Es waren die 90er Jahre, eine Zeit, in der im türkischen Pop wahllos Songs produziert wurden…
Ein absolut irrsinniger Song von Fatih Erkoç war damals populär: „Oynatmaya az kaldı doktorum nerde?“ (Es fehlt nicht mehr viel bis zum Durchdrehen, wo ist mein Arzt?).
Genau in dieser Stimmung befinden wir uns gerade.
Wie sonst lässt sich das erklären, was wir gerade erleben?
Zum Beispiel muss man in der Türkei nun die Regierung um Erlaubnis fragen, um den Preis für ein Simit zu erhöhen! Genau wie bei den Brotpreisen muss vor einer Preiserhöhung für Simit eine „positive“ Stellungnahme des Handelsministeriums eingeholt werden.
Das heißt: Auch wenn die Kosten vor der Wahl steigen, sind Preiserhöhungen verboten!
Die Simit-Rechnung ist ein klassisches Argument von Politikern…
Präsident Recep Tayyip Erdoğan kritisierte 1993, als er für die Wohlfahrtspartei (Refah Partisi) Politik machte, die Regierung von Ministerpräsidentin Tansu Çiller mit der „Tee-Simit-Rechnung“. Erdoğan sagte damals, dass das Budget einer fünfköpfigen Familie selbst dann ein Defizit aufweise, wenn sie drei Mahlzeiten am Tag nur Tee und Simit zu sich nähme.
Danach nutzten alle oppositionellen Politiker diese Rechnung. Der ehemalige CHP-Vorsitzende Kemal Kılıçdaroğlu kritisierte Erdoğans Wirtschaftspolitik mit dessen eigener „Tee-Simit-Rechnung“.
Doch eine solche politische Debatte wird es nicht mehr geben!
Denn egal, was die Produzenten zu den Simit-Preisen sagen, die Regierung wird darüber entscheiden.
Egal wie stark Mehl, Treibstoff oder Sesam im Preis steigen; selbst wenn der Dollar bei 32, der Euro bei 35 und das Britische Pfund bei 41 Lira liegen und die Kosten durch die Decke gehen, wird die Regierung keine Preiserhöhung für Simit zulassen.
Warum?
Weil die „Tee-Simit-Rechnung“ Regierungen in Bedrängnis bringt!
Und wenn der Produzent, der Verluste macht, das Backen von Simit aufgibt, dann ist das eben so, dann verabschieden wir uns halt vom Simit…
Letzte Woche sind wir zum Beispiel in unserem Wirtschaftsmodell, in dem „die Zinsen die Ursache und die Inflation das Ergebnis“ sind, trotz des „Nas“ (religiöse Vorgaben) gegen die Zinslobbys unterlegen…
Bei den Einlagen- und Handelskreditzinsen haben wir letzte Woche den Höchststand seit 22 Jahren gesehen. Die durchschnittlichen Zinssätze für TL-Einlagen mit einer Laufzeit von 1-3 Monaten stiegen letzte Woche im Vergleich zur Vorwoche um 38 Basispunkte auf 53,63 Prozent.
Als ob das nicht genug wäre, veröffentlichte das Forschungszentrum für Klassenfragen der Birleşik Metal-İş (BİSAM) den „Bericht zur Hunger- und Armutsgrenze für den Zeitraum Februar 2024“.
Dem Bericht zufolge überschritt die Hungergrenze für eine vierköpfige Familie 16.000 Lira und die Armutsgrenze 55.000 Lira.
Was sagte Fatih Erkoç noch gleich? „Oynatmaya az kaldı doktorum nerde?“
Die Ärzte konnten unsere wirtschaftlichen Probleme nicht heilen; bei diesem Verlauf wird uns wohl nichts anderes übrig bleiben als der weiße Kittel (der Psychiatrie).
XXX
Eine weitere Nachricht, die in der vergangenen Woche die Zeitungsüberschriften zierte, war, dass die NASA im Weltraum Bier gefunden hat…
Sicherlich gab es Leute, die sich darüber aufgeregt haben: „Als ob sie es aus Trotz gerade im Ramadan verkünden müssten“…
Die NASA hat mithilfe des James-Webb-Weltraumteleskops, dem fortschrittlichsten Teleskop zur Beobachtung des Weltraums, zwei junge Protosterne namens „IRAS 2A“ und „IRAS 23385“ identifiziert.
Die NASA erklärte, dass die beiden entdeckten jungen Protosterne in einem „echten chemischen Cocktail“ schwimmen und dass sie in der Gaswolke, die die Protosterne umgibt, Bierbestandteile gefunden haben.
Der Name sagt es schon: junge Sterne. Natürlich sind sie heißblütig und dem Alkohol verfallen!
In der Gaswolke, die diese beiden Protosterne umgibt, wurde eine hohe Konzentration von „Ethanol“-Molekülen festgestellt, die auch als „Alkohol“ bekannt sind.
Die NASA erklärte, dass dies der Entstehung unseres Sonnensystems ähnelt.
Wenn unser Sonnensystem aus Alkoholbestandteilen besteht, dann sind wir alle verflucht!
Wie komme ich darauf?
Hat nicht İdris Bozkurt, Mitglied des Hohen Rates für religiöse Angelegenheiten des Präsidiums für Religionsangelegenheiten (Diyanet), letzte Woche erklärt, dass diejenigen, die alkoholische Getränke herstellen, transportieren, anbieten, servieren und mit Alkohol Geld verdienen, „verflucht“ seien?
Was, wenn unser Sonnensystem aus Alkoholbestandteilen besteht? Wehe uns…
Wir warten auf eine dringende Fatwa zu diesem Thema…
Außerdem haben wir noch weitere Fragen. Zum Beispiel: Ist es auch ein Grund für einen Fluch, wenn man im Weltraum diesen Bestandteilen ausgesetzt ist?
Sind Außerirdische besser drauf als wir? Ist es eine Sünde, einem alkoholisierten Außerirdischen die Hand zu schütteln?
Gilt unser erster türkischer Astronaut, der in den Weltraum flog, in dem es so viel Alkohol gibt, als jemand, der unwissentlich gesündigt hat?
Hat Cem Yılmaz, der im Ramadan ein Bild von Alkohol auf seinem Social-Media-Account teilte, etwas mit den Außerirdischen zu tun? (Schließlich hat er doch den Film G.O.R.A. gedreht, oder?)
Werden wir verflucht, wenn wir uns die Filme von Cem Yılmaz ansehen?
Niemand soll mir erzählen, dass wir uns nicht in einer Simulation befinden.
Denn dieser Unsinn kommt nicht einmal mehr in Filmen vor, so etwas kann nur in einem Computerspiel konstruiert werden…
Hat nicht ohnehin der verrückte Milliardär Elon Musk gesagt: „Ich habe Beweise. Das Universum, in dem wir leben, ist eigentlich eine Simulation. Wir befinden uns in einem Computerspiel.“
Jetzt habe ich auch mindestens genauso viele Beweise wie Elon Musk!
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