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Flüsse und Kinder!

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Vor zwei Tagen kam es in İliç zu einem weiteren Erdrutsch. Da bei dem Vorfall keine Toten oder Verletzten zu beklagen waren, fand er in den Nachrichten kaum Beachtung. Doch in naher Zukunft werden wir die Auswirkungen der „İliç-Katastrophe“ in der Region nach und nach zu spüren bekommen. Die Belastung durch giftige Substanzen, die in den Euphrat sowie in das Grund- und Oberflächenwasser der Region gelangen, wird leider wieder zuerst die Kinder treffen. Wir sind jedoch ein Land, das den Gewinn aus dem Goldbergbau höher bewertet als die Gesundheit von Kindern.

Der Wert, der dem Gold beigemessen wird, ist höher als der Wert, der dem menschlichen Leben beigemessen wird. Die Gier nach Profit kennt keine Rücksicht auf Natur, Kinder, Boden, Wasser, Luft oder Gesundheit.

In der Türkei gibt es 22 Goldminen, von denen 19 aktiv sind. In naher Zukunft werden die durch Goldminen verursachte ökologische Verschmutzung sowie extreme Wetterbedingungen infolge der Klimakrise die Regionen, in denen produziert wird, anfällig für große Katastrophen wie Überschwemmungen machen. Doch auch für diese Situation gibt es keinerlei öffentliche Vorbereitungen.

Glücklicherweise gibt es Wissenschaftler, denen die Gesundheit und die Zukunft der Kinder am Herzen liegen. Einer von ihnen ist der Lebensmitteltechnologe Bülent Şık. In unserem Land, in dem nationale und internationale Publikationen seltener werden und die Forschung immer schwieriger wird, schlägt Bülent Şık jedes Jahr mit einer Veröffentlichung wie eine Bombe in der türkischen Agenda ein. Die neueste Untersuchung von Bülent Şık trägt den literarisch verfassten Titel Flüsse und Kinder!

Sie ist von einer Art, die Eltern eine Gänsehaut bereiten wird!

Der Bericht „Flüsse und Kinder – Erscheinungsformen langsamer Gewalt im Becken des Großen Mäander“ legt offen, dass die toxische Verschmutzung durch Goldminen, Kohlebergwerke und geothermische Kraftwerke im Becken des Großen Mäander, dem größten Feuchtgebiet der Türkei, die Gesundheit unserer Kinder ernsthaft bedroht.

Er macht auf die Zerstörung, die Verschmutzung und die Verengung der Lebensräume nicht nur von Menschen, sondern auch von anderen Lebewesen durch den Kohle- und Goldbergbau in den Provinzen Aydın, Denizli und Uşak aufmerksam und warnt vor den massiven Problemen, die in naher Zukunft durch Wassermangel und Atemnot entstehen werden.

LANGSAME GEWALT

Bülent Şık bezeichnet die Belastung durch giftige Substanzen, der Kinder ausgesetzt sind, als „langsame Gewalt“. Der Bericht, der das Ausmaß dieser „langsamen Gewalt“ beschreibt – eine toxische Belastung, die ohne genaue Beobachtung nicht verstanden oder wahrgenommen werden kann, deren Auswirkungen auf Kinder jedoch mit der Zeit zu tödlichen Folgen führen –, wurde der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Wer möchte, kann ihn aus dem Internet herunterladen und lesen.

Die Untersuchung, die in Zusammenarbeit mit der Stiftung für Bildung und Sozialforschung „Zusammenleben“ (BAYETAV) und dem Verein für Gerechtigkeit im Raum (MAD) durchgeführt wurde, weist darauf hin, dass ein dringender Bedarf an einem Ansatz besteht, der die Wassereinzugsgebiete unter Schutz stellt und die Verschmutzung verhindert.

Bülent Şık betont, dass Blei ein hochgiftiger Stoff ist, der Kindern großen Schaden zufügt. Während Blei bei Erwachsenen innerhalb von 5 bis 6 Stunden aus dem Stoffwechsel ausgeschieden wird, kann dieser Zeitraum bei Kindern auf 24, 36 oder sogar 40 Stunden ansteigen. Er fordert ein strenges Überwachungs- und Kontrollsystem für toxische Chemikalien und betont, dass das Problem der Verschmutzung als politische Priorität behandelt werden muss. Er unterstreicht die Notwendigkeit, einen „Aktionsplan für Gesundheit und Umweltverschmutzung“ zu erstellen, um die Verschmutzungsprobleme anzugehen und einen Fahrplan für deren Lösung zu entwickeln.

Flüsse und Kinder! Wenn wir die Augen schließen, entsteht ein wunderschönes Bild vor unserem geistigen Auge. Auch Bülent Şık beginnt mit dieser Schönheit. Er erzählt, dass er seine Kindheit in einem Viertel in unmittelbarer Nähe des Flusses Seyhan verbracht hat: „Obwohl es für uns Kinder gefährlich und verboten war, gingen wir heimlich zum Seyhan-Fluss.“ Wie diejenigen, die in der Nähe eines Flusses aufgewachsen sind, nur zu gut wissen, gibt es Flüsse, zu denen wir immer wieder zurückkehren. „Wenn unser Herz schmerzt, kehren wir an bestimmte Flussufer zurück.“

„Flüsse und Kinder“ führt uns die bitteren Folgen des unersättlichen Appetits des Kapitalismus vor Augen.

Und der Autor fragt:

„Ist es nur ein Fluss, der stirbt? Was geschieht mit uns, mit den Menschen, die dort leben, wenn ein Raum, der uns umgibt und aufnimmt, zerstört und unbewohnbar gemacht wird?

Was bleibt von uns übrig?

Was bleibt von den Kindern übrig?

Ist es nur der Große Mäander, den wir verlieren?“