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Mit Gift bewässerte Böden und unsere Kinder

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Ein Kind greift beim Frühstück nach einem Apfel, den seine Mutter geschält hat. Der Duft des angebissenen Apfels ist süß, die Farbe leuchtend. Doch etwas, dessen sich weder das Kind noch die Mutter bewusst sind, bleibt: Pestizidrückstände auf der Schale, Spuren von Blei oder Arsen im Inneren… Wie eine unsichtbare Bedrohung sickern sie leise in diesen kleinen Körper ein.

Egal wie gründlich wir waschen, egal wie oft wir sie in Wasser mit Natron oder Essig einlegen… Die unkontrolliert in der Landwirtschaft eingesetzten Pestizide und Schwermetalle befinden sich nicht mehr nur auf dem Feld, sondern auf unseren Tellern. Die Realität, die die Türkei durchzieht und die von Bianet treffend als „Korridor der toxischen Metalle“ bezeichnet wird, ist nun in jedem unserer Häuser, auf unseren Tellern und im Blut unserer Kinder angekommen.

Blei, Cadmium, Arsen… Schon das Aussprechen dieser Namen fällt schwer, doch sie hemmen die Entwicklung unserer Kinder; sie führen zu geistiger Behinderung, Lernschwierigkeiten und Störungen des Nervensystems. Kleine Körper tragen Lasten, die viel zu groß für sie sind.

Aber warum?

Weil für mehr Produktion, billigere Lebensmittel und größere Gewinne die Stimme des Bodens zum Schweigen gebracht wird. Weil nicht hinterfragt wird, ob das, was „gut aussieht“, auch „wirklich gesund“ ist. Und in diesem System sind diejenigen, die am meisten leiden, wieder einmal die Wehrlosesten: Kinder und die armen Arbeiter in der Landwirtschaft. Diese Mütter, diese Frauen… während sie ohne Handschuhe die mit Pestiziden behandelten Setzlinge halten, finden sie kaum noch die Kraft, sich um ihre eigenen Kinder zu kümmern.

Heute ist der 1. Mai. Tag der Arbeit und der Solidarität.

Doch es ist nicht nur der Tag der Arbeiter, sondern aller unsichtbaren Werktätigen, die die Last dieses Systems tragen. Es ist der Tag der Mutter, die auf dem Feld Gift einatmet, des Kindes, dessen Boden nicht geschützt werden kann, und der Familie, die am Esstisch stillschweigend vergiftet wird.

Denn saubere Lebensmittel sind nicht nur ein Verbraucherrecht, sondern auch ein Recht auf Leben. Und dieses Recht wird durch die Verteidigung eines Lebens gewonnen, in dem der Boden nicht verschmutzt, die Arbeit nicht ausgebeutet und Kinder nicht vergiftet werden. Vielleicht liegt die größte Solidarität darin, gemeinsam von jenem Tag zu träumen, an dem ein Kind wieder ohne Angst in einen Apfel beißen kann.