Tirana diejenigen, die die Welt regieren… Sie hätten keine politischen Ambitionen, keine rücksichtslosen Strategien, keine Gier nach Macht, keine Machttrunkenheit und keine grausame Politik. 

Politiker wie Atatürk, Charles de Gaulle, Winston Churchill, Dwight D. Eisenhower und Kurt Georg Kiesinger sind einst durch diese Welt gegangen… Wären sie heute noch am Leben, würde sie die heutige Politik wahrscheinlich vor Kummer umbringen.