73 Jahre… Es hat ganze 73 Jahre gedauert, bis ein Verbot in Saudi-Arabien aufgehoben wurde. Heute ist der Verkauf von Alkohol im ganzen Land – an genau 600 Standorten – gestattet. Saudi-Arabien führt den seit 1952 verbotenen Alkohol wieder ein, mit der Begründung, er sei „auf touristische Gebiete beschränkt“.
Bei uns hingegen haben wir Angst, Roka neben den Raki zu legen. Wenn man in den sozialen Medien einen Beitrag mit Raki teilt, wird man gelyncht.
In vielen Städten fühlt es sich wie ein Verbrechen an, nach 22.00 Uhr Bier zu kaufen.
Während die Saudis den Alkoholverkauf freigeben, diskutieren wir darüber, um wie viel Uhr die Musik verstummen muss. Auf Universitätsgeländen wird das Tanzen verboten, Festivals werden abgesagt, die Musik wird um 00.00 Uhr abgestellt.
Sie veranstalten Festivals, wir fragen uns: „Ist dieser Tanz zu freizügig?“
In Riad gab Jennifer Lopez ein Konzert. Frauen tanzten in dekolletierten Kleidern mit leuchtenden Armbändern in den Händen.
Bei uns ist jede Sommersaison dieselbe: Ein Festival wird verboten, dann ein Konzert abgesagt. Die Begründung? „Gesellschaftliche Sensibilität.“ Dabei hört niemand auf das Volk; durch das Verstummenlassen der Musik wird eine Zensur der Freiheit ausgeübt.
Saudi-Arabien ist kein Paradies der Freiheiten. Diese Reformen sind zugleich ein großes „Schaufenster für Tourismus und Investitionen“. Meinungsfreiheit und politische Opposition stehen weiterhin unter Druck. Aber die Richtung ist klar: Sie versuchen, Dinge zu öffnen.
Frauen schreiten auf dem Weg zur Emanzipation schnell voran. Sie sitzen nicht mehr nur am Steuer; sie sind auch in den Reihen der Armee, an Geheimdiensttischen und auf den Tribünen der Stadien präsent.
Mitten in der Wüste findet ein Wandel statt.
Saudi-Arabien, das einst sagte: „Frauen sollen nicht Auto fahren, das ist eine Sünde“, erkennt heute sogar das Recht der Frauen an, einen Verkehrsunfall zu verursachen.
In Riad geht eine Frau mit ihrer Schwester zu einem Fußballspiel. Auf dem Schal, den sie um den Hals trägt, steht der Satz: „Das ist auch unser Spiel.“
Saudi-Arabien ist keine Demokratie. Doch die „Vision 2030“ von Kronprinz Mohammed bin Salman schreitet voran wie ein dünner, aber entschlossener Lichtstrahl, der beginnt, ein eiskaltes Regime aufzutauen. Sie haben ihre Richtung geändert. Während sich Saudi-Arabien öffnet,
blickt die Türkei in die entgegengesetzte Richtung. Autoritäre Reflexe werden stärker, Freiheiten schrumpfen. Verbote nehmen zu. Dort, wo die Türkei einst als Vorbild galt, kursieren heute Geschichten, die mit „einst“ beginnen.
Saudi-Arabien war gestern eine Wüste, heute ist es ein Konzertsaal… Warum ist unser Land so karg geworden?
Wenn eine Frau, die mitten in der Wüste ins Stadion geht, freier ist als eine Frau, die mitten in Istanbul nicht sicher spazieren gehen kann, dann sollten wir uns fragen;
Wohin steuert die Türkei?
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