Das Bildungsministerium hat das „Maarif-Modell des türkischen Jahrhunderts“ (Türkiye Yüzyılı Maarif Modeli) der Öffentlichkeit vorgestellt und dabei nur eine sehr kurze Frist für Kritik und Bewertungen eingeräumt. Das Thema ging jedoch im Getöse um das Treffen zwischen Özel und Erdoğan unter. Während sich unsere Medien mit den Nuancen dieses Treffens beschäftigten, ist die 10-tägige Frist, die das Ministerium für die Prüfung des neuen Lehrplans gewährt hat, bereits abgelaufen!
Dabei ist die geplante Lehrplanänderung das wichtigste Thema der Türkei. Sie ist weitaus bedeutender als eine Verfassungsänderung.
Die Unterrichtszeiten für Türkisch, Philosophie, Geschichte, Physik, Biologie und Chemie wurden auf ein Niveau festgesetzt, das der gesamten Zeit für den Religionsunterricht entspricht. Für das Fach Religionskultur und Ethik wurde ein sehr intensiver Lehrplan erstellt. Kemal Irmak, Vorsitzender der Gewerkschaft der Beschäftigten im Bildungs- und Wissenschaftswesen (Eğitim-Sen), der das „Maarif-Modell des türkischen Jahrhunderts“ geprüft hat, stellt fest: „Es wird ein Religionsunterricht auf einem Niveau erteilt, mit dem man fast schon die Pilgerreise nach Mekka antreten könnte.“
Kemal Irmak weist darauf hin, dass viele Inhalte, die sich auf wissenschaftliche Bildung beziehen, in den Lehrplänen sorgfältig aussortiert wurden.
Viele Pädagogen, die den Entwurf des neuen Lehrplans geprüft haben, geben an, dass das Bildungsmodell darauf ausgelegt sei, eine Generation von Robotern heranzuziehen, die nicht denkt, nicht hinterfragt, nicht kritisiert, nicht widerspricht und nicht interpretiert – eine seelenlose Generation. Nicht nur die Eğitim-Sen, sondern auch viele Nichtregierungsorganisationen und zahlreiche Pädagogen teilen diese Ansicht.
Ich habe das Vorschulbildungsprogramm des neuen Lehrplans untersucht. Ich habe in meinem Artikel letzte Woche ausführlich darüber geschrieben. Das Modell basiert auf dem Prinzip „Tugend-Wert-Handlung“.
Was nützt Werteerziehung bei einem Kind, das nicht satt wird?
Ich möchte eine wichtige Erkenntnis teilen, die aus dem Symposium für Kinderrechte und Wohlergehen hervorging, das am 25. und 26. April vom Antalya-Verband der türkischen Akademikerinnen organisiert wurde. Die Daten verdeutlichen, dass der neue Bildungslehrplan im Kontext der „Kinderarmut“ betrachtet werden muss.
Nach den Daten des Türkischen Statistikinstituts (TÜİK) zur monetären Armut aus dem Jahr 2023 liegt die Armutsquote bei Kindern in der Türkei bei 31,3 Prozent! Diese Zahl bedeutet, dass 7 Millionen Kinder in der Türkei (jedes dritte Kind) in Armut leben.
Fulya Sarvan, Vorsitzende des Antalya-Verbands der türkischen Akademikerinnen, sagt: „Vom Westen bis in den Osten der Türkei treten die multidimensionalen Folgen der Armut zutage. Kinderarmut muss mit umfassenden, mobilisierungsartigen Maßnahmen dringend angegangen und als eine der kritischsten Verletzungen der Kinderrechte betrachtet werden.“
In diesem Zusammenhang sollte der vorrangige Schritt – noch vor dem neuen Lehrplan – die Bereitstellung einer gesunden Schulmahlzeit und von sauberem Trinkwasser für Kinder an staatlichen Schulen sein!
Vom äußersten Osten bis zum äußersten Westen des Landes müssen nachhaltige Bildungspolitiken entwickelt werden, die das verfassungsmäßige Recht auf „Chancengleichheit in der Bildung“ für jedes Kind innerhalb der Grenzen der Republik Türkei schützen.
Die tiefe Armut hat auch die Kinder getroffen. In einer Zeit, in der die Grundbedürfnisse jedes dritten Kindes – wie Gesundheit, Nahrung, Kleidung und Unterkunft – nicht gedeckt werden können, ist es wichtiger, die Kinder zu ernähren, als den Lehrplan zu ändern.
Was bringt es, den Lehrplan zu ändern, ohne die Kinderarmut zu lösen?
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